Typ-1-Diabetes: Ballaststoffe im Protektions-Check

22. Juli 2015
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Die meisten Fälle von Inselautoimmunität treten in den ersten beiden Lebensjahren auf. Nahezu alle Betroffene entwickeln daraufhin einen Typ-1-Diabetes. Eine ballaststoffhaltige Diät hat – zumindest kurzfristig – jedoch keinen protektiven Einfluss auf Immunsystem oder Mikrobiom.

Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung und der Forschergruppe Diabetes e. V., Helmholtz Zentrum München, analysierten mehr als 17.600 Ernährungsprotokolle von über 3.300 Kindern aus Deutschland und den USA, die an der TEDDY Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) teilnahmen. Die Ernährungsprotokolle wurden in regelmäßigen Abständen geführt, als die Kinder zwischen neun und 48 Monate alt waren. Der Inselautoantikörper-Status der Kinder wurde alle drei Monate überprüft. Wenn ein oder mehrere Inselautoantikörper im Blut nachweisbar sind, spricht man von einer „Inselautoimmunität“. Bei mehreren Inselautoantikörpern entwickeln nahezu 100 Prozent der Betroffenen innerhalb von 20 Jahren einen Typ-1-Diabetes.

Bei der Verdauung löslicher Ballaststoffe entstehen als Gärprodukte kurzkettige Fettsäuren, denen antientzündliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Ballaststoffe die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Die im Darm beheimateten Mikroorganismen wiederum interagieren mit dem Immunsystem. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sich das Mikrobiom von Personen mit Typ-1-Diabetes von dem gesunder Personen unterscheidet. Daher gingen die Münchner Diabetesforscher davon aus, dass die reichliche Zufuhr von löslichen Ballaststoffen in den ersten beiden Lebensjahren vor der Entstehung einer Inselautoimmunität schützen könnte.

Noch keine Diätempfehlung zur Vorbeugung

Diese Vermutung bestätigte sich leider nicht. Es konnte zu keinem Zeitpunkt im frühen Kindesalter ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der aufgenommenen Menge von ballaststoffhaltiger Kost und einer späteren Inselautoimmunität beziehungsweise einem bereits manifesten Typ-1-Diabetes festgestellt werden. „Unsere Auswertungen legen den Schluss nahe, dass eine ungenügende Ballaststoffzufuhr keinen direkten Einfluss auf entzündliche Prozesse im Körper hat, die zu Typ-1-Diabetes führen“, fasst Dr. Andreas Beyerlein, Statistiker vom Institut für Diabetesforschung die Ergebnisse zusammen. „Von Diätempfehlungen zur Vorbeugung von Typ-1-Diabetes bei Risikopersonen sind wir derzeit noch weit entfernt“, ergänzt Beyerleins Kollegin, die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sandra Hummel. „Möglicherweise beeinflussen andere Ernährungsbestandteile das Mikrobiom und die Entwicklung von Autoimmunität.“ Wegen der noch relativ kurzen Nachverfolgungszeit bei Teilnehmern der TEDDY Studie (im Mittel fünf Jahre) können langfristige Effekte allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Originalpublikation:

Dietary intake of soluble fiber and risk of islet autoimmunity by 5 y of age: results from the TEDDY study
Andreas Beyerlein et al.; American Journal Of Clinical Nutrition, doi: 10.3945/ajcn.115.108159; 2015

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