Brust- und Eierstockkrebs: Genetisches Risiko

8. Mai 2013
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Forscher präsentierten nun die Ergebnisse einer aktuellen, multizentrischen Studie. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine Veränderung am so genannten TERT-Gen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erheblich erhöht.

Mit einem Sample von mehr als 100.000 Patientinnen aus Europa, den USA und Asien liegt nun die weltweit größte Studie zum Thema Brust– und Eierstockkrebs vor. Das internationale Projekt, das auf eine europäische Initiative zurückgeht, belegt den Zusammenhang zwischen Veränderungen des TERT-Gens und dem Auftreten von Brust- bzw. Eierstockkrebs. Das TERT-Gen ist eine Stelle auf dem Chromosom 5, das ein Eiweißmolekül kodiert, welches die Stabilität von Chromosomen unter anderem im Bereich der Brust und der Eierstöcke reguliert.

Christian Singer, Leiter des Labors für erblichen Brust- und Eierstockkrebs und Leiter der Senologie an der Universitätsfrauenklinik: „Das Zellwachstum im menschlichen Organismus wird durch die Regulation von Zellteilung, die durch bestimmte Gene gesteuert wird, ermöglicht. Unsere Studie untersuchte Variationen des TERT-Gens. Mit unseren Untersuchungen konnte belegt werden, dass bestimmte „Schreibfehler“ in diesem Gen das Risiko von unkontrolliertem Zellwachstum, also dem Auftreten von Krebs, deutlich erhöht.“

Internationale Kooperation
Das Comprehensive Cancer Center beteiligte sich an diesem Forschungsprojekt durch die Einbindung von Patientinnen in die Studie und der SNP-Analyse ihres Genmaterials. (Als SNP, Single Nucleotide Polymorphisms, werden Variationen einzelner Basenpaare in einem DNA-Strang bezeichnet.) Bei der SNP-Analyse werden Abschnitte von Genen auf fehlerhafte Kodierung untersucht. „Man untersucht dabei die DNA-Stränge systematisch nach noch so kleinen Defekten. Diese Fehler sind in manchen Fällen unwesentlich, in anderen, wie in dem hier untersuchten, spielen sie eine überragende Rolle. Die aktuellen Erkenntnisse helfen uns, Krebs besser zu verstehen. Je mehr wir über solche Veränderungen wissen, desto mehr können wir über das Risiko der Trägerin, an Krebs zu erkranken, aussagen“, erläutert Singer. „Diese Studie ist ein hervorragendes Beispiel für internationale Kooperation. Ein derart großes Patientinnen-Sample kann man auf nationaler Ebene, wo in Studien normalerweise maximal 3.000 Patientinnen eingebunden werden können, nie erreichen.“

Originalpublikation:

Multiple independent variants at the TERT locus are associated with telomere length and risks of breast and ovarian cancer.

C. F. Singer et al.; Nature Genetics; doi:10.1038/ng.2566, 2013

 

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Gynäkologie, Medizin, Onkologie

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