Epilepsie bei Kindern: Lehrer im Falle eines Anfalles

24. Juli 2015
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Das Erscheinungsbild der Epilepsie und die Anwendung der Arzneimittel sind in ihrer Komplexität nur wenigen Pädagogen bekannt. Neurologen zeigen sich darüber besorgt, dass immer noch veraltete Notfallmaßnahmen wie das Einführen eines festen Gegenstandes zwischen die Zähne kursieren.

Epilepsie ist für Kinder und ihre Eltern eine belastende Erkrankung. Bei einem Drittel der Epilepsiepatienten treten trotz der Verwendung von Arzneimitteln Anfälle auf. Häufig sind Notfallmedikamente erforderlich, um die Anfälle zu beenden. Wichtig ist, dass diese zügig angewendet werden. Da die Kinder tagsüber im Kindergarten oder in der Schule sind, müssen auch Erzieher und Lehrer wissen, was zu tun ist. Eine Gruppe von Forschern aus dem Universitätsklinikum und der Universität Leipzig hat sich des Themas angenommen.

In der Befragung von fast 1.250 Lehrern und Erziehern kamen wichtige Erkenntnisse zu Tage: Es wurde deutlich, dass ein Grundwissen zur Erkrankung und medikamentösen Dauer- und Notfallbehandlung einer Epilepsie bei einem Großteil der Befragten vorhanden ist. „Jedoch sind das Erscheinungsbild der Erkrankung und die Anwendung der Arzneimittel in ihrer Komplexität nur wenigen Pädagogen bekannt“, sagt Thilo Bertsche, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität Leipzig.

Veraltete Notfallmaßnahmen im Umlauf

Besonders im Bereich der Anwendung von Notfallarzneimitteln bestehen Unklarheiten. „Dabei kann deren rasche Anwendung bei einem Anfall für die Gesundheit des Kindes von nachhaltiger Bedeutung sein. Dass immer noch veraltete Notfallmaßnahmen wie das Einführen eines festen Gegenstandes zwischen die Zähne kursieren, ist ein wichtiges Indiz dafür, dass eine konstruktive Unterstützung der Pädagogen auf diesem Gebiet wichtig ist“, betont Astrid Bertsche, Oberärztin am Sozialpädiatrischen Zentrum der Universitätskinderklinik.

Schulung erwünscht

Auch die unklare Rechtslage bei Medikamentengabe durch medizinisch nicht geschultes Personal wurde von den befragten Pädagogen als belastend empfunden. „Erfreulich war, dass die Erzieher und Lehrer eine große Bereitschaft zeigten, sich weiteres Wissen anzueignen, um epilepsiekranken Kindern zu helfen“, sagt Jörg Zabel, Professor für Biologiedidaktik. So wünschten sich über 90 Prozent der Befragten zusätzliche Informationen, insbesondere im Rahmen einer Schulung.

Originalpublikation:

Knowledge and attitudes of school teachers, preschool teachers and students in teacher training about epilepsy and emergency management of seizures
Henriette K. Dumeier et al.; Archives of Disease in Childhood, doi: 10.1136/archdischild-2015-308306; 2015

27 Wertungen (3.26 ø)
Medizin, Neurologie

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10 Kommentare:

Gast
Gast

Das mit dem Zungenbiß ist keinesfalls ein alter Zopf und passiert auch heute.
Bei Kindern ist es selbstverständlich die Pflicht der Eltern fremdes Betreuungspersonal einschl. Lehrer über die Möglichkeit einer Krampfepisode und natürlich dafür geeignete Hilfsmaßnahmen zu informieren. Jede Epilepsie ist anders.

#10 |
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Renate Wilp hat die wichtigsten Maßnahmen sehr gut und systematisch beschrieben!

#9 |
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Heilpraktikerin in Ausbildung Tanja Bürgermeister
Heilpraktikerin in Ausbildung Tanja Bürgermeister

…zumindest, wie Renate Will dargestellt hat. …

#8 |
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Heilpraktikerin in Ausbildung Tanja Bürgermeister
Heilpraktikerin in Ausbildung Tanja Bürgermeister

@Christine Donth: Schon mal was von Eigeninitiative gehört? Erste Hilfe Kurse können auch privat belegt werden.
Zudem im Notfall darf jeder helfen. …

#7 |
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Gast
Gast

@Christine Donth, falsch! im Notfall dürfen Sie auch bei rot über die Ampel fahren,
Sie dürfen nur keinen Unfall verursachen.

#6 |
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Gast
Gast

zu#1 für Ärzte immer noch das beste ein Benzodiazepin (Valium) i.v.,
was sich auch noch nicht rumgesprochen hat, ist die Tatsache der Zunahme bei alten Menschen, die die Kinder inzwischen zahlenmäßig überholt haben. Das Hirn wird empfindlicher, Schlafentzug, noch häufiger der Alkoholentzug aber auch alle möglichen Medikamente können das auslösen.
-> Valium i.v.

#5 |
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Renate Wilp
Renate Wilp

Erste Maßnahmen im Falle eines Anfalles können sein:
1. Kind so zu positionieren, dass es sich im Krampf nicht verletzen kann, also am besten hinlegen und scharfe bzw. eckige Sachen oder Dinge, die zerspringen können, aus dem Umfeld räumen
2. auf die Uhr schauen, damit man bei einem langanhaltendem Krampf dem Notarzt die Dauer mitteilen kann
3. bei bekannter Epilepsie führen die Kinder Notfallmedikamente mit, die nach ärztlicher Anordnu8ng entweder sublingual oder rectal verabreicht werden können (Lehrer sollten dieses schon vorher in Erfahrung bringen)
4. bei nicht bekannter Epilepsie immer Notarzt rufen
5. bei bekannter Epilepsie gibt in der Regel der behandelnde Kinderarzt vor, wie lang der Krampfanfall dauern darf, bevor der Notarzt gerufen werden soll oder bzw. das Notfallmedikament gegeben werden soll
6. Möglichst für ein ruhiges Umfeld sorgen, z.B. andere Kinder wegschicken, in der Regel kommen die Patienten selber wieder aus dem Krampf heraus und sind danach auch erschöpft.

#4 |
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Christine Donth
Christine Donth

Die Rechtslage ist nicht unklar: Das Verabreichen von Medikamenten ist Lehrern verboten!!! Lehrer dürfen einem Schüler nicht einmal ein Pflaster aufkleben, sie dürfen dies höchstens dem Schüler zur Verfügung stellen, so dass dieser es sich selbst aufkleben kann.
An den meisten Schulen gibt es mittlerweile einen Schulsanitätsdienst (von Schülern für Schüler), der sich um kleinere Blessuren kümmert.
Eine Schulung von Lehrern für “echte” Notfälle wie im Artikel beschrieben wäre wünschenswert, ebenso wäre eine spezielle Schulung bezüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Chemieunfällen für Chemielehrer wünschenswert – zumal zum Teil nicht einmal die Ärzte in der Notaufnahme einer renommierten Uniklinik wissen, wie sie mit Bromverätzungen etc. umgehen sollen…

#3 |
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Gast
Gast

Ja, was sollen Lehrer machen, wenn so ein Kind plötzlich mit einem Anfall am Boden liegt? Können doch nichts spritzen.

#2 |
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Dr. Octavian Schatz
Dr. Octavian Schatz

Es ist ein wenig unbefriedigend, wenn man nur erfährt, was als Notfallmaßnahme bei Epilepsie nicht geeignet ist, nicht aber, was denn tatsächlich hilft.

#1 |
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