Rockt: Die Heavy-Metal-Hygiene

26. Oktober 2011
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Mehrere Millionen krankenhausassoziierte Infektionen hat Europa jährlich zu beklagen. Immer mehr Keime entwickeln Antibiotikaresistenzen. Eine neue Wunderwaffe könnte Kupfer sein, da Oberflächen aus Kupfer antimikrobiell wirken.

Händewaschen, Oberflächen putzen und desinfizieren, Schutzkleidung – Hygiene sollte im Krankenhaus großgeschrieben werden, was leider häufig nicht der Fall ist (DocCheck berichtete). In Deutschland erkranken nach Auskunft des Bundesministeriums für Gesundheit rund 400.000 bis 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 1 Million Infizierten jährlich. Wo sie sich infizierten bleibt oftmals im Dunkeln, denn Krankenhäuser stehen eigenverantwortlich in der Sorgfaltspflicht. Und nicht jedes Haus erhebt und bewertet bis jetzt Daten dazu.

Kupfer glänzt gegen Keime

Als wichtigste Maßnahme gelten der sparsame und gezielte Einsatz von Antibiotika, die Isolierung von Infizierten und das Tragen von Schutzkleidung, um die Entstehung und Ausbreitung v.a. multiresistenter Keime zu reduzieren, so Alfred Nassauer, Stellvertretender Leiter des Fachgebiets Angewandte Infektions- und Krankenhaushygiene des Robert Koch Instituts (RKI). Mit dem „Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und weiterer Gesetze“ will die Bunderegierung dem Problem in Zukunft zu Leibe rücken.

Eine bislang kaum beachtete Möglichkeit ist allerdings weniger vom Verhalten der Menschen als vom Material häufig berührter Oberflächen abhängig: Kupfer. MRSA-Bakterien überleben auf Edelstahl bis zu fünf Tagen. Auf Messing, einer Legierung aus Kupfer und Zink, sind die Bakterien nur noch weniger als fünf Stunden aktiv und auf reinem Kupfer sind sie nach 30 Minuten unschädlich gemacht. Untersuchungsergebnisse zu den antimikrobiellen Eigenschaften des Kupfers von Bill Keevil der Universität Southampton in Großbritannien anlässlich der im Juni dieses Jahres veranstalteten International Conference on Prevention and Infection Controll (ICPIC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf präsentierte Michael Schmidt der Medical University of North Carolina.

Kupfer plus Endreinigung: Potenzierte Wirkung

In der Studie, finanziert vom Verteidigungsministerium, untersuchten Keevil und Mitarbeiter Kupfer an häufig berührten Oberflächen in Intensivabteilungen dreier verschiedener medizinischer Zentren. Ob Bettgitter, Betttablett, Infusionsständer oder Patientenklingel – waren diese mit Kupfer beschichtet oder aus Kupfer, resultierte eine über 40-prozentige Reduktion des Risikos einer erworbenen Krankenhausinfektion. Insgesamt ließen sich Oberflächenpathogene um 97 Prozent reduzieren. Das entspricht der Endreinigung eines Patientenzimmers nach Krankenhausentlassung. Bakterien auf Oberflächen in Intensivzimmern sind für bis zu 80 Prozent der Patienteninfektionen verantwortlich, so Schmidt. Dies zeigt wie schwierig es ist, Krankenhäuser sauber zu halten. Endreinigungen in Verbindung mit Kupferoberflächen könnten ihren Beitrag zur Minimierung der Infektionen leisten.

Bereits frühere Ergebnisse einer Untersuchung von Keevil zeigen die Eradikation von MRSA auf Kupferoberflächen. Bei Raumtemperatur bleibt MRSA auf trockenen Edelstahloberflächen bis zu 72 Stunden lebensfähig. Legierungen mit Kupferanteilen von 55, 80 oder 99 Prozent sorgten nach viereinhalb, drei und anderthalb Stunden für signifikante Keimreduktionen. Auch gegen E. coli, Clostridium difficile und Grippeviren ist Kupfer offenbar wirksam.

Niedrige Infektionsraten mit Kupfertürgriffen

In Deutschland ersetzte bereits die Asklepios Klinik in Hamburg in einem zweimal 16 Wochen andauernden Feldversuch auf zwei Krankenhausstationen Türklinken, Türplatten und Lichtschalter aus Edelstahl oder Plastik mit Kupfer. Das Deutsche Kupferinstitut unterstützte den Versuch. MRSA-Bakterien ließen sich unter Alltagsbedingungen um 30 Prozent senken. Neubesiedlungen wurden eingedämmt. Insbesondere die Türklinken erwiesen sich als effektiv. Die Stationen konnten niedrigere Infektionsraten belegen.

Bereits seit der Antike ist die antimikrobielle Wirksamkeit von Kupfer bekannt. Vielleicht hält das Schwermetall bald auch in neuzeitliche Krankenhäuser Einzug. Der Kostenfaktor dürfte in Anbetracht der Kosten aufgrund der Behandlung Krankenhaus-assoziierter Infektionen nicht das schlagende Argument sein.

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15 Kommentare:

Kupfer ist auch ein essentielles Spurenelement.Die Dosis macht das Gift – bei der Depotphorese wird das Kupfer an die organischen zahnbestandteile gebunden, es entstehen unlösliche Komlexe. Eine Therapieentscheidung ist eine Einzelfallenscheidung und kein weltanschaulicher Richtungskonfikt. Alles, was ein Therapuet tun kann, ist, Entscheidungen für eine Therapiefindung zu geben, in Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten.In vielen Fällen empfehle ich auch, auf die Wurzelbehandlung zu verzichten, wenn ich sie als unangemessene Kompromißbehandlung einstufen muss.

#15 |
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“30.10.11 – 16:35
Dr. Norbert Guggenbichler
Zahnarzt/-ärztin

Als Zahnarzt arbeite ich seit fünf Jahren mit der Depotphorese, einem Verfahren zur Einscheusung von Kupfer-Ionen ins Zahnbein,”

Kupfer ist ein Schwermetall.
Kupfer ist giftig.

Wieso ein permanent giftiges Metall in den Körper einleiten, wenn man auf der anderen Seite sein Geld mit der AUSLEITUNG von Metallen verdient?

http://www.dr-guggenbichler.de/therapie.htm

[*quote*]
———————————-
Folgende THERAPIEVERFAHREN setze ich ein:

¿ PSYCHOSOMATISCHE ENERGETIK
nach Dres. Reimar und Ulrike Banis (Rubimed-Mittel), als basistherapeutisches Verfahren zur gesundheitlichen Stabilisierung
¿ SCHMERZTHERAPIE
¿ AMALGAMENTFERNUNG
mit schonenden Bohr- und Absaugtechniken einschließlich Vor- und Nachbehandlung
¿ HERDSANIERUNG: ohne Komplikationen
¿ ZAHNENTFERNUNG ohne Komplikationen
Schonende Entfernung toter, eingewachsener Zähne und chronischer Entzündungen
¿ METALLENTFERNUNG
Nachweis und Behandlung von versteckten Metallbelastungen: Quecksilber, Zinn, Amalgam, Palladium, Titan usw.
¿ METALLFREIE ZAHNSANIERUNG
(Füllungen, Inlays, Kronen, Brücken, herausnehmbarer Zahnersatz), speziell für Patienten mit Unverträglichkeiten und Allergien
¿ Z-Look-IMPLANTATE nach Dr. Volz:
Metallfreie Implantate aus Zirkonoxidkeramik sind ideal für die Versorgung bei Metallallergien und -unverträglichkeiten
[…]
———————————-
[*/quote*]

#14 |
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Als Zahnarzt arbeite ich seit fünf Jahren mit der Depotphorese, einem Verfahren zur Einscheusung von Kupfer-Ionen ins Zahnbein, wenn der Zahnnerv entfernt werden musste. die Erfolgsquote bei wurzelbehandelten Zähnen scheint mir sehr erfolgversprechend. Gerade bei Zähnen, die der Vorbehandler schon entfernen wollte, konnte ich eindrucksvolle Erfolge sehen. Weit verbreitet ist das Verfahren dennoch nicht, weder bei gesetzlichen noch privaten Versicherungen erstattungsfähig.

#13 |
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Harald Hänsch
Harald Hänsch

Kupfersulfat wurde bis vor kurzer Zeit zur Klauenpflege bei Schafen und Rindern angewendet.Die antibakterielle Wirkung ist überzeugend.Es wurde wegen angeblicher Rückstandsproblematik jedoch verboten einzusetzen.

#12 |
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Hebamme

Validierung von Gegenständen und Hygieneprozessen reicht es nicht. Kontrollen von Hygienebeauftragten in KH sind auch mangelhaft schon dadurch dass die momentane Zustand d. Station prüfen und nicht die Menschen bei der Arbeit. Vielleicht sind wir schön so weit dass wir die Menschen valiederen sollen? ;)

#11 |
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Gilles Quinet
Gilles Quinet

Es sind weder die Hände noch die Gegenstände allein, die zur Übertragung beitragen, sondern die Summe aller möglicher Übertragungswege.
Würde man sich nicht auf einzelne “Täter” beschränken und manche nicht sinnfrei alles nachplappern, was sie im “Hygieneschnellkurs” gelernt haben, käme man vielleicht einen Schritt weiter.

#10 |
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Zahnarzt

Das habe ich schon vor 30 Jahren im Hygienekurs im Studium gelernt…..
Ich habe in meiner Praxis deshalb ausschliesslich Messingklinken, und schöner sind sie auch.

#9 |
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Franz Josef
Franz Josef

Genaue Quellen habe ich gerad nicht zur Hand: Vor kurzem waren Ag-Nanopartikel als Oberflächenbeschichtung in Bezug auf die Reduktion von MSRA-Infektionen in Diskussion.
Ich denke nicht, dass es sich unbedingt um massive Kupfer- oder Edelmetallschichten handeln muss.

#8 |
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Medizinfotograf / Designer

Wir hatten doch erst vor kurzem Die MRSA-Studien- Holland im Vergleich mit D. Resultat: Das Personal sind die Träger der Keime. Werden Ärzte und Helfer jetzt Kupferbeschichtet?

#7 |
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Herr Ralph Siegismund
Herr Ralph Siegismund

Türklinken schaden in der Regel keinem Patienten, es sind die Hände des Personals die Erreger übertragen.Diese müssen sauber sein.

#6 |
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Herr Ralph Siegismund
Herr Ralph Siegismund

Auch die beste Kupferklinke kann nicht die notwendige Händedesinfektion vor Patientenkontakt oder z.B. vor aseptischen Tätigkeiten ersetzen. Wenn sich jeder an diese einfache Regel hält, würden die Rate der nosokomialen Infektionen bzw. Übertragungen von (multiresistenten) Erregern deutlich gesenkt werden. Der Einsatz von solchen Mitteln wie z.B. Kupferklinken führt aus meiner Sicht nur zu einem falschen Gefühl der Sicherheit und verleitet die wirklich notwendigen basishygienischen Maßnahmen zu vernachlässigen. Interessant wäre zu erfahren, ob die Reduktion an nosokmialen Infektionen im Asklepios KH wirklich signifikant war. Konnte z.B. auch die nosokomiale MRSA-.Rate gesenkt werden? Wird sich die Reduktion auch noch nach einer längeren Phase der Anwendung belegen lassen, oder ist man dann nach einer gewissen hygienischen Sensibilisierung wieder zur Routine zurückgekehrt?

#5 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

schon vor mehr als 50 Jahren als die ersten privaten
“swimming pools” mit dem Wirtschaftswunder auftauchten
gabs die Empfehlung bei chlorallergischen Leuten
Kupfersulfat statt Chlor dem Badewsasser zuzusetzen.-
Hindernis waren der höhere Preis und die Färbung der
Textilien. Privat sprach nichts gegen textilfreies
Schwimmen.- Besonders bei allergischen und blonden
Kndern gabs Richtlinien betr.die minioptimale
Konzentration des Zusatzes geringer Dosis von
Kupfersulfat, das ja auch längst aus dem Weinbau
bekannt war.- Gesetzliche Bestimmungen bezüglich
öffentl.Bäder waren schärfer. Unfälle mit Chlorgas
waren häufiger und Kupfersulfat war da aber doch
nicht erlaubt natürlich auch wegen des Preises!-
Laßt Euch bitte Alle an Paracelsus erinnern:
< DOSIS FECIT VENENUM >.- Übrigens gi8lt das für
Overprotectment genau so wie für Vernachläsdigung.-
Die Arbeit riecht mir etwas nach Kupfer-Lobby!
Ich empfehle den Wirtschaftsteil großer Tageszeitungen.
Am legalen Konossementen-Handel wird seit Jahrzehnten
steigend verdient.- Sprecht mal mit einem Frachtschiff-
kapitän , der vor der Dreimeilenzone Reederbefehl zum
Abdrehen auf einen anderen Hafen bekommt! Kupferladungen
werden auf hoher See mehrfach verkauft.Leider weiß ich
das nur von meinen Patienten.- Aber das ist eine andere
Story ! Denkt mal bei vielen neuen Arbeiten auch an polit.
Hintergründe! Wascht Euch alle gut die Hände ist weniger
populär als die Schelte gegen die nachlässigen Dokters!
Herzlich Ihr eht.-

#4 |
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Gold und Silber wirken noch besser. Die Oberfläche muß feucht sein, dann gehen die Metallionen in Lösung und entfalten ihre desinfizierende Wirkung. Man nennt das “oligodynamische Wirkung”. Das hat im Rahmen einer Diplomarbeit das damalige Frl. Rathsfeld an der Medizinischen Akademie Erfurt in den 80iger Jahren unter Obhut ihres Betreuers, eines Hygienefacharztes, herausgefunden. Tse, tse, daß die Menschen immer das Fahrrad neu erfinden müssen….

#3 |
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Oliver Ristow
Oliver Ristow

apropos Kostenfaktor….
Wer zahlt die MRSA Therapie?
Wer zahlt die Türklinken…..
Ob im Gesetz auch daran gedacht wird? Sonst kann ich mir vorstellen ist das Engagement dafür begrenzt.
Leider ist mein Eindruck, dass Gesundheitspolitik sehr finanzgerichtet funktioniert.

Gruß

#2 |
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Dr. Gisela Friedrich
Dr. Gisela Friedrich

ein Türgriff, welcher alle 10 min benutzt wird, hat aber voraussichtlich keine Chance zu entkeimen.
‘Allgemeine Hygienemaßnahmen’ sind aus meiner Sicht effektiver

#1 |
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