Epilepsie: Wirbelsturm im Kreißsaal

17. Juli 2015
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Leiden Frauen während ihrer Schwangerschaft unter Epilepsie, hat das Folgen für Mutter und Kind. Erste Daten geben Anlass, weiter nachzuforschen. Ein Aspekt: Welchen Einfluss haben Antiepileptika während der Schwangerschaft?

Verschiedenen Statistiken zufolge haben zehn Prozent aller Menschen eine generell erhöhte Neigung zu Krämpfen. Bei etwa vier bis fünf Prozent kommt es zu einzelnen, sich nicht wiederholenden Ereignissen. An einer aktiven Epilepsie leiden schätzungsweise bis zu ein Prozent aller Bürger. Zwar sinkt die Wahrscheinlichkeit für Anfälle während der Schwangerschaft. Mutter und Kind sind trotzdem besonderen Gefahren ausgesetzt.

Erhöhte Mortalität

Bei Schwangeren liegt die Häufigkeit statistisch zwischen 0,2 und 0,5 Prozent. Um mögliche Komplikationen zu untersuchen, hat Sarah MacDonald, Boston, Daten des Nationwide Inpatient Sample (NIS) mit 4,2 Millionen Schwangeren ausgewertet. Darunter befanden sich 14.151 Frauen mit neurologisch gesicherter Epilepsie-Diagnose. Eine Erkenntnis: Auf 100.000 Schwangere normiert, starben 80 Frauen während der Entbindung. Zum Vergleich: US-weit liegt die Mortalität bei 56 pro 100.000. Unter Epilepsie war das Risiko signifikant höher.

Daten mit Fragezeichen

MacDonald konnte nicht klären, warum Frauen während ihrer Niederkunft verstarben – entsprechende Informationen fehlen im NIS. Ihr blieb nur, Entlassungsdiagnosen von Epilepsie-Patientinnen auszuwerten, die eine Geburt überstanden hatten. Der Forscherin zufolge erkranken Frauen mit Epilepsie während ihrer Schwangerschaft häufiger an Präeklampsie. Gleichzeitig mussten Ärzte häufiger Kaiserschnitte durchführen. Das Gewicht von Neugeborenen war ebenfalls geringer. Weitere Untersuchungen sind dringend erforderlich. Bleibt nur, Betroffene engmaschig zu untersuchen, bis neue Erkenntnisse vorliegen.

Einfluss der Medikamente klären

Jacqueline French, New York, sieht angesichts der Zahlen dringenden Klärungsbedarf – gerade für Pharmakologen und Toxikologen. Über den Effekt von Antiepileptika in der Schwangerschaft sei noch wenig bekannt, schreibt sie in einem Editorial. French verweist auf mögliche Veränderungen bei der Pharmakokinetik.

Originalpublikation:

Mortality and Morbidity During Delivery Hospitalization Among Pregnant Women With Epilepsy in the United States
Sarah C. MacDonald et al.; JAMA Neurol., doi: 10.1001/jamaneurol.2015.1017; 2015

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