Melanome: Eine saure Sache

17. Juli 2015
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Dass verschiedene Pharmaka zur Photosensibilisierung unserer Haut führen, ist nicht neu – und in manchen Fällen sogar therapeutisch erwünscht. Jetzt entdeckten Forscher in Zitruspflanzen Cumarinderivate mit ähnlichem Effekt. Für eine Warnung ist es aber noch zu früh.

Ein alter Hut: Bei der PUVA-Therapie (Psoralen plus UV-A) kombinieren Dermatologen den bekannten Naturstoff oder seine Derivate mit elektromagnetischer Strahlung. Das Verfahren hat sich zur Behandlung von Psoriasis, Neurodermitis, Vitiligo und weiteren Erkrankungen bewährt, ist aber nicht frei von Risiken. Langfristig erhöht sich das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, um ein Vielfaches. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Konsumenten auch wider Willen mit entsprechenden Verbindungen in Kontakt kommen und photosensibilisiert werden.

Von wegen gesund

Shaowei Wu untersuchte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe aus Zitrusfrüchten und deren Folgen. Als Basis dienten Daten von mehr als 100.000 Personen. Über mehr als 25 Jahre hinweg wurden sie regelmäßig zum Lebensstil und zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Bei 1.840 Teilnehmern trat im Laufe dieser Zeit ein Melanom auf. Wus überraschende Erkenntnis: Wer pro Tag 1,6 oder mehr standardisierte Portionen an Zitrusfrüchten konsumiert hatte, kam auf ein um 36 Prozent erhöhtes Melanomrisiko. Als Vergleich dienten Bürger mit weniger als zwei Portionen an Zitrusfrüchten pro Woche. Als Portion zählte eine Orange, eine halbe Grapefruit oder ein Glas Saft. Besonders deutlich war die Korrelation beim Konsum von ganzen Grapefruits. Mögliche Einflussfaktoren wie das Alter, Nikotinkonsum, Sport oder Übergewicht hatte Shaowei Wu zuvor berücksichtigt.

Verräterische Moleküle

Wissenschaftler führen ihre Beobachtung vor allem auf Furocumarine zurück. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe kommen in Rautengewächsen wie Zitruspflanzen vor. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass die Moleküle photosensibilisierend und phototoxisch wirken. Unter UV-Einfluss gehen Furocumarine kovalente Bindungen mit Pyrimidinbasen der DNA ein, was ihren Beitrag zur Karzinogenese erklären könnte. Für eine konkrete Empfehlung, den Konsum einzuschränken, sei es noch zu früh, erklärt Shaowei Wu. Bleibt als Tipp: Schon heute sollten Personen, die viele Zitrusfrüchte konsumieren, sich keiner übermäßigen UV-Exposition aussetzten.

Originalpublikation:

Citrus Consumption and Risk of Cutaneous Malignant Melanoma
Shaowei Wu et al.; JCO, doi: 10.1200/JCO.2014.57.4111; 2015

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Ist der Wohnort ein moeglicher Faktor, der Bias beisteuert?
In Australien ist die Hautkrebsrate am hoechsten und auch der Citrusfruchtkonsum ist sehr hoch. Ich denke, dass Zitrusfruechte haeufiger dort konsumiert werden wo die UV-Strahlung hoeher ist.

Ich esse jeden Tag Zitronen, weil ich einen Zitronenbaum im Garten habe :-)

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