Akademische Leistung: „Nachteulen“ benachteiligt

15. Juli 2015
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Schüler sowie Studierende vom Abendtyp sind in Schule beziehungsweise Studium benachteiligt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Meta-Analyse. Als Konsequenz kommen Forderungen nach einem späteren Unterrichtsbeginn auf.

Als Abendtypen („Eulen“) werden Menschen bezeichnet, die ihre höchste Leistungsfähigkeit gegen Nachmittag oder Abend erreichen. Im Gegensatz dazu stehen die Frühaufsteher („Lerchen“), die morgens problemlos aufstehen und schnell ihr Leistungshoch erreichen.

Um herauszufinden, welche Auswirkungen diese unterschiedlichen Chronotypen auf akademische Leistungen haben, analysierten die Professoren Lorenzo Tonetti und Vincenzo Natale von der Universität Bologna (Psychologie) und Christoph Randler von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Biologie) 31 Studien mit insgesamt 27.309 Probanden: „Wir haben weltweit alle Studien zu dem Thema gesichtet und einer Meta-Analyse unterzogen“, erklärt Professor Randler. Dabei zeigte sich, dass Abendtypen auf allen Kontinenten schlechtere akademische Leistungen erbringen als Frühaufsteher.

Auch konnte erstmals nachgewiesen werden, dass dieser Effekt bei Jugendlichen stärker ausgeprägt ist als bei Studierenden. Die Wissenschaftler vermuten hierbei einen Zusammenhang zwischen dem verordneten Schulanfang bei Jugendlichen, während Studierende eine gewisse Freiheit bezüglich ihrer Tagesplanung haben. Sie könnten laut Randler eher im Einklang mit ihrem Biorhythmus lernen.

Kein Randphänomen

Dazu kommt, dass Jugendliche im Alter zwischen 12 und 20 Jahren eine starke Abend- oder Nachtorientierung durchleben: „In dieser Altersgruppe sind die ‚Eulen‘ demnach klar in der Überzahl. Das ist kein Randphänomen, sondern betrifft weite Teile der Schülerschaft“, ist sich Randler sicher. Dennoch sei die Schule mit ihrem frühen Unterrichtsbeginn weiterhin auf „Lerchen“ zugeschnitten, was die „Eulen“ benachteilige: „Die Abendtypen sind genauso intelligent wie Frühaufsteher, sie müssen ihre Leistung lediglich zur ‚falschen‘ Uhrzeit abrufen.“

Als eine Konsequenz ihrer Meta-Analyse fordert das internationale Forscherteam, den Schulbeginn zumindest ab Klasse 7 auf einen späteren Zeitpunkt zu legen. „9.00 Uhr, da sind sich viele Wissenschaftler einig, wäre ein guter Zeitpunkt“, so Randler abschließend.

6 Wertungen (5 ø)

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5 Kommentare:

Dr.med.vet. Pia
Dr.med.vet. Pia

In Südeuropa macht man sowieso eine längere Siesta am Mittag wegen der Hitze. Dann muss man natürlich abends entsprechend etwas länger aktiv sein.

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Peter Riedl
Peter Riedl

ich hab nachts in ner band gespielt als Bassist, zum Geld verdienen,
da war ich am nächsten Tag bei der mündlichen Prüfung sehr ausgeglichen.

#4 |
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Anja Kunitz
Anja Kunitz

Ich bin in der Physikumslernphase 23 Uhr in die Bibliothek gegangen und habe bis früh um9 gelernt – mit einer größeren Pause. Zwischen 8 und 15 Uhr schaffe ich es kaum, mich 2 Stunden am Stück zu konzentrieren. Das funktioniert erst nach tagelanger konsequenter Eingewöhnung. :( Aber da bin ich wohl der Extremfall ;)

#3 |
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Heilpraktikerin

Soweit mir bekannt ist, gab es schon vor einigen Jahren eine Studie zu Schülern auch der unteren Stufen, die zu eben dieser Empfehlung kam. Geändert hatte sich aber nichts. Deutsche Schüler müssen nach wie vor im Vergleich zu anderen EU-Ländern recht früh aus den Federn.

@Gast: dem ist nicht so. Der Biorhythmus ist nur begrenzt anpassungsfähig, ein “Eulendasein” ist nicht abtrainierbar und setzt sich bei nächstbester Gelegenheit wieder durch. Leider. Und nicht alle Schüler und Studenten hängen in der “Disco” rum. Das sind wohl Vorurteile der älteren Semester.

#2 |
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Gast
Gast

So ein Quatsch, dann hängen die nicht bis 2 in der Disco sondern bis 3.

Der “Biorhytmus” ist NICHT gottgegeben, sondern anpassungsfähig.

#1 |
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