Alternativmedizin: Ärzte sehen Ausbildungsmängel

13. Mai 2013
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Kinderkrebsspezialisten wünschen sich eine bessere Ausbildung über medizinische Methoden und Heilmittel außerhalb der Schulmedizin, schon allein, um die Eltern ihrer Patienten umfassender beraten zu können. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Kinderonkologen.

Die Umfrage führten Mediziner und Wissenschaftler des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke und der Universität Witten/Herdecke durch. Sie wollten erfahren, wie die Einstellung von deutschen Kinderkrebsspezialisten gegenüber Komplementärmedizin und Alternativmedizin (CAM) ist. Denn medizinische Methoden, Produkte und Praktiken, die derzeit noch nicht Teil der Schulmedizin sind, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Auch bei der Therapie von krebskranken Kindern wird in steigendem Maße, ergänzend oder alternativ zur Schulmedizin, anthroposophische Medizin, Homöopathie und Akupunktur eingesetzt. Die Studie „Attitudes and beliefs of paediatric oncologist regarding complementary and alternative therapies“ wurde im renommierten Fachblatt Complementary Therapies in Medicine veröffentlicht.

Die Wissenschaftler verschickten an fast 700 deutsche Kinderkrebsspezialisten einen vierteiligen Fragebogen. Sie erhielten von 175 Angeschriebenen eine korrekte Antwort. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer glaubt, dass es wichtig ist, offen mit den Eltern von krebskranken Kindern über Komplementär- und Alternativmedizin zu sprechen. Weniger als die Hälfte der Kinderonkologen tut dies letztlich. Der Grund für diesen Widerspruch liegt darin, dass fast die Hälfte der Antwortenden (48 Prozent) während der Universitätsausbildung nichts über Komplementär- und Alternativmedizin gelernt hat. Auffällig war, dass Kenntnisse darüber vor allem jüngere Ärzte haben oder solche, die in kleineren nicht-universitären Kliniken arbeiten. Um Wissenslücken zu schließen, sind 85 Prozent der Kinderonkologen für eine bessere Aus- und Fortbildung zum Thema Komplementär- und Alternativmedizin.

Grundsätzliche Offenheit

„Wir konnten eine grundsätzliche Offenheit von Kinderonkologen gegenüber Komplementär- und Alternativmedizin feststellen“, meint Studienautor Priv.-Doz. Dr. med. Alfred Längler vom Kinderonkologischen Zentrum im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Vor allem Methoden wie Massagen oder Yoga würden laut Meinung der Studienteilnehmer die Lebensqualität bei krebskranken Kindern steigern. Skeptisch werde dagegen der Einsatz von speziellen Diäten und Vitaminen gesehen. Gründe, weshalb Kinderonkologen bei der Behandlung ihrer Patienten nicht noch mehr auf Komplementär- und Alternativmedizin zurückgreifen, sind – neben fehlenden Kenntnissen der Ärzte – Sorgen wegen möglicher Interaktionen mit konventionellen Behandlungsmaßnahmen (76 Prozent der Befragten) und zusätzliche Kosten für die Patienten (75 Prozent).

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