Mammographie: Alles nur (Über-)Diagnosen?

8. Juli 2015
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Mammographie-Screenings sollen gefährliche Brustkrebsformen früh erkennen, invasive Therapien vermeiden und die Mortalität senken. Und sie stehen in der Kritik, genau diese Ziele nicht zu erreichen. Eine Studie aus den USA gießt nun Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Die Anfang Juli in JAMA publizierten Ergebnisse kommen zu einem klaren Fazit: Mammographie-Screening-Programme führen zur zusätzlichen Diagnose kleiner Brustkrebsformen mit einem Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern. Auf die 10-Jahres-Überlebensrate scheinen sie sich jedoch nicht positiv auszuwirken. Nach Meinung der Forscher legen die Ergebnisse den Verdacht von Überdiagnosen nahe. Sie gehen davon aus, dass ein Großteil der zusätzlich diagnostizierten Tumoren niemals klinisch auffällig wird.

Daten des Nationalen Krebsinstituts aus 547 US-Bezirken

Im Rahmen ihrer Studie haben Charles Harding und ein Wissenschaftler-Team von der Harvard Universität in Cambridge sowie dem Dartmouth Institut für Gesundheitspolitik und klinische Praxis in Hanover die Daten des Nationalen Krebsinstituts hinsichtlich Monitoring, Epidemiologie und verschiedener Endpunkte bei Brustkrebs analysiert. In ihre Studie schlossen sie Daten aus insgesamt 547 US-Bezirken ein. Die Voraussetzung: Sie hatten in den Jahren 1998 und 2000 Daten zu Mammographie-Screenings erhoben, insbesondere zum prozentualen Anteil von Frauen im Alter von 40 Jahren oder darüber, die Screening-Programme in Anspruch genommen hatten.

Unter den insgesamt 16 Millionen Frauen waren 53.207, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde. Sie wurden für die weiteren 10 Jahre regelmäßigen Nachbeobachtungen unterzogen. In diesem Zeitraum verstarben 15 Prozent an den Folgen von Brustkrebs und 20 Prozent aus anderen Gründen. Der prozentuale Anteil von Frauen, die an Mammographie-Screenings teilgenommen hatten, variierte zwischen 39 und 78 Prozent. Je höher der Anteil teilnehmender Frauen, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer frühen Diagnose und Therapie, sinkende Sterblichkeit eingeschlossen – soweit die Erwartung.

Inzidenz erhöht – Überlebensrate unverändert

Auf Basis der Datenanalysen fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Inzidenz mit wachsenden Screening-Raten kontinuierlich zunimmt. Ein Anstieg um 10 Prozent ist gleichbedeutend mit einem Anstieg diagnostizierter Neuerkrankungen um 16 Prozent. Die 10-Jahres-Überlebensrate nach Brustkrebsdiagnose bleibt der Studie zu Folge unverändert, egal ob die Screening-Rate in den betreffenden US-Bezirken hoch oder niedrig war. Die Brustkrebssterblichkeit konnte demnach also nicht gesenkt werden. Auch kam es nicht zu einer signifikanten Abnahme großer Tumoren, die in Folge eines mehr oder weniger engmaschigen Screenings zu erwarten gewesen wäre.

Mammographie: Ist weniger mehr?

Die aktuellen Studienergebnisse sind aus Sicht der Studienautoren ein weiterer Hinweis für die Problematik von Überdiagnosen im Rahmen von Mammographie-Screening-Programmen. Den grundsätzlichen Nutzen der Mammographie stellen die Autoren jedoch nicht in Frage.

Originalpublikation:

Breast Cancer Screening, Incidence, and Mortality Across US Counties

Charles Harding et al., Journal of the American Medical Association, doi:10.1001/jamainternmed.2015.3043, Juli 2015

40 Wertungen (4.43 ø)

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13 Kommentare:

Elvira Meißner
Elvira Meißner

zu#11 wenn die Brustdrüse “schmerzhaft” ist, ist sie nicht gesund, die häufigste Ursache ist die fibrös-cystische Mastopatie.
Gerade hier ist die Mammographie besonders sinnvoll bei der Unterscheidung von Krebs.
Röntgenbestrahlung ist bekanntlich entzündungshemmend, nicht entzündungsfördernd.
Ihr Beitrag hört sich eher wie eine Varar….ung an.

#13 |
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Peter Riedl
Peter Riedl

Liebe Frau #11 Männer sind biologisch benachteiligt, weil ihnen das tolle Östrogen fehlt.
Auch wenn sie mehr Testosteron haben und besser Arbeiten können.
Sie gehen weniger zum Arzt, arbeiten mehr und sterben früher.

#12 |
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Gast
Gast

ich habe mir diese untersuchung 1x machen lassen. sie war für mich sehr schmerzhaft.
eine frage stellt sich mir immer wieder – durch gequetschtes drüsengewebe röntgenstrahlen? führt das nicht zu entzündungen? wie ist das mit zysten in der brust? ich kenne 2 kolleginnen, die nur aufgrund der untersuchungsmethode erhebliche beschwerden bekamen und eine von ihnen wurde operiert (allerdings kein krebs) und hat nun eine beeindruckende und vor allem häßliche narbe.

häufig entsteht bei mir der eindruck, dass alle möglichen maßnahmen und intervetionen gegenüber frauen viel beherzter eingeleitet werden als bei männern.
da werden recht schnell und auch prophylaktisch eierstöcke entfernt – wie ist das mit den keimdrüsen des mannes? sind die weniger anfällig?
fragen über fragen
angenehme strahlenfreie zeiten

#11 |
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Brustkrebspatientin Gertrud
Brustkrebspatientin Gertrud

Mammographien mit veralteter Technik könnten wohl tatsächlich das Problem “Überdiagnose” verursachen. Auf welche Weise diskrimieren neue Techniken denn besser? Aber wäre mein nicht tastbares und in der Mammographie nicht sichtbares lobuläres Mammakarzinom bei besserer Technik zu erkennen gewesen? Mein Tumor war im Ultraschall sichtbar, und ich war froh, dass er frühzeitig entdeckt wurde und nicht erst nach Streuung. Früherkennung ist ohne Zweifel sinnvoll, die Früherkennung von bösartigen Tumoren, wohlgemerkt. Nicht die Erfassung gutartiger Gewebeveränderungen. Wegen dieses Unterscheidungsproblems den Wert einer Früherkennung als solche anzuzweifeln und nicht eine verbesserte Technik einzufordern, erscheint mir als Schildbürgerstreich. Leichter lässt es sich halt kritisieren, als konstruktive Beiträge zu liefern. Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. mein Themavorschlag: Suche nach technischen Möglichkeiten zur unterscheidung von gutartigen und bösartigen Gewebewucherungen.

#10 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Dr. med. Heinz Werner Wuensche, Ihr Beitrag ist etwas verwirrend, soll nun nach Ihrer Meinung von der Mammographie ganz Abstand genommen werden, oder soll gar noch viel mehr gemacht werden als die von Ihnen kritisierte Mammographie???
Wahrscheinlich ist Ihnen nicht bekannt, dass in dem “wissenschaftlichen” Gremium der USA, das sich gegen den PSA-Test ausgesprochen hat, kein einziger Urologe saß.
Grundsätzlich geht es bei diesem Thema hier nicht um Therapie sondern um Früherkennung. Die Behauptung, dass die nach Diagnose durchgeführte Therapie dem Patient schaden würde ist erstens ein anderes Thema und zweitens schlicht bösartig.
Selbstverständlich ist die Frühdiagnose ein ganz entscheidender Faktor, ob man einen Krebs heilen kann.

#9 |
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Die höchste Wahrscheinlichkeit nicht an einem Brustkrebs zu erkranken hat eine Frau, die nicht am Screening teilnimmt.
Wie würde sich die Argumentation doch schnell ändern, wenn das Screening für Gotteslohn zum Selbstkostenpreis gemacht würde. Auch verhindert die hohe Investition in das Screeningsystem die Einführung besserer Diagnoseinstrumente, da die alten Systeme sich erst 10 Jahre rentieren
müssen. Das im Screening jetzt benutzte Gerät ist veraltert, das Screening kann mit dem Fortschritt in der Gerätetechnik schon seit 5 Jahren nicht mehr mithalten.
(Digitale Tomosynthese,kompressionsfreie Tomographie,US-Scanner,US-mikropure Kalksonographie,Kontrastmammographie,MMRt).So könnten Überdagnosen übrigens auch verhindert werden.
Lächerlich ist übrigens nicht die Kritik am Screening, lächerlich ist die
Selbstüberheblichkeit mit der das Wort “lächerlich” gebraucht wird um
Kritiker zu diffamieren…
Die Kritik an der Handhabung des PSA Screening hat inzwischen viele Männer
vor Impotenz. Inkontinenz und Übertherapie gerettet, in den USA hat man
das inzwischen erkannt und das kontrollierte Surveillance bei einem hohen
Prozentsatz vor einiger Zeit noch operierter Patienten empfohlen.
Screening Koloskopie ist nach den Studien sinnvoll bei einem Alter über 55.

#8 |
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Gast
Gast

@Dr. med. Martin Lorenz sind sie nun für oder gegen die Mammographie?

#7 |
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Das gleiche oder deutlich weniger Geld hätte man investieren können in Aufklärungsprogramme an die Frauen, einmal im Jahr zur Vorsorge beim Frauenarzt zu gehen, der dann entweder selbst (neben der klinischen Untersuchung) einen Ultraschall macht oder zu einem solchen überweist. Mammographien machen durchaus Sinn ca. alle zwei Jahre ab ca. 40-45 Jahren, sie dürfen aber nie mit 70 aufhören, zumal die Patienten heute eine deutlich gesteigerte Lebenserwartung gegenüber früher haben.
“Kurative” Mammographien hat es schon immer gegeben. Diese machen Sinn!

#6 |
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Das Screening-Programm darf man zurecht kontrovers diskutieren.
Es werden nur Frauen eingeladen, die zwischen 50 und 70 Jahre alt sind.
Zudem werden auch Frauen eingeladen, die normalerweise in die kurative Mammographie gehören, die sich technisch nicht von der Screening-Untersuchung unterscheidet, wie z.B. Frauen mit einer positiven Familienanamnese, akuten Beschwerden usw. usf.
Es macht auch keinen Sinn, einen Cut-Off unter 50 und über 70 zu setzen, wenn man denn mal screenen will.
Wir haben leider Patientinnen knapp über 30 mit Mamma-Ca. und über 70 ebenso.
Im Gegenteil suggeriert das Ausbleiben der Einladung zum Screening an 70-jährige Patientinnen, “jetzt kann mir ja nichts mehr passieren”, was leider ein Trugschluß ist. Das führt leider nicht selten dazu, daß diese Frauen auch nicht mehr zur Vorsorge gehen und mit desolater Situation ihres Brustkrebses dann irgendwann zu Mammographie kommen. Die Mammographie sollte als flankierende Maßnahme grundsätzlich ab ca. 40 bei unklarem gynäkologischem Befund (streng indiziert auch früher), erst recht bei positiver Familienanamnese und gynäkologischen Tumoren in der FA + EA und nicht bloß zwischen dem 50.-70. LJ durchgeführt werden. Alles andere erweckt den Anschein, nur eine Einnahmequelle generiert zu haben, die an der Realität des Vorkommens von Brustkrebs vorbei geht.

#5 |
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Gast
Gast

“Prophylaxe” wäre z.B. Rauchverbot besonders der Mädchen bis zum ersten Kind,
natürlich Schwangerschaft und Stillen, so wie z.B. Vermeidung von Übergewicht.

Fangt dann mal damit an, ihr lieben besorgten Kritiker der Krebsvorsorge und Mammographie-Gegner. Ich wünsche viel Erfolg.

#4 |
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Arzt
Arzt

@ric, siehe #1, wahrscheinlich haben Sie von Brustkrebs keine Ahnung, denn mit rein epidemiologischen Betrachtungen kann man fast jede gewünschte Aussage unterstützen. Und es ist kein Geheimnis, dass solche “Untersuchungen” auch von med. Laien im Auftrag von Kostenträgern gemacht werden, die nicht das geringste Interesse an Frauen haben!!! Das gleiche trifft für das häufige Prostata-Ca des Mannes zu.
Für das Mamma-Ca muss man schlicht wissen,
1)dass es immer noch das häufigste Karzinom der Frau ist
2)und dass der biologische Typ sehr variabel ist was eine “Standardisierung” VERBIETET
3) dass eine Heilung nur im Frühstadium möglich ist
4) dass auch ohne “Heilung” die Therapie zwar oft sehr belastend ist aber auch erfolgreich also regelrecht über Jahrzehnte.
Ich habe schon Frauen gesehen, deren komplettes Skelett wegen Knochenmetastasen wie ein Sieb durchlöchert waren, die liefen immer noch ohne fremde Hilfe rum.

Reine fachfremde “Statistiker” mit willkührlichen “Eckpunkten” haben hier also nichts verloren. Ich schäme mich für eine Gesellschaft, die so über eine der wichtigsten Krankheiten diskutiert und die Chance durch frühzeitige Erkennung die Heilungsmöglichkeit erheblich zu verbessern, nicht akzeptieren möchte!

#3 |
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ric
ric

Für mich ist klar, dass weniger mehr ist -doch nicht gefühlsmäßiger, sondern aufgrund der Studienlage, wenn richtig kommuniziert.
Siehe hierzu:
1.) http://www.harding-center.mpg.de/de/system/files/media/pdf/24baaf7bb6fcbbb9fe4623e29f74eabe/mammographie_de_11-2014.pdf
2.) * Quelle: Gøtzsche… Die Autoren unterscheiden zwischen besseren Studien und suboptimalen. In den besseren Studien ergab sich pro 1000 Frauen nur eine nichtsignifikante absolute Verminderung von 0,3 Todesfällen durch Brustkrebs, während es in den suboptimalen Studien pro 1000 Frauen eine Verminderung von 2,1 war. Die besseren Studien bevorzugend, schätzten die Autoren die Gesamtverminderung auf 0,5 von 1000. Die großzügigere Schätzung in der Faktenbox ist 1 von 1000, was das (gerundete) Mittel der in den besseren und den suboptimalen Studien angegebenen Reduzierungen ist.
Eine allgemeinverständliche Kurzfassung der Studie auf Cochrane.org (englisch) (4.june 2013):
http://www.cochrane.org/CD001877/BREASTCA_screening-for-breast-cancer-with-mammography
FAZIT: Brustkrebs-Früherkennung (nicht -vorsorge, ist etwas anderes!)
durch M-graphieScreening für Frauen ab 50 bringt realtiv wenig. Wenn auch EINE von tausend Frauen inert 10 Jahren vorm Tod bewahrt
– ABER wie auch in ihrem artikel dargelegt- die Zahle der Krebstoten insgesamt gleichbleibend. Unklare Gründe. Dem entgegen stehen die ÄNGSTE von 100 Frauen, die einem flaschen Krebsverdacht ausgesetzt werden sowie 5 Frauen, die sogar unnötig operiert werden.
WEITERHIN für INteressierte:
….(Auszug aus “Conclusions”): … If we assume that screening reduces breast cancer mortality by 15% and that overdiagnosis and overtreatment is at 30%, it means that for every 2000 women invited for screening throughout 10 years, one will avoid dying of breast cancer and 10 healthy women, who would not have been diagnosed if there had not been screening, will be treated unnecessarily. Furthermore, more than 200 women will experience important psychological distress including anxiety and uncertainty for years because of false positive findings. …

* https://www.harding-center.mpg.de/de/veroeffentlichungen/ausgewaehlte-artikel/krebsfrueherkennung-in-europa-deutlich-ueberschaetzt

* https://www.harding-center.mpg.de/de/system/files/media/pdf/7cac35cd5dc8650004129f242448f660/onkologie_heute.pdf (Cancer-screening Europe, 5/2009)
* https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_C._G%C3%B8tzsche#Kritik_des_Mammographie-Screenings
2012 veröffentlichte Gøtzsche Mammography Screening: Truth, Lies and Controversy (zu deutsch: „Mammographie-Screening: Wahrheit, Lügen und Meinungsstreit“).
Das gilt es in Ruhe ABZUWÄGEN – wohl zu allermiest mit KLAREM Ergebnis seitesn der FRAUEN, FALLS richtig kommuniziert… nicht mit relativen Zahlen wie c vor ca. 1-2 Wochen seitens der WHO (manipulativ beschönigend) sondern für den Laien verständlich mit absoluten Zahlen… eben nicht -manipulativ…
angenehmen Feierabend
Ric

#2 |
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Gast
Gast

Schon etwas langweilig, immer wieder unqualifizierte Kritik bei wichtiger Krebsvorsorge zu lesen. Bei Koloskopie noch schlimmer, sogar wegen einem lächerlichen PSA-Wert für das häufige Prostata-Ca.
Leider ist im Gegensatz zu den meisten anderen Malignomen beim Mamma-Ca die 10-Jahres-Überlebensrate eben NICHT ausreichend.

#1 |
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