Die Kardio-Sensibelchen

16. Februar 2012
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Die Zeit, die Ärzten und Pflegepersonal für jeden einzelnen Patienten zur Verfügung steht, ist stark beschränkt. Doch gerade Herzpatienten leiden unter Ängsten und Depressionen, die sie Fachpersonal mitteilen müssen. Psychologen fangen die nötige Seelenarbeit meist auf.

Während die rein medizinische Behandlung weiter uneingeschränkt erbracht werden muss, ist die menschliche Interaktion zwischen dem Arzt und seinen Patienten nicht mehr im notwendigen Umfang zu leisten. In einigen der 79 deutschen Herzzentren sind deshalb heute schon eigene Psychologen tätig, die speziell auf die Beratung, Unterstützung und Begleitung herzchirurgischer Patienten eingestellt sind. Die Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen fordert öffentlich, die Arbeit dieser Psychologen müsse vergütet werden und bei der Überarbeitung des Transplantationsgesetzes verbindlich abgesichert werden.

Ängste und Sorgen erkennen

„Verschiedene medizinische Studien bestätigen unser ‘ärztliches Bauchgefühl’, dass die Genesung nicht allein von der medizinischen Leistung der Ärzte und des Pflegepersonals, sondern besonders auch von der seelischen Betreuung der Patienten abhängt. Trotz der mangelnden zeitlichen Ressourcen ist es deshalb wichtig, die Angst und die Sorgen jedes einzelnen Patienten frühzeitig zu erkennen und dem Patienten qualifizierte psychologische Unterstützung im notwendigen Umfang zukommen zu lassen“, sagt Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Unabhängig von statistischen Überlebensraten, die bei Herzoperationen zumeist über 95 Prozent liegen, empfinden viele Patienten jeden Eingriff am Herzen als eine lebensbedrohliche Situation. Dies ist laut Mohr nicht zuletzt den emotionalen Assoziationen in Verbindung mit dem Organ Herz geschuldet. Vor allem Patienten unter 55 Jahren und solche mit geringer sozialer Unterstützung zeigen ein vermehrtes Auftreten von Angst und Depression sowohl vor als auch nach Herzoperationen. Dabei hängen die Notwendigkeit und gegebenenfalls der Umfang der notwendigen psychologischen Unterstützung nicht allein vom Resultat des medizinischen Eingriffs ab. „Oft benötigen auch Patienten, bei denen die Operation und die Behandlung danach ohne jegliche Komplikationen verlaufen, psychologische Hilfe, weil sie körperliche oder geistige Veränderungen erleben oder ästhetische Begleiterscheinungen negativ wahrnehmen. Beispielsweise ist für manche Frauen eine exzellent verheilte Narbe im Dekolletébereich ein Grund für eine Beeinträchtigung der Gemütsverfassung“, so Mohr.

Unbedingt notwendig sei die psychologische Betreuung nach Einschätzung der Herzchirurgen bei Patienten vor und nach Herz- und Lungentransplantationen. Medizinische Studien zeigen, dass bis zu 25 Prozent der Patienten, die sich auf der Warteliste zur Organtransplantation befinden, an depressiven Verstimmungen leiden. Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Belastungsstörung nach Implantation eines Kunstherzens oder einer Herztransplantation liegt bei 20 Prozent.

Trotz des seit 1997 geltenden und sich gegenwärtig in Überarbeitung befindlichen Transplantationsgesetzes, das die psychologische Betreuung ausdrücklich fordert, sei diese für Transplantationskandidaten und Transplantierte noch deutlich zu verbessern. „Wir hoffen, dass die Politik entsprechende Regelungen zur zwingend notwendigen Verbesserung der psychologischen Betreuung dieser Patienten bei den anstehenden Beratungen im Gesetzgebungsverfahren verbindlich festlegt“, so Mohr.

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Kardiologie

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