Vitiligo: Der Fleck ist weg

10. Juli 2015
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Tofacitinib, ein alter Arzneistoff zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, erstrahlt in neuem Glanz. Wie Forscher jetzt berichten, profitieren Patienten mit der Weißfleckenkrankheit vom Pharmakon. Hinter den Leiden stecken ähnliche Mechanismen.

Weltweit leiden schätzungsweise 0,5 bis 2 Prozent aller Menschen an Vitiligo, der Weißfleckenkrankheit. Typisch sind Pigmentstörungen in Form weißer, pigmentfreier Hautflecken, die Betroffene vor allem psychisch belasten. Dahinter stecken autoimmune Prozesse inklusive Zerstörung von Melanozyten. Momentan setzen Ärzte und Apotheker auf Kortisonsalben oder auf die Photochemotherapie. Bleiben noch Kosmetika oder Versuche, verbliebene Hautstellen mit Hydrochinonmonobenzyläther zu bleichen: ein überschaubares Spektrum an Möglichkeiten.

Revival von Tofacitinib

Jetzt berichten Forscher aus den USA von Behandlungserfolgen mit Tofacitinib. Der Arzneistoff hat eine FDA-Zulassung zur Therapie von rheumatoider Arthritis – in Europa fehlen entsprechende Möglichkeiten. Ihr Gedanke: Bei Vitiligo lassen sich Auto-Antikörper nachweisen, bei rheumatoider Arthritis auch. Tofacitinib wirkt als Inhibitor der Januskinase: eines Enzyms, das mit Zytokin-Rezeptoren in Verbindung steht. Einmal aktiviert, werden Effekte ins Zellinnere vermittelt.

Erste Daten

Vor diesem Hintergrund wagte Brett King aus New Haven, Connecticut, einen Behandlungsversuch. Seine Patientin war kürzlich an Vitiligo erkrankt. Versuche, dem Leiden mit Triamcinolon und UV-B-Bestrahlung Einhalt zu gebieten, waren gescheitert. Die Betroffene erhielt Tofacitinib in oraler Galenik. Erste Effekte traten nach zwei Monaten ein. Nach fünf Monaten waren die Depigmentierungen deutlich zurückgegangen. Unerwünschte Effekte traten nicht in relevantem Maße auf.

Systemische Effekte

Bei aller Euphorie warnt Brett King davor, Tofacitinib allzu bedenkenlos einzusetzen. Bei der langfristigen Gabe können mitunter Lymphome auftreten. Grund genug für die EMA, sich Mitte 2013 gegen eine Zulassung des Pharmakons zu entscheiden.

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