Hochrisiko-Patienten: Katheter statt OP

28. Oktober 2008
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Mit vielversprechenden Erfolgen sind in jüngster Zeit neue Verfahren praktiziert worden, bei denen man Herzklappen-Prothesen nicht mit der üblichen offenen Operation, sondern mittels eines Katheters ins Herz einbringt. Denn für Patienten mit Begleiterkrankungen wie Herzschwäche, Nierenschwäche und Diabetes kann die OP sehr riskant sein.

“Diese neu entwickelte Technik stellt einen großen Fortschritt für Patienten dar, für die eine offene Operation ein sehr hohes Risiko bedeuten würde”, sagt Prof. Dr. med. Hans-Reiner Figulla, Direktor der Kardiologie im Universitäts-Herzzentrum Jena und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Erfahrungen mit der alternativen Katheter-Technik gibt es bislang vor allem beim Ersatz der Aortenklappe. Eine Verengung dieses Ventils zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader ist besonders im höheren Lebensalter häufig und kann die Pumpfähigkeit des Herzmuskels erheblich einschränken. “Bei dem neuen Verfahren wird die neue Klappe, die in ein Metallgeflecht eingenäht und auf sechs bis sieben Millimeter zusammengefaltet ist, über einen Katheter ins Herz vorgeschoben. Den Katheter bringt der Arzt entweder über eine Leistenarterie oder die Herzspitze in den Körper”, erläutert Prof. Figulla. Bei schlagendem Herzen spannt sich dann die neue Herzklappe im Bereich der alten Klappe auf, überlagert diese und übernimmt deren Funktion.

Wertvolle, doch nicht risikofreie Alternative

Dem Vorteil des Verfahrens, auf eine große Operation verzichten zu können, stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. So sind die mittels Katheter eingeführten Klappen nicht ganz so dicht wie eingenähte, und es kann beim Vorschieben des Katheters zu Verletzungen der großen Arterien oder der Kammerscheidewand kommen. Zu den möglichen Folgen zählen Schlaganfälle (drei bis fünf Prozent der Patienten) oder Herzrhythmusstörungen mit der Notwendigkeit, einen Herzschrittmacher einzusetzen. “Der Aortenklappenersatz mit Kathetertechnik ist also keineswegs risikofrei. Für Patienten mit erhöhten Operationsrisiken bedeutet das innovative Verfahren dennoch eine wertvolle Behandlungsalternative, und neue Entwicklungen werden die Technik vereinfachen”, ist Prof. Figulla überzeugt. Weltweit wurden nach aktuellsten Statistiken bisher rund 4000 solcher Eingriffe an der Aortenklappe vorgenommen. Neue, zum Teil noch in Erprobung befindliche Katheterverfahren gibt es mittlerweile auch für die Behandlung erkrankter Mitralklappen.

Bislang keine Langzeiterfahrungen

Langzeiterfahrungen liegen beim kathetergestützten Klappenersatz noch nicht vor. “Inwieweit dieser anderen Methoden über- oder unterlegen ist, muss daher in wissenschaftlichen Studien weiter erforscht werden”, kommentiert der Herzchirurg Prof. Dr. med. Friedhelm Beyersdorf von der Universitätsklinik Freiburg. Und er weist auf die Ergebnisse des nach wie vor für die meisten Patienten in Frage kommenden Klappenersatzes mittels Operation hin: “Diese Ergebnisse sind – dank der ständig verbesserten Operationstechnik und moderner künstlicher Herzklappen – mittlerweile sehr gut, und schwere Komplikationen sind selten. Gleichzeitig werden auch bei Klappenoperationen zunehmend schonendere bzw. minimal-invasive Methoden eingesetzt.”

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2 Kommentare:

Dr. med. Ulrich Hochgesand
Dr. med. Ulrich Hochgesand

Das Verfahren ist fast doppelt so teuer und die Kassen zahlen nicht, auch wenn die Indiaktion stimmt: alte , multimorbide Patienten mit Herz-Niereninsuffizenz, Diabetes, COPD etc.
Im aktuellen Fall 74 jährige Patientin bei der
DAK.

#2 |
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Kristina Walker
Kristina Walker

Das ist alles ganz super, wenn man bei der Indikationsstellung nicht schlampt…

#1 |
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