Elternzufriedenheit: Gnade der späten Geburt?

7. Juli 2015
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Die Zufriedenheit deutscher und britischer Eltern hängt unter anderem mit der Anzahl der Kinder sowie dem Zeitpunkt der Familiengründung zusammen. Das Muster der Zufriedenheit entspricht zudem recht exakt dem Geburtenverhalten der vergangenen Jahre.

Ein Forscherteam rund um Mikko Myrskylä vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock konnte mithilfe der beiden längsten Paneldatensätze der Welt, dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) aus Deutschland und dem British Household Panel Survey (BHPS), die Zufriedenheit von insgesamt über 7.000 befragten Personen bereits vor der Geburt erster Kinder und weit darüber hinaus analysieren. Sie verglichen die Zufriedenheit verschiedener Elternteile untereinander und ebenso, wie sich die Zufriedenheit einer Person im Laufe des Lebens und nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder verändert hat. Dabei prüften sie auch, ob andere Faktoren, wie das Alter bei der Geburt, die Bildung, das Einkommen oder der Partnerschaftsstatus einen Einfluss auf die Zufriedenheit haben.

Junge Eltern sind weniger zufrieden

Ganz allgemein zeigte sich zunächst einmal, dass die Ergebnisse für Großbritannien und Deutschland im Wesentlichen relativ ähnlich sind: Die Zufriedenheit steigt bereits ein Jahr vor Geburt des Kindes an, bleibt im Jahr der Geburt hoch und sinkt dann relativ schnell wieder auf das Niveau, das drei bis fünf Jahre vor der Geburt ermittelt wurde. Dabei gehen eine gute Gesundheit, eine Arbeitsstelle, ein hohes Einkommen und gute Bildung generell mit höherer Zufriedenheit einher. Zudem steigt die Zufriedenheit von Frauen vor und kurz nach der Geburt stärker an als bei den Männern. Über ein Jahr nach der Geburt aber, ist auch der Rückgang der Zufriedenheit stärker als bei den Vätern.

Neben diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden, die auf eine unterschiedliche starke Einbindung in die Kinderbetreuung sowie auf hormonelle Umstellungen zurückzuführen sein könnten, fällt vor allem ein weiterer wichtiger Faktor ins Auge: Die Zufriedenheit nach der Geburt eines Kindes hängt sehr stark vom Alter der Eltern ab. Bei jungen Eltern im Alter von 18 bis 22 Jahren sinkt die Zufriedenheit demnach bereits vor der Geburt des Kindes und steigt auch im Jahr der Geburt nicht über das Ausgangslevel hinaus. Bei den 23- bis 34-Jährigen gibt es vor und im Jahr der Geburt einen Anstieg, danach aber einen sehr schnellen Abfall der Zufriedenheit bis zum ursprünglichen Niveau oder sogar darunter. Eltern über 34 Jahren haben einen Anstieg vor und während des Jahres der Geburt und danach ein kleines Tief. Insgesamt bleibt das Zufriedenheitslevel aber stets über dem Ausgangsniveau.

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Bei besonders jungen Eltern in Deutschland steigt die Zufriedenheit zum Zeitpunkt der Geburt kurz an und fällt danach stark ab. © SOEP, eigene Berechnungen

Ein drittes Kind macht nicht glücklicher

Der zweite große Glücks-Unterschied findet sich bei der Anzahl der Kinder: Während der Verlauf der Zufriedenheit beim zweiten Kind auf etwas niedrigerem Niveau, aber sehr ähnlich zum ersten Kind ist, hat die Geburt eines dritten Kindes keinen positiven Einfluss mehr auf die Zufriedenheit der Eltern. Es scheint sogar eher negative Auswirkungen zu haben, wobei die Abnahme der Zufriedenheit nicht statistisch signifikant ist. Diese Ergebnisse hatten auch Bestand, wenn die Demografen Änderungen beim Job, beim Einkommen, der Gesundheit oder dem Familienstatus berücksichtigten.

Geht deshalb die Geburtenrate zurück?

Damit entspricht das Muster der Zufriedenheit in erstaunlich exakter Weise dem Geburtenverhalten der vergangenen Jahre: dem Trend zur späten Familiengründung und dem Rückgang der 3-, 4- oder 5-Kind-Familien. Diese für Industrienationen so typische Entwicklung wurde bisher zumeist mit individuellen Werten oder mit der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie erklärt. Die subjektive Zufriedenheit hat derweil nur wenig Aufmerksamkeit erhalten, obwohl sie mit den hier vorgestellten Ergebnissen eine gute Erklärungsgrundlage liefern könnte: Wer bei anderen beobachtet, dass es die Zufriedenheit steigert, wenn die Familiengründung in eine spätere Lebensphase mit größerer sozialer und finanzieller Sicherheit aufgeschoben wird und nicht mehr als zwei Kinder geboren werden, könnte sich ähnlich verhalten.

Zukünftige Studien könnten diese Zusammenhänge genauer untersuchen und auch hier nicht erfasste Umstände wie Adoptionen, Fehlgeburten und nicht zuletzt auch die Qualität einer Partnerschaft berücksichtigen. Gerade letztere könnte einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Anzahl der Kinder und die Zufriedenheit der Eltern haben.

Originalpublikation:

Happiness: Before and After the Kids

Mikko Myrskylä et al.; Demography, doi: 10.1007/s13524-014-0321-x; 2015

25 Wertungen (4.2 ø)

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8 Kommentare:

Gast
Gast

zu#7, vermute das war die jüngere 2.Frau?

#8 |
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Gast
Gast

beim 5. Kind steigt die Zufriedenheit noch einmal gaaaanz steil an,
besonders wenn es sehr spät kommt,
das fehlt hier völlig.

#7 |
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Elvira
Elvira

Der Staat “die Gesellschaft” ist kinderfeindlich. Das kann man also nicht nur mit individuellen Motiven erklären, etwas naiv.

#6 |
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Dr. E. Stamm
Dr. E. Stamm

Man würde doch erst NACH der Geburt eines dritten Kindes merken, daß dadurch die Zufriedenheit nicht mehr wesentlich steigt. Das kann also der Grund für meist nur noch 2-Kind-ehen nicht sein.
Es fehlt nach dem 2. Kind nun offenbar der Reiz des Neuen, Kinder zu haben. Es drückt zudem die Arbeit mit den Kindern. Auch merkt man: Kinder kosten ! Und der Job ist auch noch da. Dann beläßt man es eben bei zwei.
Das weiß man eigentlich, wie #1 schon feststellt. Nun ist es auch wiss. nachgewiesen :-)

#5 |
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Gast
Gast

Schön zu hören, dass es auch Vorteile bringt, das etwas später anzugehen.
Andererseits sind frühe Abtreibungen oft ein Grund warum es später nicht mehr klappt,
von den psychischen Problemen ganz abgesehen.

#4 |
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Gast
Gast

Die Geburtenrate geht zurück wegen
1) steuerlicher Benachteiligung, ein Tabuthema
2) kinderfeindlichem Feminismus.

#3 |
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Gast
Gast

Etwas enttäuschend ist doch die hier völlig fehlende Familienkarriere, also Scheidung/nicht Scheidung.

#2 |
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Gast
Gast

wenn man in unserer konsumorientierten Welt mit 0 und 2 Kindfamilien eine solche Studie konzipiert ist das Ergebnis doch absehbar…

#1 |
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