Aortenklappenersatz am schlagenden Herzen

9. Januar 2009
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Im Herzzentrum des Uniklinikums Erlangen wurde erstmals eine Aortenklappe am schlagenden Herzen ersetzt. Dabei wurde über einen Katheter ein Herzklappenstent in die defekte Klappe eingesetzt. Bislang bedeutete der Eingriff eine OP mit Herz-Lungen-Maschine.

Vergleichbare minimal-invasive Operationen wurden bisher nur in wenigen Herzzentren durchgeführt, unter anderem in München, Leipzig und Frankfurt. “Die neue minimal-invasive Methode zur Operation von defekten Herzklappen verbindet das beste Fachwissen aus den Bereichen Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesiologie”, sagte Prof. Dr. Michael Weyand aus dem Herzzentrum des Uni-Klinikums Erlangen. “Die Patienten werden durch die Operation erheblich weniger belastet und das OP-Risiko drastisch reduziert.” Für das innovative OP-Verfahren wurde ein fachübergreifendes Spezialistenteam im Erlanger Herzzentrum gebildet aus Prof. Dr. Stephan Ensminger (Herzchirurgie), Prof. Dr. Josef Ludwig und Dr. Martin Arnold (Kardiologie) sowie Dr. Friedrich Einhaus (Anästhesiologie). Dieses Team führte die neue OP erstmals bei einem schwerkranken Patienten mit Aortenklappenstenose durch. Dieser Patient – Carl M. (72) aus Franken – galt als inoperabel und befindet sich jetzt in der Rehabilitationsphase.

Mit dem neuen Verfahren kann auf zwei Wegen die Aortenklappe erreicht werden: Zum einen wie beim Herzkatheter über die Oberschenkelarterie (transfemoraler Zugang), zum anderen über einen sechs Zentimeter langen Schnitt zwischen dem vierten und fünften Rippenbogen durch die Herzspitze (transapikaler Zugang). Bei beiden Methoden wird ein Katheter bis zur Aortenklappe vorgeschoben: Beim transfemoralen Zugang über den Aortenbogen bis in die linke Herzkammer. Beim transapikalen Zugang wird die Herzspitze freigelegt und der Katheter direkt bis in die Aorta vorgeschoben. Anschließend wird mit einem kleinen Ballon an der Katheterspitze die defekte Herzklappe aufgedehnt (Ballondilatation) und dann eine Gefäßprothese mit integrierter Herzklappe (Herzklappenstent) unter echo- und angiografischer Kontrolle präzise positioniert. Abschließend wird die Prothese aufgedehnt und ersetzt die alte Klappe. Operiert wird in einem zertifizierten, OP-Saal-ähnlichen Herz-Katheter-Labor.

“Das Verfahren bietet vor allem Patienten eine neue Möglichkeit, die bislang aufgrund ihres hohen Alters oder schwerer Begleiterkrankungen nicht operiert werden konnten”, sagte Prof. Dr. Werner Daniel aus dem Herzzentrum. Studien würden belegen, dass die Sterberate während der Operation deutlich niedriger als bei herkömmlichen Verfahren sei. Die Patienten können in der Regel schon am Tag nach der OP auf die Normalstation zurück verlegt werden. Pro Jahr sollen rund 50 Herzklappen mit der neuen Methode im Erlanger Herzzentrum operiert werden.

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4 Kommentare:

Kirstin Fischer
Kirstin Fischer

Ich kann mich den Vorgängern nur anschließen. In anderen Zentren Deutschlands wird dieses Verfahren schon seit mehreren Jahren angewendet mit Erfolg und mit mehr Fallzahlen als bei 50 Patienten pro Jahr durchgeführt. Also sehr nett für Erlangen, aber andere Zentren haben einfach schon längere Erfahrung.

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Falk Jonas
Falk Jonas

Mit dem neuen Verfahren kann auf zwei Wegen die Aortenklappe erreicht werden: Zum einen wie beim Herzkatheter über die Oberschenkelarterie (transfemoraler Zugang) Diese Methode ist doch schon eher alt oder? Die gibt es schon lange oder vertuhe ich mich da?

#3 |
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Ralf Reeker
Ralf Reeker

Am Westdeutschen Herzzentrum im Uniklinikum Essen wird diese Technik auch schon länger praktiziert.

Meiner Meinung nach ist der Artikel schlecht recherchiert, weil diese Technik, wie auch schon von Anderen genannt, anderwo schon vielfach eingesetzt wird.

#2 |
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Dieses Verfahren (transfemoraler oder transapikaler) Aortenklappenprothesenstent ist ohne Zweifel ein zukunftsträchtiges Verfahren und ein großartiger Fortschritt für die betroffenen Patienten.

Diese Verfahren ist aber an den genannten Zentren schon seit mehreren Jahren im Einsatz, andere Zentren ziehen derzeit flächendeckend nach. Wenn wir jetzt von jedem Zentrum eine “Wir auch!”-Meldung bekommen, wird’s albern.

Also toll für Erlangen-Nürnberg, dass sie nun auch dabei sind – aber für alle Nicht-Franken fehlt dieer Nachricht das allgemeine Interesse.

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