Online-Apotheken: EU-Siegel für Sicherheit

10. Juli 2015
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Der Kauf von Medikamenten über Internet-Apotheken birgt mitunter Gefahren. Für Verbraucher ist nicht klar erkennbar, ob die Versender nach deutschem Recht zugelassen worden sind. Von einem EU-Logo erhoffen sich Behörden mehr Schutz – ohne die Kunden informiert zu haben.

Jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union listet alle zugelassenen Arzneimittelhändler in einem Register. Bei uns hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) als Behörde im Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums entsprechende Informationen zusammengetragen. Dazu gehören Versandapotheken, aber auch sonstige Anbieter, sollte es um frei verkäufliche Präparate gehen. Grund genug für das DIMDI, zwei verschiedene Logos zu führen.

Klicken – Prüfen – Kaufen

Für Laien war die Sache bislang schwer zu durchblicken, vor allem aufgrund national unterschiedlicher Zuständigkeiten, abhängig vom jeweiligen EU-Land. Jetzt profitieren Patienten von europaweit konformen Regelungen: Ein gemeinsames europäisches Logo kennzeichnet legale Versandapotheken. Das Motto: „Klicken – Prüfen – Kaufen“. Klicken Käufer auf die Grafik, erfahren sie per Datenbankabfrage, ob der Anbieter eine Erlaubnis hat, Humanarzneimittel zu versenden. Erst dann sollten sie mit dem Bestellvorgang starten. Mit ihrer Initiative versucht die EU, Patienten vor gefälschten Arzneimitteln zu schützen. Durch die neuen, EU-weit vergleichbaren Register ist dies nun in allen Mitgliedsstaaten möglich.

Nette Bildchen

Aus rein technischer Sicht erhöht sich der Schutz durch Möglichkeiten der Abfrage. Nur bestehen ernsthafte Zweifel, ob Verbraucher wissen, was sich hinter dem farbigen Bildchen verbirgt. Momentan kommuniziert das DIMDI entsprechende Informationen vor allem an Fachkreise. Eine breit angelegte Kampagne für Laien wäre dringend erforderlich. Mit welchen Tricks Betrüger arbeiten, zeigt sich am Beispiel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „Immer wieder kommt es vor, dass illegale Internet-Versandapotheken das Logo des BfArM zu irreführenden Werbezwecken auf ihren Internetseiten verwenden“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Bereits vor Einführung der europaweiten Möglichkeit, Versender zu überprüfen, hätten sich Konsumenten über Listen beim DIMDI schlau machen können. Davon wussten aber nur wenige Konsumenten.

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Des einen seine Retaxstelle ist des anderen Abmahnanwalt…

Unterdessen glaube ich kaum, dass dieses Siegel – und sogar die Antwort der Datenbankabfrage – schwerer zu fälschen sind als die Arzneimittel selber.

Wenn jemand die kriminelle Energie besitzt, eine illegale oder betrügerische Internetapotheke zu betreiben wird er wohl kaum vor dem Fälschen eines Gütesiegels zurückschrecken. Ob das für den Konsumenten ersichtlich ist hängt nur davon ab ob die Betreiber ähnlich dummdreist vorgehen wie die Versender von Spam-Mails oder doch etwas mehr Energie investieren….

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Michael van den Heuvel
Michael van den Heuvel

Update: Mittlerweile wurde das alte Siegel abgeschaltet. Versender haben zwar bis zum 26. Oktober Zeit, das neue Logo zu verwenden – theoretisch. Praktisch droht die Gefahr, mit dem alten Siegel von Anwälten abgemahnt zu werden. Entsprechende Fälle gegen Versandapotheken kommen häufig vor; meistens bezieht sich das auf das Impressum respektive Pflichtangaben.

#1 |
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