Nierenerkrankungen: Aussicht auf Heilung

19. Dezember 2011
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Forschern ist es gelungen, eine erfolgreiche Therapie für eine unheilbare Nierenerkrankung zu entwickeln. Das Team setzte eine Immuntherapie gefolgt von einer Nierentransplantation zur Bekämpfung der membranoproliferativen Glomerulonephritis ein.

Schwerwiegende Nierenerkrankungen, die eine dauerhafte Behandlung durch Dialyse oder Transplantation erfordern, stellen eine große Belastung für das Leben der Patienten dar. Auslöser für die Schädigung der Niere können bakterielle Infektionen oder genetische Veränderungen sein. Membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN) ist eine solche schwere Erkrankung der Niere, die häufig zu Nierenversagen führt und eine langwierige Dialyse erfordert. Sie kann durch genetische Defekte ausgelöst werden, in den meisten Fällen jedoch liegt die Ursache der Krankheit im Dunkeln. Bislang konnte MPGN nicht behandelt werden, und selbst nach einer Nierentransplantation waren die Heilungschancen für die Patienten gering. Auf der Suche nach den Ursachen der Krankheit analysierten die Wissenschaftler in Peter Zipfel und Christine Skerkas Team in Jena Blutproben von MPGN-Patienten. Dabei fanden sie eine Kombination von zwei neuen Antikörpern, die sich beide gegen das eigene Immunsystem richten. Solche Autoantikörper führen zu einer dauerhaften Aktivierung des so genannten Komplementsystems. Normalerweise bildet das Komplementsystem als Bestandteil der menschlichen Immunantwort einen ersten Schutz vor Krankheitserregern. Die nun gefundenen Autoantikörper sorgen jedoch dafür, dass das Komplementsystem dauerhaft aktiv ist und die Nieren schädigt.

„Die Entdeckung dieser Autoantikörper wies uns den Weg zu einer möglichen Therapie von MPGN. Denn wenn es gelingt, die Autoantikörper zu reduzieren, können wir so die fehlerhafte Aktivierung des Komplementsystems bremsen“, beschreibt Peter Zipfel, der gleichzeitig eine Professur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena innehat, die Bedeutung des Ergebnisses. Zusammen mit Ärzten am Berliner Universitätsklinikum Charité setzten die Forscher die so gewonnenen Erkenntnisse jetzt in eine neuartige Therapie um. Bei einer achtjährigen MPGN-Patientin wurde das Blutplasma ausgetauscht und gleichzeitig die Neubildung der schädlichen Autoantikörper durch Medikamente unterdrückt.

Diese Behandlung führte zu einem deutlichen Rückgang der Autoantikörper und wies so das Komplementsystem in seine Schranken. Damit war es möglich, der Patientin erfolgreich eine gesunde Niere zu transplantieren. Auch heute, zwei Jahre nach der Transplantation, ist der Zustand der Patientin stabil und sie leidet nicht mehr an der Nierenkrankheit.

Für die Forscher am Jenaer Hans-Knöll-Institut ist es ein großer Erfolg, dass ihre langjährige Grundlagenforschung auf dem Gebiet des Komplementsystems jetzt Früchte in der klinischen Anwendung trägt. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Infektionsbiologen und Medizinern wurde die Lebensqualität des erkrankten achtjährigen Mädchens deutlich verbessert. Darüber hinaus können in Zukunft weitere der meist jugendlichen MPGN-Patienten vor einer lebenslangen Dialyse bewahrt werden.

Originalpublikation:
Combined C3b and Factor B Autoantibodies and MPGN Type II.
Chen Q et al.; N Engl J Med 365, 2340-2342. doi:10.1038/nature10449

3 Wertungen (4.33 ø)
Allgemein

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7 Kommentare:

“20.12.11 – 06:15
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Klar, dass anonyme Kritikaster und Herr Aribert Deckers als Berufsalternativmedizinbekämpfer alles was sie nicht verstehen sofort bemängeln müssen.”

Verstehen? Was gibt es denn da zu verstehen? Wer Methoden propagiert oder sogar benutzt, für die er den Nachweis der Wirksamkeit nicht erbringen kann, vergeht sich gegen das Recht des Patienten auf eine NACHWEISBAR wirksame Medizin.

Ist es nicht seltsam, daß immer auf die Kritiker geschimpft wird, der Nachweis der Wirksamkeit ihrer Medizin den “Alternativen” dagegen weder gelingt noch die Alternativen sich ernsthaft darum bemühen, sondern die Werbeintensität erhöhen und dabei insbesondere Rhetorik mit Wahrheit verwechseln?

#7 |
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Hä?
Ich glaube hier geht es um Plasmapherese und Immunsuppression und nicht um homöopathische Heilversuche.

Dies ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Indikation zu homöopathischer Therapie steht hier zweifelsfrei NICHT.

Man sollte die Grenzen homöopathischer Therapieverfahren kennen und auch respektieren.

Mann oh Mann…

#6 |
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“20.12.11 – 06:15
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Jeder ist als absolut unsterbliches Seelenwesen erschaffen.”

Wie oft wird man denn wiedergeboren? 1x? 2x? Unendlich oft? Woher weiß man, wieviele Leben man noch vor sich hat?

Wer mit seinem jetzigen Los nicht zufrieden ist: einfach vom Hochhaus springen und in der großen Lotterie das nächste Leben ziehen!

Wozu braucht man dann überhaupt noch Ärzte!?

#5 |
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Weitere medizinische Berufe

@ Anonymous: Ja, warum eigentlich nur unter jedem 2. Artikel? Ich wünschte mir Informationen dieser Art unter JEDEM Artikel!

@ Utz / Deckers: Wozu diese Ironie und dieses Misstrauen?

@ Cornelius: Vielen Dank für Ihre Kommentare und Ihr Wissen. Ich freue mich immer, wenn ich Sie hier lese!

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

ICH BEWUNDERE IHR WISSEN SEHR;NOCHMALERWEISE DÜRFTE BEI IHREN THERAPIEN KEIN MENSCH MEHR UNHEILBAR KRANK SEIN :VIELLEICHT SIND SIE JA AUCH UNSTERBLICH:

#3 |
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“19.12.11 – 22:38
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Die Gegensensibilisierung nach Theurer hatte sich auch in meiner Praxis bewährt. Manchmal allerdings nur als Vorbereitung auf eine isopathische Ausleitung des Allergens selbst.”

Und wieviele Fälle von membranoproliferativer Glomerulonephritis wurden damit NACHWEISLICH geheilt?

#2 |
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Da gab es doch mal die Therapie von Prof. Theuer, Allergostop I und Allergostop II. Wenn ich mich recht erinnere, waren es die Verabreichung von Autoantiantikörpern. Gewonnen aus dem Blut des patienten und in homöopthisierter Form, d.h. potenziert, dem patienten zugeführt. War eine tolle Sache. Aber dank BSE und hohen Auflagen für die Herstellung in der Bundesrepublik weitgehend in Vergesenheit geraten. Und nun bekommt die Methode doch noch eine späte Rechtfertigung.

#1 |
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