Diabetische Nephropathie: Keine B-Vitamine

21. Mai 2010
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Kanadische Wissenschaftler warnen davor, Diabetikern mit Nierenerkrankungen B-Vitamine zu verabreichen. Grund für diese Warnung sind die Ergebnisse einer Studie, die kürzlich im Fachmagazin JAMA veröffentlicht wurde.

An der Studie (Diabetic Intervention with Vitamins to Improve Nephropathy [DIVINe]) hatten 238 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mellitus teilgenommen, die an diabetischer Nephropathie litten. Ziel der Untersuchung war es zu zeigen, dass B-Vitamine – durch Senkung des bei Nephropathie erhöhten Homocysteinspiegels – das Fortschreiten von Nierenerkrankungen verlangsamen können. Dazu nahmen die Patienten über 32 Monate täglich ein Präparat ein, das entweder die B-Vitamine Folsäure (2,5 mg/die), Vitamin B6 (25 mg/die) und Vitamin B12 (1 mg/die) oder ein Placebo enthielt.

Zwar sanken die Homocysteinspiegel, aber anders als erhofft, verschlechterte sich die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) unter den B-Vitaminen um 16,5 ml/min/1,73 m2 gegenüber nur 10,7 ml/min/1,73 m2 im Placebo-Arm. Ausserdem verdoppelte sich das Herzinfarkt– und Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Placebo. Die Autoren raten von einer hochdosierten Gabe von B-Vitaminen bei Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion ab.

Quelle:
Effect of B-Vitamin Therapy on Progression of Diabetic Nephropathy
Andrew A. House et al.; JAMA
303(16)
1603-1609
(2010)

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1 Kommentar:

Tina  Wagner
Tina Wagner

“Ich weiß, dass ich nicht weiß” – würde sich diese Erkenntnis doch endlich einmal durchsetzen.
Nach vielen Jahren im Beruf passiert es mir immer und immer häufiger,dass ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich meine Kunden mit scheinbaren Binsenweisheiten versorge, bei denen man sich immer auf der sicheren Seite fühlte (“Dann nehmense mal nen B-Komplex, damit könnse gar nix falsch machen…wasserlöslich…zu viel färbt höchstens Pipi gelb…”)
UND – schon wieder berechtigt!
Immer wieder gibt es Patienten, für die eine solche Empfehlung nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich ist.
Und das unter der Vorgabe: Zusatzverkauf um jeden Preis – gerne Nahrungsergänzungsmittel (wie ich schon dieses Wort hasse!) zu jeder Verordnung, als Anbetung des heiligen Stücknutzens.
Oder, noch schlimmer, in fester Überzeugung, alles (besser) zu wissen.

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