Diabetes: Therapie beeinflusst Krebsrisiko

14. Mai 2012
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Diabetes Typ 2 erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken und daran zu versterben. Aber auch die Diabetestherapie selbst hat Einfluss auf die Entstehung von Krebs, wie Forscher in einer aktuellen Arbeit zeigen konnten.

„Die Daten sprechen dafür, dass Metformin im Gegensatz zu anderen Therapieformen vor Krebs schützt“, resümiert Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Dies stellt einen weiteren Grund dar, Patienten mit Typ-2-Diabetes mit Metformin zu behandeln, wie die Leitlinie der DDG empfiehlt. Denn Metformin wirkt sich auch günstig auf die Blutzucker-Stoffwechseleinstellung und das Körpergewicht aus und vermindert Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt. „Darüber hinaus ist natürlich eine gesunde Ernährung sowie ausreichende körperliche Aktivität die Grundlage jeder Therapie“, betont der Leiter des Diabetes-Zentrums am Christlichen Krankenhaus in Quakenbrück. Vor dem Hintergrund des erhöhten Krebsrisikos sollten Menschen mit Diabetes zudem regelmäßig an der Krebsvorsorge teilnehmen.

Hohe Konzentrationen von Insulin

Die Autoren aus Tübingen kommen in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift zu dem Schluss, dass das Risiko für Brust-, Darm-, Harnblasen– und Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 um das 1,2 bis 1,7-fache erhöht ist. Das höchste Risiko für eine Krebserkrankung besteht dabei für Leberzellkrebs, es steigt sogar um den Faktor 2,5. Zugleich ist auch die Wahrscheinlichkeit, an diesen Krebserkrankungen zu versterben, bei Diabetes erhöht – Daten aus einem schwedischen Krankenhausregister belegen ein 38 Prozent höheres Mortalitätsrisiko.

Auf welche Weise der Diabetes die Krebsentstehung fördert, ist dabei noch unklar. So könnte der erhöhte Blutzuckerspiegel im Rahmen der sogenannten Warburg-Theorie eine Rolle spielen – diese besagt, dass Krebszellen beim Wachstum besonders viel Zucker vergären. Im Zentrum der Expertendiskussion steht indes eine andere Hypothese. „Es ist denkbar, dass auch hohe Konzentrationen von Insulin im Blut die Krebsentstehung fördern könnten“, erklärt Stephan Matthaei von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Offenbar steigert Insulin die Bioverfügbarkeit des Wachstumsfaktors IGF-1, der die Zellteilung in bösartigen Geweben beschleunigt und zugleich das Selbstmordprogramm bösartiger Zellen stoppt“, vermuten die Autoren aus Tübingen.

Das hat Konsequenzen für die Therapie. „Behandlungsstrategien für Typ-2-Diabetes, die mit einer unangemessenen Erhöhung der Insulinspiegel einhergehen, müssen kritisch betrachtet werden“, betont Matthaei. „Bei der Insulintherapie von Patienten mit Typ 2 Diabetes gilt deshalb der Leitsatz: Soviel Insulin wie nötig, aber sowenig wie möglich.“

Metformintherapie scheint Mortalität zu senken

Studien haben gezeigt, dass die Krebssterblichkeit bei Patienten, die mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin behandelt werden, erhöht ist. Auch das Risiko, an Leberzellkrebs zu erkranken, steigt bei einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin. Wie die Übersichtsarbeit zeigt, ergab eine Fall-Kontroll-Studie, dass Glibenclamid das Krebsrisiko sogar um den Faktor 2,5 erhöht. Metformin oder Glicladzide hingegen scheinen vor Krebs zu schützen, wie große Untersuchungen nahelegen. Eine neue vergleichende Studie mit mehr als 112.000 Patienten in Großbritannien bestätigt, dass eine Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin mit einer erhöhten Krebssterblichkeit einhergeht. Eine Metformintherapie dagegen scheint die Sterblichkeit durch Krebs, im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes, sogar zu senken.

Originalpublikationen:

Diabetes und Krebsrisiko
Stefan N. et al.; Dt. Med. Wochenschrift; DOI: 10.1055/s-0032-1304928; 2012

Mortality after incident cancer in people with and without type 2 diabetes: Impact of metformin on survival
C. J. Currie et al.; Diabetes Care 35: 299-304; 2012

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Onkologie

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