Diabetes: Genetische Einmischung

4. Februar 2010
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Studien haben genetische Varianten gefunden, die einen Einfluss auf die Glukoseregulation im Organismus haben und mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert sind. Langfristig tragen die Ergebnisse zur Therapie des Typ-2-Diabetes bei.

Gemeinsam mit ihren Kollegen im MAGIC-Verbund (Meta-Analyses of Glucose and Insulin-related traits Consortium) konnten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf insgesamt sieben genetische Varianten ausfindig machen, die mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert sind.

“Dank MAGIC kennen wir nun fast zwanzig neue Positionen genetischer Variation, die mit der Glukoseregulation assoziiert sind. Die meisten dieser Genvariationen führen wahrscheinlich zu einer eingeschränkten Betazellfunktion der Bauchspeicheldrüse und wirken nicht über verstärkte Insulinresistenz. Zudem beeinflussen diese Genvarianten spezifisch den Glukosestoffwechsel und haben fast keine weiteren Effekte auf andere Komponenten des sogenannten Metabolischen Syndroms wie Übergewicht, Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen”, erklären Dr. Christian Herder und Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes-Zentrum.

GIPR: Rolle beim Inkretin-Effekt

PD Dr. Thomas Illig vom Helmholtz Zentrum München ergänzt: “Auffällig ist, dass eine Variante im GIPR (Gastric Inhibitory Polypeptide Receptor)-Gen, das hier neu entdeckt wurde, eine Rolle beim Inkretin-Effekt spielt, der für die Aufrechterhaltung des Glukosestoffwechsels im gesunden Menschen wichtig ist. GIP gehört zu den im Darm freigesetzten Inkretinhormonen. Medikamente, die die Inkretinwirkung beeinflussen, werden bereits jetzt in der Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt. Durch die in den MAGIC-Studien identifizierten Gene werden sich neue Ansätze für die Therapie des Typ-2-Diabetes ergeben.”

Originalveröffentlichungen:

Dupuis, J. et al: New genetic loci implicated in fasting glucose homeostasis and their impact on type 2 diabetes risk. Nature Genetics 2010 DOI:10.1038/ng.520
Saxena, R. et al: Genetic variation in GIPR influences the glucose and insulin responses to an oral glucose challenge. Nature Genetics 2010 DOI:10.1038/ng.521

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2 Kommentare:

Renate Stoltenburg
Renate Stoltenburg

Das klingt ja richtig vielversprechend, daß wir armen Hypoglykämiker einen Platz in der Medizin finden. – Alles guckt nur auf Diabetes! Das ist aber viel zu spät. Das Leiden beginnt mit U n t e r z u c k e r lange Zeit vor dem Metabolischen Syndrom. Das ist eine sehr lange Entwicklung, und Diabetes ist erst die Endstation!! – Wer hilft uns?
Seit dreissig Jahren gibt es Selbsthilfegruppen und keiner, (fast) kein Arzt erkennt das Problem. HYPOGLYKÄMIE gilt nicht als Krankheit. Ist auch bloß ein Symptom, aber die diversen Krankheiten, die ihn auslösen, werden nicht beachtet, erst wenn es Diabetes ist!!
Eine diesbezügliche Einsicht wäre ein gewaltiger Fortschritt!!
Glück auf!

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PGC-1a-responsive Gene sind bei Übergewicht, Glukoseintoleranz und Diabetes mellitus vermindert . !

Einführung zur Pathogenese und Entwicklung des Typ 2-Diabetes:-

Primärer Defekt ist eine Insulinresistenz aufgrund eines nicht genau bekannten «Postrezeptordefektes» (intrazellulärer Glukosetransport [GLUT-4], Insulin-Signaltransduktion . Neben der peripheren Insulinresistenz weisen Patienten mit Typ 2-Diabetes auch eine Insulinsekretionsstörung auf, die sich in einer verminderten oder fehlenden ersten Phase («early phase») der Insulinsekretion äussert (oft viele Jahre vor Diabetesmanifestation nachweisbar) .

Die Insulinresistenz kann anfänglich mit einer erhöhten Insulinsekretion kompensiert werden .

Erst wenn die resultierende Hyperinsulinämie nicht mehr aufrechterhalten werden kann, steigt der Blutglukosespiegel an und der Diabetes wird klinisch manifest (lange «prädiabetische Phase») .

Entzündung und Immunantwort bei der Pathogenese von Typ 2 Diabetes und Atherosklerose :-

Genetik:-

Genetischen Faktoren kommt bei der Entstehung des Diabetes Typ 2 eine wesentliche Bedeutung zu.

Konkordanzraten bei monozygoten Zwillingen erreichen diesbezüglich bis zu 90%. Dementsprechend haben Zwillinge aufgrund ihrer identischen genetischen Prädisposition nahezu das gleiche Risiko, an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken, wobei Umwelteinflüsse wie Ernährung, Bewegungsverhalten und Gewichtszunahme für die Manifestation der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auch bei Geschwistern von Patienten mit einem Diabetes Typ 2 ist die Prävalenz von Diabetes hoch, ferner gibt es sicherlich gewisse Personen mit noch nicht erkannten mono- oder digenen Störungen, die bislang dem Diabetes Typ 2 zugeordnet werden. Allgemein geht man davon aus, dass sich der Diabetes Typ 2 auf dem Boden mehrerer zusammentreffender Gendefekte entwickelt (Polygenie), und dass die Art dieser genetischen Krankheitsdisposition keineswegs einheitlich ist, sondern selbst von Fall zu Fall variieren kann. Der Zusammenhang zwischen tiefem Geburtsgewicht und Diabetes lässt sich hingegen übergreifend bei den verschiedensten Ethnien belegen .

Eine wesentliche Rolle bei der Pathogenese des Diabetes Typ 2 spielen ebenfalls die Insulinresistenz und eine defekte Insulinsekretion.

Insulinresistenz:-

Verursacht wird die Insulinresistenz durch eine reduzierte Fähigkeit der peripheren Zellgewebe (v.a. der Muskulatur), auf normal zirkulierende Insulinspiegel zu reagieren, die das Resultat von Defekten der muskulären Glykogensynthase, der Hexokinase und des GLUT-4 (des wichtigsten insulinstimulierten Glukosetransporters) ist.

Insulinresistenz und mitochondriale Defekte.:-

Eine defiziente mitochondriale ATP-Synthese in den Skelettmuskelzellen kann als Ursache der Insulinresistenz betrachtet werden.

Insulinresistente Individuen verfügen auch über weniger Muskelfasern vom Typ I, welche mehr Mitochondrien enthalten und die Energieversorgung mittels Oxidation gewährleisten, während die Muskelfasern vom Typ 2 glykolytisch funktionieren.

Eventuell haben die betroffenen Personen weniger Mitochondrien in der Muskulatur, was durch eine reduzierte Expression von peroxisomproliferator-aktiviertem Rezeptorkoaktivator 1a und 1b (PGC-1a + PGC-1b) hervorgerufen werden könnte.

PGC-1a-responsive Gene sind bei Übergewicht, Glukoseintoleranz und Diabetes vermindert. Defekte der ATP-Synthese werden zum Teil auch für das eingeschränkte Ansprechen des Glukosesensors der Betazelle verantwortlich gemacht .

Nabil DEEB
Arzt ¿ Physician ¿ Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein ¿ ( P M I ) e.V.
Department of Medical Research
Département de la recherche médicale
P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn ¿ Bad Godesberg / GERMANY

e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

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