MicroRNAs steuern den Cholesterinspiegel

6. März 2012
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Erstmals lassen sich Funktionen von MicroRNAs in ausgewachsenen Säugetieren studieren. Möglich ist dies durch eine neue Methode, die Forscher entwickelt haben. Konkrete Anwendung findet diese in der Entwicklung einer Therapie gegen erhöhtes Cholesterin im Blut.

Die DNA gilt als Trägerin der Erbinformation. Ihre Gene bestimmen, welche Eiweiß-Moleküle in der Zelle produziert werden. Wenige wissen aber, dass vermutlich mehr als die Hälfte dieser Protein-kodierenden Gene von kleinen Mikro-Ribonukleinsäuren, kurz MicroRNAs, gesteuert werden. Sie blockieren die Boten-RNA, die die Information von der DNA zur Eiweiß-Produktionsstätte transportieren sollte, und verhindern so, dass das betreffende Protein gebildet wird.

Durch ihren Einfluss auf die Genregulation spielen MicroRNAs eine große Rolle bei der Entwicklung verschiedener Gewebe und bei der Entstehung diverser Erkrankungen, wie etwa bei Stoffwechselkrankheiten und Krebs. Ihre Funktionen im Säugetier zu studieren war bisher schwierig, da man dazu sehr aufwändig und teuer Knock-out-Mauslinien züchten musste.

Neue Methode ermöglicht effiziente Mikro-RNA Forschung

Der Molekularbiologe Stefan Ameres, Gruppenleiter am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), hat nun mit Kollegen aus China und den USA eine neue Methode entwickelt, mit der man die Funktionsweise von MicroRNAs effizient und systematisch erforschen kann. Damit ist es auch möglich, Funktionen von MicroRNAs in bereits ausgewachsenen Säugetieren zu studieren. Das Züchten von knock-out Mäusen entfällt, die Wissenschaftler kommen rascher zu relevanten Ergebnissen.

Bei der neuen Methode werden winzige Nukleotid-Schnipsel über die Blutbahn in den Körper eingeschleust. Wie ein Lockvogel fangen sie die MicroRNAs ab und hindern sie daran, die RNA zu blockieren. Die RNA kann somit ungestört ihrer Bestimmung nachgehen. Um den Lockvogel an den richtigen Ort im Körper zu bringen, benutzen die Forscher als Transporter erstmals modifizierte Adeno-Viren, ähnlich den Erkältungsviren. An die Viren gebunden gelangen die MicroRNAs über die Blutbahn und durch die Zellwand in die Zelle.

Entwicklung einer Therapie gegen Hypercholesterinämie

Ein spannendes Folgeprojekt ist nun die Entwicklung einer Therapie gegen Hypercholesterinämie, ein zu hoher Cholesterinspiegel im Blut. Dazu wird ein Molekül in die Leber geschleust, das sehr spezifisch die Mikro-RNA hemmt, die an der Regulation des Cholesterinspiegels beteiligt ist. Zwar gibt es bereits einen solchen MicroRNA-Blocker in der klinischen Testung, dieser müsste aber von den Patienten alle zwei bis drei Wochen gespritzt werden. „In unseren Studien haben meine Kollegen und ich gesehen, dass mit der neuen Methode der Cholesterinspiegel im Blut der Mäuse mehrere Monate stabil war“, freut sich Ameres über die ersten erfolgreichen Ergebnisse.

Auch die biologischen Möglichkeiten, die sich durch die neue Methode bieten, wollen die Wissenschaftler ausschöpfen. „Es gibt 267 MicroRNAs, die in Mensch und Maus gleich sind. Wir werden eine ‚Anti-MicroRNA Bibliothek‘ aufbauen, also eine Sammlung an MicroRNA Gegenstücken, mit der jede einzelne dieser MicroRNAs gezielt blockiert werden kann“, erläutert Ameres die nächsten Schritte. Möchte ein Wissenschaftler dann die Funktion einer spezifischen MicroRNA studieren, ist das einfach möglich, indem das passende Gegenstück über das Transporter-Virus in den Körper geschleust wird.

Originalpublikation:
Long-term, efficient inhibition of microRNA function in mice using rAAV vectors
J. Xie et al.; Nature Methods, DOI: 10.1038/nmeth.1903; 2012

1 Wertungen (5 ø)
Allgemein

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5 Kommentare:

Juergen Schwertner
Juergen Schwertner

Nur pflanzliche Zellen besitzen eine Zellwand!

#5 |
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Student der Humanmedizin

Interessanter Ausblick – und das ist vermutlich erst der Anfang. In Kombination mit den Erkenntnissen der Epigenetik sicherlich ein weiterer, positiver Ausblick.

Ob allerdings die Verwendung von Viren hier der richtige Weg ist, ist strittig.
In der Vergangenheit, sei es beispielsweise beim damals großen Hype um die Gentherapie, waren es Viren als Carrier, die zu Problemen geführt haben (und nicht der Therapieansatz als solcher).

Die Begeisterung sollte daher bescheiden bleiben und lieber geschaut werden, ob man nicht bessere Möglichkeiten der Umsetzung dieser neuen Erkenntnisse findet – ohne den riskanten Umgang mit Vireren, deren Auswirkungen auf einen Organismus man nicht einmal mit einer Server-Farm berechnen kann.

#4 |
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paßt – da ich staine nicht vertrage. JB

#3 |
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Dr Ronald Weser
Dr Ronald Weser

Ein ziemlicher Schock fuer Ernaehrungsberater.

#2 |
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UMDENKEN !!!

#1 |
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