Cholesterin: Nutzen von Ezetimib nicht belegt

14. September 2011
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Hohe Cholesterinwerte im Blut gelten als ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jedes Medikament, das die Cholesterinwerte senkt, auch Herzinfarkten vorbeugen kann. Laut IQWIG sei auch der Nutzen des Arzneistoffs Ezetimib unklar.

Hohe Cholesterinwerte im Blut gelten als ein Risikofaktor für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings bedeutete das nicht zwangsläufig, dass jedes Medikament, das die Cholesterinwerte senkt, auch Herzinfarkten vorbeugen kann. So sei laut IQWIG der Nutzen des cholesterinsenkenden Arzneistoffs Ezetimib unklar. Insbesondere fehlten Belege, dass Patienten einen höheren Nutzen haben, wenn sie Ezetimib zusätzlich zu Statinen zur Herzinfarktvorbeugung einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 12. September 2011 vorgelegt hat.

Einsatz vor allem in Kombination mit Statinen

Ezetimib ist ein sogenannter Cholesterinresorptionshemmer. Oral eingenommen hemmt der Wirkstoff im Dünndarm die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung in den Körper. Dadurch sinkt die Cholesterin-Konzentration im Blut. Man hofft, dass sich damit auch das Risiko für Herzkrankheiten verringert. Ezetimib wird derzeit vor allem in Kombination mit einem ebenfalls zur Vorbeugung von Herzinfarkten eingesetzten sogenannten Statin verschrieben. Für bestimmte Statine ist nachgewiesen, dass sie bei solchen Patienten nicht nur Cholesterinwerte absenken, sondern auch Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Komplikationen vorbeugen können. Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten, die diese Arzneimittel nicht vertragen, können Ezetimib auch ohne ein Statin einnehmen.

Die Wissenschaftler des IQWiG haben jetzt untersucht, ob Ezetimib – insbesondere in Kombination mit Statinen – ebenfalls das Risiko solcher Komplikationen senkt.

Nutzen einer Kombinationstherapie nicht belegt

Insgesamt wurden 2 Studien für die Nutzenbewertung identifiziert. In beiden Studien nahmen alle Patienten als Basistherapie ein Statin. In der 24-Monatsstudie ENHANCE erhielt die eine Hälfte zusätzlich Ezetimib, die andere ein Placebo. In der 14-Monatsstudie ARBITER-6-HALTS wurde Ezetimib mit Nicotinsäure verglichen. Relevante Studien, in denen Ezetimib als Monotherapie untersucht wurde, lagen nicht vor.

Das IQWiG hat die Ergebnisse von ENHANCE und ARBITER-6-HALTS insbesondere zu Todesfällen, Herz-Kreislauf-Komplikationen, gesundheitsbezogener Lebensqualität und unerwünschten Wirkungen ausgewertet. In keiner der beiden Studien zeigten sich für patientenrelevante Endpunkte belastbare Unterschiede bei den Patienten, die zusätzlich zu einem Statin Ezetimib erhielten. Zusammenfassend gab es keinen Hinweis, dass Ezetimib mehr Nutzen oder Schaden hat als Placebo oder Nicotinsäure. Allerdings sind die bisher verfügbaren Studien zu klein und zu kurz, um Nutzen und Schaden abschließend zu klären.

Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf eine noch laufenden Studie (IMPROVE-IT): Es ist die erste Studie, die primär das Ziel verfolgt, das kardiovaskuläre Risiko von Ezetimib und Placebo zu vergleichen. Dabei nehmen die Patienten in beiden Behandlungsgruppen zusätzlich Simvastatin ein. Eingeschlossen sind Hochrisikopatienten mit einem akuten Koronarsyndrom, deren Zustand sich bereits stabilisiert hat. Die Ergebnisse werden 2013 erwartet.

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2 Kommentare:

Dr. Klaus von Benda
Dr. Klaus von Benda

Ich verweise auf den wichtigen Aufsatz: Ezetimibe alone or in combination with simvastatin increases small dense low-density
lipoproteins in healthy men,Kaspar Berneis, Manfredi Rizzo, Heiner K. Berthold, Giatgen A. Spinas,Wilhelm Krone, and Ioanna Gouni-Berthold, in European Heart Journal,6.Juni 2010.
Danach ergibt sich aus Gradienten-Gel-Elektrophorese, daß Ezetimib die LDL-Subfraktion zu einem stärker atherogenen Profil mit mehr niedermolekularem Anteil verschiebt.
Diese Arbeit sollte allgemein stärker beachtet werden.

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Dr.med Stephan Heinke
Dr.med Stephan Heinke

Sehe ich ebenso. Angesichts des Preises ist es schlicht eine Frechheit des Herstellers, bis heute ( 8 Jahre nach Zulassung ) keine MACE-Daten vorzulegen – oder ein besonderes Kalkül.
Ich setze es nur noch bei Hochrisikopatienten ( familiäre Hypercholesterolämie + schwere arteriosklerotische GrundKH ) ein.

#1 |
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