Hohes Cholesterin: Schuld ist das Gen

9. September 2010
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Weshalb haben manche Menschen einen zu hohen Cholesterinspiegel und erleiden einen Herzinfarkt, während andere offenbar geschützt sind? Forscher haben darauf jetzt eine Antwort gefunden: „schuld“ ist ein Gen.

Es tritt in verschiedenen Varianten auf – eine Variante des Gens schützt, die andere nicht. Forscher um Prof. Anders Nykjaer von der Universität Aarhus, Dänemark sowie Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin konnten zeigen, dass das fragliche Gen bestimmt, wieviel Cholesterin die Leber ins Blut freisetzt.

Bei dem Gen handelt es sich um SORT1, das die Forschungsgruppe von Prof. Willnow bereits im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen erforscht. Dass dieses Gen auch eine Rolle im Bereich der Herzkreislauferkrankungen spielt, ergaben so genannte genomweite Assoziationsstudien. Dabei schauen Genetiker, ob zwischen gewöhnlichen genetischen Varianten im menschlichen Erbgut und bestimmten Erkrankungen eine Verbindung besteht. In diesem Fall interessierte Forscher, ob zwischen dem Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen – einem zu hohen Cholesterinspiegel – und winzigen genetischen Varianten einzelner Personen Zusammenhänge bestehen.

Aktives SORT1 – Ausschüttung von Cholesterin

In groß angelegten internationalen Genomstudien war vor kurzem eine bestimmte Region auf dem menschlichen Chromosom 1 identifiziert worden, welche einen hohen Cholesterinspiegel verursacht. Die Funktion dieser Genregion auf Chromosom 1 konnten die Forscher in Aarhus und Berlin jetzt mit Hilfe von Mäusen klären. Sie hatten in diesen Mäusen das Gen für das Protein SORT1 gezielt ausgeschaltet. Die Mäuse hatten trotz fettreicher Ernährung 20 Prozent weniger Cholesterin im Blut, als Mäuse mit SORT1. Mit weiteren Untersuchungen fand das internationale Forscherteam aus Dänemark und Deutschland auch heraus, wie SORT1 wirkt. Es bildet einen Faktor, welcher dafür sorgt, dass die Leber effizienter Cholesterin freisetzt. Das bedeutet, Personen mit einer aktiven SORT1-Genvariante schütten viel Cholesterin ins Blut aus und haben damit ein höheres Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Menschen dagegen, welche eine weniger aktive Genvariante tragen, schütten weniger Cholesterin aus – und sind geschützt.

Zum ersten Mal zeigt sich damit nach Ansicht von Prof. Willnow, dass der Abgleich des Erbguts vieler Tausender Menschen entscheidend dafür ist, wichtige neue Erkenntnisse über die genetischen Ursachen von Krankheiten zu gewinnen.

Forscher plädieren für gesunden Lebensstil

Der Körper benötigt Cholesterin unter anderem für seine Zellen zum Aufbau von Zellmembranen oder als Baustein für Hormone. Cholesterin wird vom Körper selbst gebildet oder über die Nahrung aufgenommen. Es wird zunächst in der Leber gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben. Überschüssiges Cholesterin muss die Leber wieder zurücknehmen, damit es nicht die Blutgefäße verstopft (Arteriosklerose). Wer einen zu hohen Cholesterinspiegel hat, läuft Gefahr einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn er nicht mit einer entsprechenden Diät und Medikamenten gegensteuert.

Nach Ansicht der Forscher könnte das SORT1-Gen einen Angriffspunkt für neue Medikamente bieten, um die Freisetzung von „schlechtem“ Cholesterin aus der Leber ins Blut zu blockieren. Allerdings ist SORT1 nur einer von vielen Herzinfarktrisikofaktoren. Es genügt daher nicht, so die Forscher, zu testen, welche Genvariante von SORT1 jemand hat. „Herzkreislaufrisiken hängen mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen“, betonen Prof. Nykjaer und Prof. Willnow. Auch Menschen mit der „gesunden Genvariante“ können einen hohen Cholesterinspiegel bekommen, wenn andere ungünstige Faktoren wie ungesunde Ernährung oder Übergewicht im Spiel sind. Daher plädieren die Forscher für einen gesunden Lebenstil – keine fettreiche Ernährung und viel Bewegung.

Originalpublikation:
Sort1, Encoded by the Cardiovascular Risk Locus 1p13.3, Is a Regulator of Hepatic Lipoprotein Export
Mads Kjolby et al.; Cell Metabolism
12(3)
213-23
(2010)

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Allgemein

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7 Kommentare:

Heilpraktiker

Meine Literaturempfehlung zum Thema:
“Mythos Cholesterin” von Uffe Ravnskov. Das Buch beschreibt
wesentlich besser als der et5was reißerische Titel vermuten lässt die tatsächliche Datenlage zur Problematik Blutfette – Arteriosklerose – KHK etc.

#7 |
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Dr. med. Ilona Polzer
Dr. med. Ilona Polzer

Ich stimme Herrn Pelzl zu, dass eierfreie Diät bei hohem Cholesterinwert ist bereits ein längst überholter Mythos und ebenfalls was die Niere betrifft. – Wenn man den Originalabstrakt liest, dann erfährt man, dass SORT1 = Sortilin die Freisetzung der Apolipoprotein B100-Fraktion des LDL aus der Leber stimuliert und bei überexpression vom SORT1 wird dadurch den Plasmaspiegel vom LDL erhöht. Der Gesamtcholesterinspiegel ist nicht so ausschlaggebend. 3 Dinge wären interessant zu untersuchen: 1) inwieweit die erhöhte Fraktion vom Apolipoprotein B100 mit überexpression vom SORT1 beim Menschen mit arteriosklerotischen Geschehen korreliert? 2) welche Rolle dabei das durch ROS oxygenierte Cholesterin spielt? 3) Der zusätzliche Einfluss vom BMI – es wurde bereits durch Metanalysen gezeigt, dass nicht alleine der erhöhte Gesamtcholesterin das Risiko für arteriosklerotisches Geschehen steigert, sondern dass der BMI dabei eine wesentliche Rolle spielt.

#6 |
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Manfred Pelzl
Manfred Pelzl

dass die kleinen Hühnereier die Nieren kaputt machen ,ist eine wüste Vermutung…lesen Sie einfach Griffin, -nach seinen Studien haben mehrere Gesundheitsorganisationen weltweit ihre aktuellen Empfehlungen angepaßt: Zitat: “Der Ratschlag,sich auf 3 Eier pro Woche zu beschränken,sei nicht mehr haltbar, ” befanden sie. Quelle: Nutrition Bulletin (British Nutrition Foundation ) 34 (2009) 66-70

#5 |
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Dr. Doris Serra
Dr. Doris Serra

Forcierter Eikonsum ist auf jeden Fall schädlich, auch wenn er nicht unmittelbar den Cholesterinspiegel erhöht, aber auf lange Sciht sicher, da so viel Eikonsum die Nieren schädigt und daher das Cholesterin nicht mehr abgebaut werden kann….

#4 |
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Manfred Pelzl
Manfred Pelzl

Das Spiegelei als Illustration für’s “gemeingefährliche ” cholesterin zu verwenden ist untauglich, wo doch inzwischen jeder weiß ,das forcierter Eierkonsum keineswegs den Serum-Cholesterinspiegel hebt (siehe Prof.Bruce Griffin University of Surrey )also:ein bißchen mehr mühe,leute !

#3 |
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Wäre interessant zu erfahren, ob SORT1 nur die Gesamtcholesterinausschüttung oder auch das HDL/LDL-Verhätnis bestimmt.

#2 |
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Geschäftsführer Hans-Heinrich Jörgensen
Geschäftsführer Hans-Heinrich Jörgensen

Morgengebet:
Lieber Gott, ich danke Dir, dass Du mich durch immer optimal angeasste Stoffwechel-Justierungen vom Pantoffeltierchen zur Krone der Schöpfung hast werden lassen. Nur in einem Punkt hast Du geschlampt: Mein Cholesterinspiegel entspricht nicht der neuesten Leitlinie…

#1 |
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