Grüner Tee und Laserlicht gegen das Vergessen

11. Januar 2012
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Mit einem Extrakt aus grünem Tee und rotem Laserlicht wollen Forscher die Alzheimersche Krankheit besiegen. Dank der ungewöhnlichen Kombinationstherapie konnten sie die typischen Beta-Amyloid-Plaques im Modell-Experiment um mehr als 60 Prozent verringern.

Diese Ablagerungen stören die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn und verursachen so die bekannten Symptome der Krankheit.

Die Idee für den neuartigen Therapieansatz ist bei der Grundlagenforschung am Institut für Mikro- und Nanomaterialien, Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik der Universität Ulm, entstanden: Materialwissenschaftler und Ingenieure hatten bei der Untersuchung von nanoskopisch dünnen Wasserschichten auf nanokristallinem Diamant festgestellt, dass sich diese bei Bestrahlung mit rotem Laserlicht ausdehnen. Nach Ende der Laserbestrahlung ziehen sich die Wasserschichten wieder zusammen. Diese Erkenntnisse gelten auch für Wasserfilme in lebenden Zellen. Beim Zusammenziehen können die Zellen Substanzen aus der unmittelbaren Umgebung aufnehmen.

Kurz zuvor war in Modell-Experimenten gezeigt worden, dass die Substanz EGCG Aβ-Ablagerungen bekämpft. Jetzt haben die Forscher diese beiden Erkenntnisse kombiniert und auf menschliche Neuroblastomzellen übertragen.

Im Modell-Experiment haben sie Neuroblastomzellen, die Aβ im Zellinneren angereichert hatten, EGCG ausgesetzt und mit Laserlicht der Wellenlänge 670 Nanometer bestrahlt. Bereits die EGCG-Behandlung konnte Aβ-Ablagerungen um die Hälfte reduzieren. Eine Minute alleinige Laserbestrahlung führte zu einer Verringerung von 20 Prozent. Nach der Kombinationsbehandlung aus EGCG und rotem Laser wiesen die Forscher rund 60 Prozent weniger Ablagerungen nach. Genaue Mechanismen sind Gegenstand weiterer Forschung.

Laserstrahlen im Bereich Rot bis Nahinfrarot wirken durch mehrere Zentimeter Gewebe und sogar durch die Schädeldecke hindurch. „Laserlicht in diesem Bereich wird bereits seit Jahren klinisch eingesetzt. In Kombination mit EGCG und anderen potentiellen Aβ-Zerstörern bieten sich vielversprechende Forschungsmöglichkeiten – mit dem Ziel Aβ-Ablagerungen im Gehirn zu verringern“, sagt Andrei Sommer.

„Die Ergebnisse zeigen zahlreiche Anknüpfungspunkte für hoch interdisziplinäre wissenschaftliche Projekte auf“, bekräftigt Professorin Iris-Tatjana Kolassa, Leiterin der Abteilung Klinische und Biologische Psychologie der Universität Ulm. Gerade die neuartige Kombination von materialwissenschaftlicher, psychologischer und medizinischer Grundlagenforschung könne zukünftig zu völlig neuen Ansätzen in der Behandlung altersbedingter Erkrankungen wie beispielsweise der Alzheimer Demenz führen.

Originalpublikation:
670 nm Laser Light and EGCG Complementarily Reduce Amyloid-β Aggregates in Human Neuroblastoma Cells: Basis for Treatment of Alzheimer’s Disease?
Andrei P. Sommer et al.; Photomedicine and Laser Surgery, 30(1): 54-60; 2012

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Neurologie

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12 Kommentare:

Dr. Veronika Bansagi-Bieber
Dr. Veronika Bansagi-Bieber

Primum non nocere!

#12 |
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Altenpfleger

Dieser Artikel wirft mehr Fragen auf, als dass er etwas erklärt. Z.B. wenn es eine Quelle (Uni Ulm) gibt, wer hat dann den Artikel geschrieben? Der Bezug zum Grünen Tee erschließt sich erst in den Kommentaren (jedenfalls den Nicht-Insidern). Sind die mit dem Laserlicht und EGCG behandelten Zellen nach der Behandlung noch normal, eingeschränkt oder evtl. gar nicht mehr lebensfähig? So interessant die Forschung auch ist, so schlecht ist der Artikel geschrieben. Bitte beim Schreiben wenigstens etwas an die LeserInnen denken und ihre Fragen antizipieren! So jedenfalls ist der Erkenntnisgewinn gering.

#11 |
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Hatte in meiner aktiven ZEit als Kassenarzt ein Lasergerät, an dem eine Art Haarbürste anzuschließen war, es war ein Lasersystem mit 12 Laserdioden. Sollte eingesetzt werden um den Haarwuchs anzuregen. Sei überwiegend bei Kosmetikerinnen im Einsatz, könnte aber auch in der Arztpraxis eingesetzt werden. Nun ja, hatte unklare Nebeneffekte beim einsatz am Kopf, habe deshalb den Einsatz in meiner Praxis beendet. Jetzt sehe ich erst die richtige Indikation. Mit grünem Tee muß die ANwendung kombiniert werden, dann können die Haare wachsen und der Alzheimer geht auch davon. Wie einfach doch Medizin sein kann.

#10 |
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Kirsten Wahle
Kirsten Wahle

EGCG ist ein Bestandteil des grünen Tees. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Epigallocatechingallat. Hier werden auch neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer erwähnt.

#9 |
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Medizinphysiker

Die Originalarbeit ist im übrigen nicht ohne weiteres zugänglich! Da wäre etwas mehr Ausführlichkeit sachdienlich!

#8 |
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Medizinphysiker

Und wo bleibt jetzt in der obigen Darstellung der grüne Tee? Was ist eine “EGCG-Behandlung”, wie sieht sie aus?
Auch bleibt der Versuchsaufbau unklar, wie haben Forscher die “Erkenntnisse kombiniert und auf menschliche Neuroblastomzellen übertragen”?
Eine etwas ausführlichere Darstellung wäre wünschenswert, bleibt einem so nur das Studium der Originalarbeit!

#7 |
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Dr. Ulrich Vierl
Dr. Ulrich Vierl

Bis auf die unmittelbar benachbarte Clathrathstruktur gibt es im Wasser (egal an welcher Oberfläche) keine Wasserschichten! Die Korrelationslänge der Hydratationskraft ist in der Größenordung (sogar kleiner) als ein Wassermolekül!

Daß sich Wasser beim Erwärmen (z.B. durch Laserlicht) oberhalb 4 °C ausdehnt ist trivial.

Ich kann nicht erkennen, wie die Wasserausdehnung sich auf den Abbau/Nichtbildung von Amyloid auswirken soll.

So interessant die Ergebnisse sind so zweifelhaft sind die Erklärungen. Stimme #4 zu, daß man sich mal die Signifikanz der Ergebnisse anschauen sollte!

#6 |
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Gesundheitspraxis HP Heidi Unrath
Gesundheitspraxis HP Heidi Unrath

Kann man diese Behandlung auch bei Demenz Patienten einsetzten und bis wann.

#5 |
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Interessanter Ansatz!
Aber mir fehlen die ¿harten Daten¿ und Signifikanzen.
Vor allem: Was geschieht im humanen in-vivo Versuch?
Wie nachhaltig ist eine solche Behandlung?
Hat sie Nebeneffekte?

#4 |
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Medizinjournalist

weiter forschen!

#3 |
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Medizinjournalist

Hochinteressant!

#2 |
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Altenpfleger

Echt vielversprechend!

#1 |
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