Gallensteine erhöhen Diabetesrisiko

28. Januar 2010
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Menschen mit Gallensteinen haben ein um 42 Prozent höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Menschen ohne Gallensteine. Dagegen scheinen Nierensteine kaum eine Rolle für das Diabetesrisiko zu spielen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam.

Die Studie, zu der Cornelia Weikert vom DIfE und Steffen Weikert vom Universitätsklinikum Charité Berlin maßgeblich beigetragen haben, wurde online in der Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology publiziert.

Gallenstein– und Nierensteinerkrankungen treten bei Menschen mit westlichem Lebensstil gehäuft auf, wobei massives Übergewicht ein wesentlicher Risikofaktor ist. Zudem weisen epidemiologische Untersuchungen darauf hin, dass Menschen mit Diabetes eher dazu neigen, Gallensteine zu bekommen. Bislang war jedoch unklar, ob umgekehrt Gallen- oder Nierensteine mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert sind, das heißt Diabetes-Risikofaktoren darstellen.

Gallensteine: Eindeutiger Risikofaktor für Diabetes

Um dieser Frage nachzugehen, analysierte das Wissenschaftlerteam um Heiner Boeing die Daten der Potsdamer EPIC-Studienteilnehmer. Zu Beginn der Studie hatten 3.293 der beteiligten Männer und Frauen über bekannte Gallen- und 2.468 der Teilnehmer über bekannte Nierensteine berichtet. Im Verlauf der Studie erkrankten während eines Beobachtungszeitraums von etwa 7 Jahren 849 von 25.166 Studienteilnehmern an Diabetes.

Unabhängig von Alter, Geschlecht, Taillenumfang und Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum hatten Personen mit Gallensteinen ein 1,42-fach erhöhtes Risiko, an einem Diabetes zu erkranken. Hingegen war bei Menschen mit Nierensteinen das Diabetesrisiko nicht erhöht. “Nach unseren Daten sind Gallensteine ein eindeutiger Risikofaktor für Diabetes und könnten zusammen mit anderen Faktoren genutzt werden, um die Einschätzung des individuellen Diabetesrisikos zu präzisieren. Nierensteine spielen für die Vorhersage des Diabetesrisikos hingegen keine Rolle”, erklärt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

“Treten Gallensteine auf, sollte man sich vom Hausarzt über Vorzeichen einer Diabeteserkrankung und das individuelle Risiko beraten lassen”, empfiehlt Cornelia Weikert. “Ebenso ergibt sich aus der Gallensteinerkrankung ein Anlass, seine Ernährung sowie seinen Lebensstil zu überdenken und Präventionsempfehlungen verstärkt zu befolgen. Nicht zuletzt sollten Ärzte, die Gallensteine bei ihren Patienten feststellen, bei der Weiterbetreuung auch das erhöhte Diabetesrisiko berücksichtigen.”

Originalpublikation:
Presence of Gallstones or Kidney Stones and Risk of Type 2 Diabetes
Cornelia Weikert and Steffen Weikert et al.; 2009; DOI: 10.1093/aje/kwp411

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3 Kommentare:

Dr. Christian Steffen
Dr. Christian Steffen

Leider führt der Titel in die Irre, da er impliziert, Gallensteine wären an der Enstehng des Diabetes beteiligt. Vielmehr wird in der publizieren Arbeit eine Assoziation zwischen Gallensteinen und Diabetesentstehung beschrieben, für die als Hinweis für den Arzt nützlich sein kann.

#3 |
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Peter Michael Kohn
Peter Michael Kohn

Bei einer Doppelblindstudie mit gleicher Zahl von Probanden ohne bekannte Nieren-/Gallensteine wäre wahrscheinlich eine ähnlich große Anzahl in 7 Jahren auch an Diabetes erkrankt.
Da fehlen die kausalen Vergleiche. Solche Studien sind ohne wissenschaftlichen Wert und in ihrer Aussage gleich null.

#2 |
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Ursula Wahl
Ursula Wahl

ist das denn wirklich sooooo verwunderlich? Schliesslich liegt die Gallenblase dem Pankreas in jeglicher Hinsicht näher als die Niere. In einer “Rosskur” habe ich mich gerade ca 3 Esslöffel eingedickter Galle entledigt. Wenn sich damit ein Prädiabetes noch beeinflussen liesse werd ich es weiter empfehlen.

#1 |
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