Lebermetastasen: Neue Erkenntnisse

12. März 2009
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Frankfurter Mediziner der Johann Wolfgang Goethe-Universität zeigen zum ersten Mal, dass minimal-invasive Behandlungsmethoden bei Patienten mit Lebermetastasen das Immunsystem stimulieren und damit zu höheren Überlebensraten führen können.

Zusammen mit Forschern des Universitätsklinikums Erlangen gelang es einem Ärzteteam am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Klinikums der J.W. Goethe-Universität Frankfurt das erste Mal, einen möglichen Einfluss minimal-invasiver Therapien auf das Immunsystem nachzuweisen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wurde bei einer Gruppe von Darmkrebspatienten mit Lebermetastasen, die nicht operativ entfernt werden konnten, das sogenannte in situ-Verfahren (lat.: in situ = im Körper) der laserinduzierten Thermotherapie (LITT) durchgeführt. Dabei stellten die Mediziner fest, dass diese minimal-invasive Methode das Immunsystem der Patienten aktiviert und somit möglicherweise zu einem verlängerten Überleben beiträgt.

Behandlungsmöglichkeiten bei Lebermetastasen

Lebermetastasen sind Tumorabsiedelungen in der Leber. Sie sind ein häufiges Problem vor allem bei Darmkrebs, aber auch bei anderen Krebsarten und können durch eine Operation, Chemotherapie oder die beiden in situ-Verfahren LITT und Radiofrequenzablation (RFA) behandelt werden. Die operative Entfernung von Lebermetastasen ist medizinischer Standard, allerdings nicht immer möglich. Hier kommen Verfahren wie die LITT und die RFA zum Einsatz, die sich in den letzten Jahren in der Onkologie etabliert haben. Bei beiden Methoden wird durch eine Sonde Hitze in den Körper eingeführt, die Metastase punktiert und solange Hitze zugeführt bis die Tumorabsiedelung zerstört ist. Bei der Radiofrequenzablation wird die Hitze mittels Hochfrequenzstrom, bei der laserinduzierten Thermotherapie durch Laserlicht erzeugt. Welches der beiden Verfahren, die sich nur in technischen Details unterscheiden, eingesetzt wird, hängt u.a. von der Anzahl und der Größe der Metastasen ab.

Immunstimulation dank LITT und RFA

Für die Studie der Universitätskliniken Frankfurt und Erlangen wurden elf ausgewählte Darmkrebspatienten mit Lebermetastasen mittels LITT behandelt. Die Patienten waren durchschnittlich 66,7 Jahre alt und konnten alle operativ nicht behandelt werden.
Durch LITT wurde bei den Behandelten eine T-Zellen-Reaktion ausgelöst, die durch Blut- und Gewebeproben nachgewiesen wurde. Die Proben wurden den Patienten vor und nach der Behandlung entnommen. Bei T-Zellen handelt es sich um thymusabhängige Zellen, die für die zelluläre Immunabwehr zuständig sind. Das heißt, das Immunsystem wurde in Folge der LITT-Behandlung aktiviert und damit die Überlebensrate der Patienten erhöht. 94 Prozent der LITT-Patienten waren beispielsweise ein Jahr nach Behandlungsbeginn noch am Leben. Zum Vergleich: Nach einer operativen Entfernung der Metastasen leben in der Regel ein Jahr nach der Operation noch 93 bis 94 Prozent der Erkrankten. “Wir können die Patienten also mit der laserinduzierten Thermotherapie bei geeigneter Größe und Lage der Metastasen medizinisch gleichermaßen betreuen wie mit einer operativen Entfernung”, erläutert Prof. Vogl. “Der entscheidende Faktor für die Immunstimulation ist die durch LITT zugeführte Hitze. Deshalb gehen wir davon aus, dass auch die Radiofrequenzablation zu einer Stimulation des Immunsystems führt”, fährt der Studienleiter fort. “Insofern haben LITT und RFA zwei entscheidende Vorteile: Sie sind minimal-invasiv und dadurch für den Patienten angenehmer, weniger belastend und nahezu schmerzfrei. Andererseits kann eine Behandlung ambulant stattfinden. So können wir dem Patienten aus medizinischer Sicht optimal helfen und seine Lebensqualität wird bei guten Überlebenschancen nicht wesentlich eingeschränkt. Die Ergebnisse zum Immunstatus zeigen das große Potenzial minimal-invasiver Verfahren”, fasst Prof. Vogl die Vorzüge zusammen.

2 Wertungen (3 ø)
Allgemein

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6 Kommentare:

Auf jeden Fall eine weitere Möglichkeit, den Pt.en eine Weg aufzuzeigen, was auch viele Hoffnungsschancen mit sich bringt. Im Endeffekt sind die op.Ergebnisse “sehr “varaibel”, und mit Allgemeinnarkose, IOntensivüberwachung etc. verbunden. Ich würde mich als Betrogffener auch darüber freuen, wenn ich solch eine Möglichkeit aufgezeigt bekäme.

#6 |
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Doris Hillenbrand
Doris Hillenbrand

Es wird lediglich gesagt, dass durch die minimal-invasiven Eingriffe die Patienten dieselbe Chance haben wie bei einer OP. Wer solch eine OP hatte, weiß, was damit gemeint ist und atmet durch ! Von signifikant höherer Lebenserwartung kann ich nirgends einen Satz finden.

#5 |
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Dr. Oliver Hasselmayer
Dr. Oliver Hasselmayer

Von einem signifikanten Unterschied in der Überlebensdauer bzw. einer “längeren Überlebensdauer” kann wohl bei gleicher Überlebensrate (94 %) nach einem Jahr nicht die Rede sein, oder handelt es sich um einen Tipfehler?

#4 |
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Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

Es gibt noch eine 3. Methode: die Kryochirurgie. Von Prof.Korpan in Wien seit vielen Jahren erfolgreich prktiziert. Lebermetastasen werden bei minus 180 Grad unblutig zerstört. Dass dadurch die Immunabwehr stimuliert wird, hat Prof.Korpan ebenfalls schon seit vielen Jahren festgestellt und auch publiziert– ist also ein alter Hut.

#3 |
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Wir haben meine Frau bei Prof Vogl behandeln lassen, einzigartige Methode, harmlos, ambulant. Sehr empfehlenswert.

#2 |
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Hanebüchen. n=11 ist ein Witz. Was heißt Leben in der Onkologie?

#1 |
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