Mammakarzinom-Diagnostik: Urin weist den Weg

16. Juli 2015
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Ein neuer Test kann mit 91-prozentiger Sicherheit feststellen, ob eine Person an einem Mammakarzinom erkrankt ist. Dafür misst dieser im Urin die Konzentration bestimmter MicroRNAs. Künftig könnte der Test zur Kontrolle des Therapieerfolgs und zur Früherkennung eingesetzt werden.

Prof. Dr. Elmar Stickeler, Ärztlicher Leiter der Senologie, Klinik für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums des Universitätsklinikums Freiburg, hat mit seinem Team einen Urin-Test entwickelt, mit dem das Mammakarzinom aufgrund des veränderten Stoffwechsels nachgewiesen werden kann. Die Forscher haben dazu die Konzentrationen von neun MicroRNAs im Urin gemessen. Vier der neun Moleküle wiesen zwischen Gesunden und Erkrankten charakteristische Konzentrationsunterschiede auf.

Experimenteller Test für mehr Sicherheit?

„Wir konnten erstmals zeigen, dass bei Brustkrebs das MicroRNA-Profil im Urin charakteristisch verändert ist“, sagt Stickeler. „MicroRNAs dürften sich also grundsätzlich für einen Brustkrebs-Test eignen.“ Anhand des MicroRNA-Profils konnten die Forscher wiederum mit einer Sicherheit von 91 Prozent darauf schließen, ob eine Probandin gesund oder krank war. „Die Diagnose-Sicherheit unserer Methode war damit sehr hoch“, sagt Stickeler.

Die Studie umfasste 24 gesunde Probandinnen und 24 Frauen, bei denen kürzlich ein Brusttumor diagnostiziert worden war. Die Patientinnen befanden sich in den Tumorstadien 1, 2 oder 3. In weiteren Untersuchungen muss die Methode nun mit größeren Patientengruppen bestätigt werden.

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Mit Hilfe von Microarrays können Wissenschaftler die Konzentration von hunderten Molekülen, in diesem Fall von MicroRNA, gleichzeitig bestimmen. © Universitätsklinikum Freiburg

Mammakarzinom früher erkennen?

Das Verfahren wurde von den Wissenschaftlern bereits als Patent angemeldet. „Der große Vorteil unserer Methode ist, dass wir nur ein paar Milliliter Urin benötigen und kein Blut oder gar Gewebe“, sagt Stickeler. Das macht das Diagnose-Verfahren sehr attraktiv für kontinuierliche Messungen, etwa zur Kontrolle des Therapieerfolgs. „Unser Verfahren könnte dazu führen, dass mehr Frauen eine solche Untersuchung wahrnehmen und so Brustkrebs früher erkannt wird“, so Stickeler weiter.

Originalpublikation:

Feasibility of urinary microRNA detection in breast cancer patients and its potential as an innovative non-invasive biomarker
Thalia Erbes et al.; BMC Cancer, doi: 10.1186/s12885-015-1190-4; 2015

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