Therapie gegen aggressive Hepatitis Delta

28. Januar 2011
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Die weltweit größte Studie zur Therapie der Hepatitis Delta zeigt Behandlungsmöglichkeit auf. Mit ihrer Wirkstoffkombination konnten die Forscher erstmals bei einem Viertel der Patienten eine Ausheilung der Hepatitis D-Virusinfektion erreichen.

Eine chronische Hepatitis Delta-Virusinfektion tritt ausschließlich als Koinfektion mit Hepatitis B auf und ist die schlimmste aller Virushepatitisformen mit besonders schneller Entwicklung einer Leberzirrhose. Mit dem Hepatitis Delta-Virus sind weltweit mindestens zehn Millionen Menschen infiziert. In Deutschland sind etwa 30.000 Menschen erkrankt, wobei insbesondere Migranten betroffen sind. Aktuell sterben in Deutschland jährlich mehr Menschen an Hepatitis Delta als an AIDS und mit HIV assoziierten Erkrankungen.

Wichtiger Befund: Kombinationstheraphie hilft

In der multizentrischen Studie der Forscher im Hep Net Study-House der Deutschen Leberstiftung unter der Leitung von Professor Dr. Michael Manns und Professor Dr. Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, an der neben 15 deutschen Zentren auch türkische und griechische Kliniken beteiligt waren, wurden 90 Hepatitis Delta-Patienten in drei Gruppen behandelt. Eine Gruppe erhielt ein Jahr lang sowohl Peginterferon alfa-2a als auch Adefovir dipivoxil. Die zweite Gruppe bekam nur Peginterferon alfa-2a, die dritte ausschließlich Adefovir dipivoxil. Die Wissenschaftler maßen unter anderem quantitativ die Hepatitis Delta-Viren und das Hepatitis B-Oberflächenantigen HBsAG im Blut der Patienten. „Besonders wichtig ist die Bestimmung des HBsAG: Ist das Antigen im Blut nicht mehr nachweisbar, so können wir von einer Heilung des Patienten sprechen“, sagt Professor Manns. In der MHH befand sich das Referenzlabor zur quantitativen Bestimmung der Viren und des HBsAG für alle Studienteilnehmer. Für die Studie wurde in der Arbeitsgruppe von Professor Wedemeyer ein neuer Test zur quantitativen Bestimmung der Hepatitis D Viren etabliert.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass eine Peginterferon alfa-2a-Behandlung eine effektive Therapie bei Hepatitis D darstellt. Von großer Bedeutung auch für Patienten, die mit Hepatitis B alleine infiziert sind, ist der Befund, dass die Kombinationstherapie zu einem stärkeren Abfall des HBsAG führte. Bislang gab es keine standardisierte Behandlung für die Hepatitis D. „Mit dieser Studie haben wir jedoch eine Standardtherapie etabliert: Eine Behandlung mit Peginterferon alfa-2a und Adefovir dipivoxil ist sicher und wirksam“, sagt Professor Manns. Peginterferon alfa-2a wird derzeit bereits in der Therapie der chronischen Hepatitis B und C eingesetzt, Adefovir dipivoxil ist ein Medikament zur Behandlung der chronischen Hepatitis B.

Folgestudie läuft

Die Wissenschaftler widmen sich aktuell bereits in einer Folgestudie der Optimierung der Behandlungsmethode. An ihr sind noch mehr Länder beteiligt. „Wir verlängern und verstärken darin die Behandlung und hoffen, dass damit möglichst 40 bis 50 Prozent der Patienten geheilt werden können“, erläutert Professor Wedemeyer.

Eine Hepatitis Delta-Virusinfektion kann durch Blut und Blutprodukte, Drogenkonsum, Sexualkontakte, seltener auch perinatal, also bei der Geburt von der Mutter auf das Kind, übertragen werden. Sie kommt nur zusammen mit einer Hepatitis B-Virusinfektion vor: Das Delta-Virus braucht das vom B-Virus stammende Oberflächenprotein (HBsAg) als Virushülle zur Vermehrung. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt auch vor Hepatitis Delta.

Originalpublikation:
Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta
Heiner Wedemeyer et al.; The New England Journal of Medicine
364
322-331
(2011)

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Allgemein

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1 Kommentar:

Horst Rieth
Horst Rieth

“Eine Hepatitis Delta-Virusinfektion kann durch Blut und Blutprodukte, Drogenkonsum,…”

Aua, das muss weh tun

#1 |
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