Strahlentherapie bei Mastdarmkrebs

20. Dezember 2010
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Erhalten Patienten mit Mastdarmkrebs vor der Operation eine Strahlentherapie, sinkt die Rückfallrate deutlich. Durch eine präoperative Strahlentherapie verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor wiederkehrt, um mehr als die Hälfte.

Krebsoperationen im unteren Abschnitt des Darms, dem End- oder Mastdarm, sind technisch schwierig. Lange Zeit kam es bei fast jedem zweiten Patienten nach einiger Zeit zu einem Rückfall im Operationsgebiet, einem Lokalrezidiv. „Eine Strahlentherapie war deshalb fester Bestandteil der Behandlung”, berichtet DEGRO-Präsidentin Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. In den letzten Jahren hat sich die Operationstechnik deutlich verbessert. Bei der totalen mesorektalen Exzision (TME) entfernen die Chirurgen mit dem Mastdarm auch das umgebende Gewebe, in das der Tumor als erstes eindringt. „Die TME hat die Gefahr von Lokalrezidiven deutlich gesenkt. Vor diesem Hintergrund war unklar, ob eine Strahlentherapie überhaupt noch notwendig ist“, so Engenhart-Cabillic.

Diese Frage war Gegenstand einer niederländischen Studie, an der fast 1900 Patienten teilnahmen. Die neuesten Ergebnisse wurden kürzlich auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellt. Nur jeder zweite Patient erhielt vor der Operation eine Strahlentherapie. Durchschnittlich elf Jahre nach der Operation war es ohne Bestrahlung bei 11,1 Prozent der Patienten zu einem Lokalrezidiv gekommen. Mit einer Strahlentherapie sank die Rate auf 5,1 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen, dass eine Bestrahlung vor der Operation fester Bestandteil der Therapie von Mastdarmkrebs sein sollte“, betont Engenhart-Cabillic. Selbst wenn die Pathologen im Randbereich des entfernten Mastdarms keine Tumorzellen mehr nachweisen konnten, wurde die Häufigkeit von Lokalrezidiven deutlich verringert. Bei diesen Patienten verbesserte die Strahlentherapie auch die Überlebenschancen.

In fortgeschrittenen Stadien des Mastdarmkrebses kann die Strahlentherapie das Leben jedoch nicht verlängern. „Das Schicksal vieler Patienten wird von Fernmetastasen bestimmt, die sich bereits zum Operationszeitpunkt gebildet haben”, erläutert die DEGRO-Präsidentin. Doch auch diesen Patienten nutze die Strahlentherapie, da jeder Rückfall im Beckenbereich die Behandlungsmöglichkeiten einschränke und starke Schmerzen verursache. Die Strahlentherapie leistet hier einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität.

Originalpublikation:
The TME trial after a median follow-up of 11 years. 52nd Annual ASTRO Meeting.
C.A. Marijnen et al.; International Journal of Radiation Oncology – Biology – Physics
78(3)
S1
(2010)

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Onkologie

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2 Kommentare:

Dr. med. Herbert Rendl
Dr. med. Herbert Rendl

Interessant v.a. für mich zu lesen – die präoperative Bestrahlung war Thema meiner Disserationsarbeit 1986

#2 |
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Durchschnittlich mehr als 11Jahre ist schwer verständlich.
Die frühesten Patienten hatten wohl kaum eine echte TME.
Strahlen therapie hat ihren besten Effekt bei mangelhafter OP. Bei 1900 Pat. wäre Stratifizierung möglich und nötig für
histologische TNM Kriterien.

#1 |
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