Body-Mass-Index: Fettnäpfchen Ehe?

2. Juli 2015
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Zwar gilt die Ehe als gesundheitsfördernd, aber nicht in jeder Hinsicht. Einer Erhebung zufolge ist der Body-Mass-Index von verheirateten Menschen höher als der von Singles. So würden sich Verheiratete beispielsweise bewusster ernähren, allerdings weniger Sport treiben.

Eine Reihe von Studien zeigt: Die Ehe ist gesundheitsfördernd. Doch stimmt das nicht für alle Gesundheitsindikatoren, wie jetzt ein Wissenschaftlerteam aus Basel, Nürnberg und Berlin in einer aktuellen Studie belegt. Demnach ernähren sich zusammenlebende Paare zwar durchschnittlich besser als alleinstehende Menschen, jedoch wiegen sie auch signifikant mehr und treiben weniger Sport. In der Studie verglichen die Wissenschaftler die Verbindung zwischen dem Familienstand und dem Body-Mass-Index (BMI).

Erhebung mit 10.226 Probanden

Für die Erhebung wurden repräsentative Querschnittsdaten von 10.226 Bürgern aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, Spanien und Großbritannien genutzt. Dabei betrachteten die Wissenschaftler nicht nur verheiratete, sondern berücksichtigten auch zusammenlebende Paare. Zusätzlich prüften sie mögliche Ursachen für die Gewichtszunahme mit Blick auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Befragten. Über alle neun Länder hinweg zeigte sich, dass Paare im Vergleich zu Alleinstehenden einen höheren BMI haben – dies betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Dabei gibt es länderübergreifend erstaunlich wenige Unterschiede.

Kleiner Unterschied – Großer Effekt

Ein normaler BMI liegt laut Weltgesundheitsorganisation zwischen 18,5 und 25. Von Übergewicht spricht man bei einem Wert zwischen 25 und 30, darüber von Adipositas oder Fettleibigkeit. Der durchschnittliche Wert der befragten alleinstehenden Männer lag bei 25,7, bei den verheirateten Männern waren es 26,3. Bei den Frauen lag der Durchschnittswert der unverheirateten bei 25,1 und der verheirateten bei 25,6.

Obgleich die Unterschiede im Index klein erscheinen, haben sie Bedeutung. Bei einer Durchschnittsfrau mit 1,65 Meter oder einem Durchschnittsmann mit 1,80 Meter Körpergröße sind dies etwa zwei Kilo Unterschied. Die Ergebnisse berücksichtigen den Einfluss des sozioökonomischen Status, des Alters und der Länderzugehörigkeit. „Die Resultate zeigen die Bedeutung von sozialen Faktoren für die Gesundheit. In diesem Fall, dass die Institution Ehe und relevante Verhaltensveränderungen im Kontext der Ehe direkt mit Ernährung und dem Körpergewicht zusammenhängen“, sagt Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Ernährungsbewusstsein steigt, Sportaktivität sinkt

Mögliche Ursachen für diesen Trend lieferte die Erhebung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. So gaben Paare beim Thema Ernährung eher an, dass sie regionale und unbehandelte Produkte bevorzugen und auf Fertigprodukte verzichten. Die befragten Männer legten zudem mehr Wert auf biologische und fair gehandelte Lebensmittel, wenn sie in einer Partnerschaft waren. „Das lässt darauf schließen, dass die Ernährung durch eine Partnerschaft vor allem für Männer bewusster und damit wahrscheinlich auch gesünder wird“, sagt Jutta Mata, Erstautorin der Studie. Jedoch heißt das nicht, dass sie allgemein gesünder sind. Denn die Studie zeigt auch, dass Männer in Beziehungen weniger Sport treiben als Alleinstehende. „Schaut man auf den Body-Mass-Index, sind Paare somit nicht in jeder Hinsicht gesünder, wie bisher angenommen“, so Mata.

Originalpublikation:

Higher body mass index, less exercise, but healthier eating in married adults: Nine representative surveys across Europe
Jutta Mata et al.; ScienceDirect, doi: 10.1016/j.socscimed.2015.06.001; 2015

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7 Kommentare:

Gast
Gast

bei den % muss man nur wissen, dass die Muskeln auch dazugehören,
die Klitschkobrüder liegen trotz ihrer Größe bei knapp 30BMI

#7 |
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Gast
Gast

@Lorenz von Haselberg
genauso ist es. Trifft den Punkt.
Mfg
vom weibl. schlanken Hungerhaken, Sex kann auch Sport sein und macht dazu noch Spass.

#6 |
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Diätassistent

Gast# 4, Zitat: „anatomisch bedingt (…) mehr Muskeln, höherer Grundumsatz“
dem kann man gerecht werden indem man seine Kalorienaufnahme anpasst.
Weiteres Zitat: „62 % der Männer sind übergewichtig in D, und “nur” 43 % der Frauen.“ Schande über beide! (auch auf die Gefahr hin, dass es jetzt Kracht, aber das musste sein)

#5 |
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Gast
Gast

Genau, lieber Arzt #3, Frauen sind immer zu fett, es sei denn sie haben sich endlich zum Hungerhaken ausgemergelt! Während die Männer rank und schlank bleiben. Kunststück, ist ja anatomisch bedingt auch easy – mehr Muskeln, höherer Grundumsatz.
Komisch nur, dass Destatis 2014 festgestellt hat: 62 % der Männer sind übergewichtig in D, und “nur” 43 % der Frauen.
Die Ansicht, dass Frauen nur heiraten wollen (um versorgt zu sein?!) ist out. Frauen können für sich selber sorgen.

#4 |
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Arzt
Arzt

[Kommentar von der Redaktion entfernt.]

#3 |
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Diese Gewichtszunahme beruht auf einem Missverständnis. Wenn die Lust bei ihr schwindet, er aber nachts sie zärtlich berührt, murmelt sie: is was? Na und dann geht er halt an den Kühlschrank und isst was.

#2 |
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Gast
Gast

wenn Mutter gut kocht, ist das doch ganz normal.

Lirum, Larum Löffelstiel,
alte Weiber essen viel,
junge müssen fasten.
‘s Brot liegt im Kasten,
‘s Messer liegt daneben,
ei welch’ ein lustig Leben!

#1 |
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