Lebenserwartung: Prognose-Score liefert Indizien

1. Juli 2015
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Ein neuer Risiko-Score soll die Lebenserwartung von Krankenhauspatienten innerhalb der nächsten 30 Tage bestimmen. Für die Prognose werden Daten wie Alter, Gewicht, Mobilitätseinschätzung, Essverhalten oder der Allgemeinzustand von Patienten herangezogen.

Das Ziel des PANDORA-Score-Projekts (Patient-And Nutrition-Derived Outcome Risk Assessment) ist es, weltweit eine Karte zu erstellen, in der die Häufigkeit von Mangelernährung, der Ernährungszustand von Patienten sowie die ernährungsrelevanten Versorgungsstrukturen in Krankenhäusern und Pflegeheimen ersichtlich sind. Aktuell sind 59 Länder – davon 32 europäische Staaten – involviert. Das ist die erste konkrete Umsetzung aus dem Projekt „nutritionDay worldwide“, das von Michael Hiesmayr, Leiter der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin gemeinsam mit Karin Schindler an der Medizinischen Universität Wien vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde.

Für die Entwicklung des Scores wurden mehr als 43.000 Patienten-Daten aus 2.480 medizinischen Einrichtungen in 59 Ländern herangezogen und diese mit weiteren 13.000 Patienten-Befragungen validiert. „Bisher wurden rund zwei Millionen Einzeldaten online in 32 Sprachen anonymisiert erfasst“, sagt Michael Hiesmayr.

Online-Risikorechner zum selbst ausfüllen?

Um den Score zu erstellen, werden von den Patienten einfach verfügbare Daten wie Alter, Größe und Gewicht abgefragt. Außerdem werden sie um eine persönliche Einschätzung ihrer Mobilität und ihres Essverhaltens – sowie ihres Allgemeinzustands gebeten. Mit Hilfe eines gewichteten Punktesystems lässt sich daraus ein genereller Risikoscore erstellen, der im Spital zur Qualitätssicherung, für Studien und für Zwecke der Evaluation – etwa ob man speziellen Risikogruppen spezielle Aufmerksamkeit widmen muss – herangezogen werden kann, „aber auch, um Indizien für eine möglicherweise noch nicht erkannte Hintergrunderkrankung oder andere Problemstellungen zu erhalten“, so Hiesmayr. „Denkbar ist zukünftig sogar, einen Online-Risikorechner zu entwickeln, den der Betroffene, sofern er gut dazu in der Lage ist, selbst ausfüllt. Die Ergebnisse könnten künftig auch in die Patientenakten einfließen. Derzeit ist der Score ein Werkzeug, um die Schwere einer Erkrankung besser zu beschreiben und in Zahlen gießen zu können.“

Mangelernährung erhöht Mortalität

Die über die Jahre am „nutritionDay“ erhobenen Daten zeigen, dass ein mit der Krankheit assoziierter Gewichtsverlust im Krankenhaus die Mortalität erhöht. „Die meisten kommen bereits mit einem bestehenden Ernährungsproblem ins Spital“, sagt Hiesmayr. Der „nutritionDay“ wurde als weltweite Aktion gegen Mangelernährung nach einer Resolution im Europarat ins Leben gerufen und findet jährlich statt. Der nächste „nutritionDay“ findet am 19. November 2015 statt.

Die Resolution basiert auf dem Wissen, dass 15 bis 40 Prozent aller hospitalisierten Patienten mangelernährt sind, Mangelernährung häufig wenig beachtet wird und daher eine weitere Verschlechterung des Allgemeinzustands eintreten kann. Karin Schindler: „In vielen Stationen ist es jetzt schon gelungen, Routinen auf Basis dieser Zahlen anzupassen, Ernährungsrisiken bereits bei der Aufnahme zu erfassen, die gegessene Menge an Nahrung zu überwachen und den Ernährungszustand und einen Therapieplan im Entlassungsbrief anzugeben.“

Originalpublikation:

The Patient- And Nutrition-Derived Outcome Risk Assessment score (PANDORA): development of a simple predictive risk score for 30-day in-hospital mortality based on demographics, clinical observation, and nutrition
Michael Hiesmayr et al.; PloS One, doi: 10.1371/journal.pone.0127316; 2015

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1 Kommentar:

Arzt
Arzt

Das ist nichts neues für solche Institutionen, kein Kompliment.

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