Heidelbeeren: Farbstoffe hemmen Enzym

8. Januar 2009
Teilen

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen ein Enzym, das bei Entzündungen eine Schlüsselrolle spielt. Das haben Forscher der Uni Würzburg herausgefunden. Ihre Ergebnisse sind möglicherweise für die Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen von Bedeutung.

“Viele Menschen, die an entzündlichen Darmbeschwerden leiden, fühlen sich besser, wenn sie größere Mengen Heidelbeeren essen”, sagt Bastian Knaup. Was könnte das wirksame Element in den Beeren sein? Dieser Frage ist der Würzburger Lebensmittelchemiker in seiner Doktorarbeit nachgegangen. Dabei hatte er spezielle Farbstoffe im Blick: die so genannten Anthocyane, denen die Heidelbeeren ihre intensive Färbung verdanken.

Ergebnisse sind veröffentlicht

In der Fachzeitschrift Molecular Nutrition & Food Research hat Bastian Knaup die Ergebnisse jetzt gemeinsam mit Anett Oehme und mit seinen Betreuern Professor Peter Schreier und Anagnostis Valotis veröffentlicht. Im Laborversuch hemmen die Farbstoffe aus Heidelbeeren das Enzym Lipoxygenase unterschiedlich deutlich. Dieses Enzym spielt bei Entzündungsprozessen eine wichtige Rolle. Besonders stark wird es von dem Farbstoff Delphinidin unterdrückt, der für diesen Effekt mit jeweils einem Molekül der Zucker Glucose oder Galactose verknüpft sein muss. “Auf diesem Weg könnten die Anthocyane eine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten”, meinen die Würzburger Lebensmittelchemiker. Das folgern sie aus ihren Laborversuchen; direkt am Menschen ist ihre Vermutung aber noch nicht bewiesen. Dennoch halten sie es für möglich, dass ihre Erkenntnisse einen vielversprechenden Ansatz für die Medizin bergen – zur Prävention und Therapie entzündlicher Darmerkrankungen wie zum Beispiel Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Farbstoffe im Darm wenig stabil

Bastian Knaup hat bei seiner Doktorarbeit auch nachgewiesen, dass die Farbstoffe der Heidelbeeren im Darm sehr unterschiedlich stabil sind – abhängig von ihrer chemischen Struktur. Gerade auch der Farbstoff, der das Enzym Lipoxygenase am stärksten hemmt, hat sich als nicht sonderlich beständig erwiesen. Zusätzliche Studien sind also nötig. In der Würzburger Lebensmittelchemie untersuchen nun weitere Doktoranden, wie sich die interessanten Stoffe aus Heidelbeeren stabiler machen lassen. Die hemmende Wirkung auf das Enzym Lipoxygenase dürfen die Stoffe dadurch natürlich nicht verlieren. Diese Arbeiten gehören zu einem größeren Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert wird. Mehrere Universitäten und Industriepartner untersuchen dabei den Einfluss pflanzlicher Inhaltsstoffe auf den Menschen.

0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

11 Kommentare:

Wenn du Neues wissen willst, lies alte Bücher ….

#11 |
  0
Werner  Kremer
Werner Kremer

Habe jahrzehnte Heidelbeeren im Wald gesucht und
frisch gegessen. Was ist aber mit dem sogenannten
Fuchsbandwurm – davor wird immer gewarnt – dass
man keine Waldheidelbeeren essen soll ?? Kann mir
jemand Auskunft geben.

#10 |
  0
Markus Götz
Markus Götz

Naja ich setze in meiner Naturheilpraxis schon lange Schwarz- (Heidel)beeren ein. Ist ja in der Phytotherapie auch kein großes Geheimnis, dass Schwarz- (Heidel)beeren bei Darmerkrankungen helfen.
So könnten sich die Krankenkassen auch was sparen,
Schwarz- (Heidel)beeren gibt es umsonst im Wald.
Aber brauche wie hoch soll die Rezeptgebühr für einen Schwarzbeerkuchen in der Apotheke sein???

#9 |
  0

Das Problem sind doch alle möglichen Regelungen (z.B. Gesetze und Vorschriften) die dem Menschen nützen sollen, letztendlich aber so differente Sichtweisen erzeugen unter z.B. Medizinern und Nicht-Medizinern. Sicher wissen die meisten Menschen von den Heilkräften der Heidelbeere, aber wie genau der Mechanismus ist und wie man diesen entziffert sinnvoll an weiteren Stellen einsetzen kann, darum geht doch die Froschung. Nicht um Geld, dass man nicht mit ihnen verdient!

#8 |
  0
Detlef Endres
Detlef Endres

Schon unsere Großmutter gab uns Kinder( 1941 ) Heidelbeeren ,frisch oder im Winter aus dem Glas, bei Durchfall.Beimeinen Kindern hatte ich gute Ergebnisse mit getrockneten Heidelbeeren.

#7 |
  0
Heilpraktiker

Es kommt mir vor wie Fasching. Die Akupunktur wird in Frage gestellt, auf einmal sind plötzlich Forschungsergebnisse da und die Mediziner sind von der Wirkung überzeugt. Scheint wohl im medizinischen Bereich, daß mittel nur auf Placebowirkung einer Studie wirken ansonsten ist es nur “Aberglaube”. Hier ebenso. Schön daß so einige aus einem Steinzeitbewußtsein erwachen, sobald eine Studie vorliegt. Hier ist der Beweis, daß die alten Naturheilweisen recht hatten. Schade nur daß die ärztegläubigen Patienten unter der Ungläubigkeit und Wissenschafthörigkeit der Mediziner leiden. So könnten sich einige preiswert Heilmittel besorgen. Aber daran vierdient ja die Pharmozie nicht. Ich hoffe daß die Menschen heutzutage eigene Wege zur Heilung suchen, auch wenn die Medizin nicht daran glaubt, wenn keine Studien vorliegen. Wer heilt hat Recht.

#6 |
  0

Wirklich “fortschrittlich” die heutigen Forscher!
Selbst der einfache Landwirt wusste es schon längst:
Haben die Rindviecher Durchfall, muss man ihnen Heidelbeeren, incl. Blätter, füttern.
Viel Erfolg beim Forschen!
Matthias-Georg Kratofiel
Ernährungsmediziner,
Hattingen

#5 |
  0
Mitarbeiterin von DocCheck

die wirkung der heidelbeere als hilfsmittel zur augenheilkunde,nachtblindheit ist seit 1938 von england schon bekannt.Leider noch nicht in klinischen test annerkannt.naturheilkunde ist leider noch nicht genug erforscht,da man damit keine patente oder viel geld machen kan.hoffentlich kommt es bald soweit,den es ist billiger als chemi.

#4 |
  0
Tierärztin

Ich kann den eifrigen Wissenschaftlern noch eine kleine Anregung aus der Empirie geben: Ich weiss von zwei Kindern in unserem Dorf, die nach dem Krieg praktisch mit Heidelbeersaft aufgezogen wurden. Der Saft wirkte deutlich besser als die frischen Beeren. über die Galenik des Saftes ist nur bekannt, dass er keinen Zucker enthielt, da zumindest ein Kind keinen vertrug. Vielleicht kürzt dieser Hinweis die Suche nach der richtigen Konservierungsmethode ja ab.Und noch was: nach rd 5 Jahren waren die Kinder beschwerdefrei….na wenn das mal kein Erfolg der modernen Wissenschaft war?

#3 |
  0
Rainer Ecker
Rainer Ecker

Ja – die Schulmediziner müssen immer erst teuere und aufwändige Studien betreiben nach denen sie dann evtl. eine Wirksamkeit nachweisen oder auch nicht…. In der Naturheilkunde ist die Tatsache, dass Heidelbeeren sich positiv auf Magen- und Darmerkrankungen auswirken schon lange bekannt! Aber lieber spät als gar nicht ;-)

#2 |
  0
Toxikologin

Das wissen die in den USA doch schon lange!!! Lebe schon mehrere Jahre hier in Amerika und da ist diese “news” wirklich nichts Neues….!

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: