K.O. für Helicobacter pylori

25. Februar 2011
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Mit einer neuen Therapie ist es möglich, das Magenbakterium Helicobacter pylori auch dann noch zu beseitigen, wenn es gegenüber dem Antibiotikum Clarithromycin resistent ist.

Helicobacter pylori (H.p.) ist ein Krankheitserreger, der sich in der Magenschleimhaut einnistet und dort zu Entzündungen führt. Dabei produziert er Stoffe, die das Risiko für Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm sowie für Magenkrebs erhöhen. Es wird geschätzt, das altersabhängig bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland den Keim in sich tragen. In Entwicklungsländern mit geringeren hygienischen Standards und schlechter Gesundheitsversorgung sind es bis zu 80 Prozent. In den Industriestaaten konnte die Zahl der H.p.-Infektionen in den vergangenen Jahren durch eine verbesserte Hygiene und bessere therapeutische Möglichkeiten deutlich gesenkt werden.

Zunahme von Resistenzen gegenüber Clarithromycin

Die standardmäßige Eradikation von H.p. besteht derzeit aus einer Kombination von drei Medikamenten – eines Protonenpumpenhemmers und zwei Antibiotika (Amoxicillin und Clarithromycin). Die sogenannte Tripel-Therapie muss sieben Tage lang durchgeführt werden, damit der bakterielle Krankheitserreger vollständig aus dem Magen entfernt wird. In jüngster Zeit beobachten Gastroenterologen in Teilen der Welt eine Zunahme von Resistenzen vor allem gegenüber dem Antibiotikum Clarithromycin, das ein wichtiger Baustein der Tripel-Therapie zur H.p.-Eradikation ist. Der Grund für die vermehrte Resistenz liegt vor allem in der häufigen Anwendung der Antibiotika als Monotherapien bei Infektionen, beispielsweise an den oberen Atmungsorganen.

Neuartige Galenik mit drei Wirkstoffen

In einer multizentrischen, internationalen und randomisiert kontrollierten open-label Studie mit 440 Männern und Frauen im Alter von über 18 Jahren, die vor der Behandlung nachweislich Magenschleimhautentzündungen aufwiesen, hatte das Ärzteteam um Professor Dr. Malfertheiner die zu erwartenden Erfolgsraten einer H.p.-Eradikation durch eine herkömmliche Dreifach-Medikamententherapie mit einer alternativen Quadrupel-Therapie verglichen. Letztere bestand in einer zehntägigen Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer (Omeprazol) und einer Medikamenten-Kombination aus Wismutsalz mit den beiden Antibiotika Metronidazol und Tetrazyklin. Die Besonderheit des Medikamentes ist die neuartige Galenik mit den drei Wirkstoffen in einer Kapsel.

Die Mediziner konnten zeigen, dass H.p. bei 80 Prozent der mit der Quadrupel-Therapie behandelten Patienten entfernt wurde. Bei der herkömmlichen Tripel-Therapie waren es dagegen nur 55 Prozent. Es traten nicht mehr Nebenwirkungen auf. „In Regionen mit einer hohen Resistenzrate gegenüber Clarithromycin sollte das Quadrupel-Therapieschema als First-Line-Therapie zur Helicobacter-Eradikation erwogen werden“, schlägt Professor Malfertheiner vor.

Originalpublikation:
Helicobacter pylori eradication with a capsule containing bismuth subcitrate potassium, metronidazole, and tetracycline given with omeprazole versus clarithromycin-based triple therapy: a randomised, open-label, non-inferiority, phase 3 trial

Malfertheiner, Peter et al.; The Lancet
Early Online Publication, 22 February 2011

3 Wertungen (5 ø)
Allgemein

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5 Kommentare:

Horst Rieth
Horst Rieth

unglaublich, der großteil sämtliche arzneimittel hat ihren ursprung in phytotherapeutika und dann gibt es doch tatsache begabte menschen die diesen eine wirkung absprechen wollen.
AUA
Bsp: Schmerzmittel&Fiebersenkung Acetylsalicylsäure (Abkömmling Weidenrindenextract)
Bsp: Malariatherapie Chloroquin (Chinin)Artemisin (Beifuß)
“Diese im Rahmen einer Kombinationstherapie (Artemisinin-based combination therapy) eingesetzten Präparate werden von der WHO als Mittel der ersten Wahl für die Akutbehandlung der Malaria empfohlen.”

#5 |
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Dr. med Karen Awiszus
Dr. med Karen Awiszus

Die Quadrupel-Therapie steht doch als 2nd-line-Therapie in jedem Lehrbuch. Da wird doch sehr der Verdacht erweckt, dass eine Pharmafirma einen neuen Verkaufsschlager positionieren will.
Um ein wenig wissenschaftlich zu bleiben, wäre es wünschenswert gewesen, wenigstens einige Worte zu dieser ominösen “neuartigen Galenik” zu verlieren, die dieses Medikament gegenüber der Einzelgabe so überlegen machen soll.

#4 |
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Dr.med Gert Wiegele
Dr.med Gert Wiegele

die therapie ist wohl nicht so neu,sondern ein alter hut und war schon immer eine der second line-möglichkeiten neu wäre alles in 1 kapsel
und daß phytotherapeutika den h.b- ausrotten kann doch wohl nur wunschdenken sein

#3 |
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“… Heel in Baden-Baden nach. Diese hat vor Jahren eine Triple-Therapie mit drei Phytotherapeutika beschrieben. Erfolgsquote über 80%. Und presiwert dazu. Ich kannnicht sagen, ob noch alle Phytotherapeutika noch im Handel sind, schließlich wird der Handel mit Phytotheraputika restriktiver durchgeführt als der mit Diclofenac.”

Ja, die böse Welt. Will doch tatsächlich einen NACHWEIS der Wirksamkeit. Die 80 Prozent, welch eine grandiose Zahl, deren tatsächlicher Wert wohl eher bei minus null liegen dürfte.

#2 |
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Fragen Sie doch bitte bei der Firma Heel in Baden-Baden nach. Diese hat vor Jahren eine Triple-Therapie mit drei Phytotherapeutika beschrieben. Erfolgsquote über 80%. Und presiwert dazu. Ich kannnicht sagen, ob noch alle Phytotherapeutika noch im Handel sind, schließlich wird der Handel mit Phytotheraputika restriktiver durchgeführt als der mit Diclofenac.

#1 |
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