Herzinfarkt: Stammzelltherapie ohne Effekt

12. April 2012
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Rückschlag für die Hoffnungen, die in den vergangenen Jahren in die Therapie mit Stammzellen zur Regeneration nach einem Herzinfarkt gesetzt worden waren. Die Infarktgröße bildete sich bei nicht mit Stammzellen behandelten Patienten in gleichem Umfang zurück.

Ein positiver Effekt für die Stammzelltherapie mit einkernigen („mononukleären“) Zellen aus dem Knochenmark nach einem Herzinfarkt auf die Pumpfunktion oder das Kammervolumen des Herzens lässt sich nicht nachweisen – weder unmittelbar nach der Therapie, noch nach einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren. Die Infarktgröße bildete sich bei nicht mit Stammzellen behandelten Herzinfarkt-Patienten in gleichem Umfang zurück wie bei Stammzell-Patienten. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Ulm.

In der randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurden 42 Herzinfarkt-Patienten, bei denen nach dem Infarkt erfolgreich eine Stent-Implantation durchgeführt worden war, untersucht. 28 von ihnen erhielten zwischen dem fünften und dem siebenten Tag nach dem Infarkt Stammzellen aus dem Knochenmark. Alle Studienteilnehmer erhielten in den darauffolgenden drei Jahren eine optimale medikamentöse Therapie nach den aktuellen Behandlungs-Leitlinien.

Der Effekt der Stammzelltherapie wurde zu sieben Zeitpunkten mittels Magnetresonanz-Tomografie überprüft. „Bei allen MRT-Untersuchungen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den mit Stammzellen Behandelten und der Placebo-Gruppe“, fasst Prof. Dr. Jochen Wöhrle von der Klinik für Innere Medizin II der Universitätsklinik Ulm zusammen. „Dies galt für die linksventrikuläre Pumpfunktion, das Kammervolumen sowie die Infarktgröße im Verhältnis zur linksventrikulären Muskelmasse. Wir konnten also weder unmittelbar nach der Therapie noch drei Jahre später einen positiven Effekt für die Stammzellentherapie feststellen.“

Originalpublikation:
Results of Intracoronary Stem Cell Therapy After Acute Myocardial Infarction
J. Wöhrle et al.; Am J Cardiol; 2010

1 Wertungen (5 ø)
Kardiologie

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3 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Sehr geehrter Herr Mondry,

vielen Dank für Ihren Hinweis.
Die Verlinkung wurde korrigiert.

Ihr DocCheck News Team

#3 |
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Prof. Dr. med. Björn Brücher
Prof. Dr. med. Björn Brücher

sehr gut Adrian – vielen Dank.

Eine populistische Vermarktung negativer Berichte sollte bitte -wie schon erwähnt – nicht zu solchen Statements führen.

Genau das Gegenteil ist zu fordern: gerade negative Berichte müssen publikatorisch verbreitet werden, damit nicht – wie beim genomic pofiling schon geschehen – Milliarden an unnötige Simultanprojekten verschwendet werden. Eine solche populistische Darstellung resultiert bei den Ediotorials nur in einer ebensolchen negativen Betrachtungsweise, denn auch diese sind nur Menschen.

Kinderschuhe bedeutet nicht, dass es nichts bringt und Unsinn ist.

Eine wesentlich differenziertere Darstellung auch negativer Ergebnisse (die wir uns alle nur wünschen können) sollte eher unser aller Anliegen sein.

Danke

http://www.linkedin.com/in/bruecher

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Dr.med Adrian Mondry
Dr.med Adrian Mondry

Zunaechst einmal stimmt der angegebene link nicht, er fuehrt zu einer ganz anderen Studie (nix mit Stammzellen) des gleichen teams. Der Artikel, der hier zitiert wird, stammt von 2010 aus dem American Journalof Cardiology, Abstrakt erhaeltlich hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20211323.
Auch aus Deutschland war im Jahr zuvor im American Heart Journal eine etwas groessere Studie erschienen, die einen positiven Effekt von Stammzellen zeigte: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19249426
Eine Metaanalyse von ~725 Patienten mit Stammzellinfusion na, erstellt ebenfalls in 2010 und veroeffentlicht in Clinical Cardiology, zeigte wiederum einen positiven Effekt noch mindestens 12 Monate nach Stammzelltransfusion.
Auch eine Uebersichtsarbeit in Future Cardiology, veroeffentlicht 2011, die mehrere Metanalysen bespricht, zeichnet ein positiveres Bild: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21174514
Insgesamt zeigen die Studien, dass die “klassische” konservative Therapie hocheffektiv ist. Die Stammzelltherapie steckt noch in den Kinderschuhen, ist aber vom Konzept her sinnvoll und mag in der Zukunft vielleicht tatsaechlich zur Wiederbelebung von kardialem Narbengewebe fuehren.
Selbst in Suedkorea, wo Stammzelltherapie als Behandlung des Herzinfarktes offiziell zugelassen ist, ist man sich darueber im Klaren, dass wir uns noch in der Forschungsphase befinden: http://www.reuters.com/article/2011/07/07/us-korea-stemcell-idUSTRE76610C20110707

#1 |
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