Zartbitter gegen Herzinfarkt und Schlaganfall

28. Juni 2012
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Eine aktuelle Studie australischer Forscher legt nahe: Menschen mit erhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerten können durch den Verzehr von Zartbitterschokolade Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die Todesursache Nummer eins. Jährlich sterben daran etwa 17,5 Millionen Menschen, das sind nahezu ein Drittel aller Todesfälle. Besonders gefährdet sind Menschen, die unter dem sogenannten Metabolischen Syndrom leiden: Blutdruck, Blutfette und Gewicht sind zu hoch, der Zuckerstoffwechsel gestört. Australische Forscher haben jetzt anhand der Daten von 2013 Patienten mit Metabolischem Syndrom am Computer modelliert, was der Verzehr einer Tafel dunkler Schokolade täglich bewirken könnte: Bei 10 000 Personen ließen sich in einem Zeitraum von zehn Jahren 85 Schlaganfälle oder Herzinfarkte verhindern, von denen 15 tödlich geendet hätten.

Flavonoide als Schutz für Herz und Kreislauf

„Der Kakao in dunkler Schokolade ist besonders reich an Flavonoiden, die für ihre Schutzwirkung auf Herz und Kreislauf bekannt sind“, erläutert DGIM-Generalsekretär Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch aus Kiel. Forscher erklären sich das so: Flavonoide wirken im Körper als Antioxidans, indem sie freie Sauerstoffradikale auffangen, die als zellschädigend gelten.

In den letzten Jahren haben mehrere Studien gezeigt, dass der Verzehr von dunkler Schokolade einen erhöhten Blutdruck senken kann. Mehr noch: Trotz des hohen Fettgehalts wirkt dunkle Schokolade auch günstig auf den Cholesterinwert. Die Effekte sind zwar gering, so Professor Fölsch: „Der Blutdruck sinkt um wenige Millimeter Hg und die Cholesterinwerte werden durch Schokolade allein nicht normalisiert“. Doch auf die Dauer könne der Verzehr einen Beitrag zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten. Am stärksten profitieren Menschen mit einem Metabolischen Syndrom. „Sie sind zwar noch nicht spürbar krank, gehen aber auf Dauer ein erhöhtes Risiko ein, an Diabetes zu erkranken, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden“, sagt der Internist.

Einsparungen für Krankenkassen

Dunkle Schokolade könnte einen Beitrag dazu leisten, diesen Erkrankungen vorzubeugen. Die Forscher haben deshalb auch berechnet, wie viel die Krankenkassen dadurch einsparen würden: Pro Person und Jahr könnten sie umgerechnet 31 Euro für Werbung, Erziehung oder die Subventionierung von dunkler Schokolade ausgeben. Trotzdem sparten sie Geld, weil die Folgekosten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sänken.

„Dies mag nicht nach einem allzu ernst zu nehmendem Ansatz klingen“, sagt Professor Fölsch, „doch es wäre durchaus wünschenswert, wenn die tägliche Schokolade Menschen mit Metabolischem Syndrom motivieren würde, insgesamt weniger Kalorien zu sich zu nehmen und sich mehr zu bewegen.“ Davon abgesehen warnt Professor Fölsch vor Missverständnissen: Die von den meisten Menschen favorisierte Milchschokolade oder weiße Schokolade enthalten kaum oder gar keinen Kakao. Voraussetzung für eine schützende Wirkung ist ein Anteil von mindestens 60 Prozent. Der Kakaogehalt steht auf der Verpackung.

Originalpublikation:
The effectiveness and cost effectiveness of dark chocolate consumption as prevention therapy in people at high risk of cardiovascular disease: best case scenario analysis using a Markov model
Zomer E, Owen A, Magliano DJ, Liew D, Reid CM et al.; BMJ; doi: 10.1136/bmj.e3657; 2012

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Kardiologie

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3 Kommentare:

Monika Geissler
Monika Geissler

Wenn schon Bitterschokolade, dann aber bitte nur BIO und zwar ohne Sojalecithin. Nach einer Untersuchung der Zeitschrift “Ökotest” können bestimmte Bitterschokoladen einen erhöhten Cadmiumgehalt haben, was wiederum zu einer Gesundheitsgefährdung führen kann.

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Ich frage mich immer, was es nützen soll, Lebensmittel mit hohem Schadpotenzial und einem kleinen möglichen Nutzen zu empfehlen, siehe auch Rotwein. Vielleicht bringen es die Forscher (Schokoholiker? Sonstwas-holiker?) einfach nicht über’s Herz, derlei Genussmittel so zu beurteilen, wie es wahrscheinlich richtig wäre: Sie nicht zu sich zu nehmen ist *immer* besser als sie zu konsumieren, in der Hoffnung auf einen kleinen positiven Nebeneffekt.
Wenn die Flavonoide so günstig sind, warum isoliert man sie dann nicht und wird die ganzen gehärteten Fette und den Zucker los? Was ist mit der stopfenden Wirkung, den leeren Kalorien, dem Karies? Ich verstehe das nicht und finde diese Aussagen besonders im Hinblick auf die angeblichen gesundheitsfördernden Effekte alkoholischer Getränke doch eher bedenklich.

#2 |
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Lutz Kraushaar
Lutz Kraushaar

Bei dieser Studie handelt es sich um ein Computermodell, das die Erkenntnisse aus 13 Interventionsstudien in einer theoretischen Population simuliert. Keine der Studien dauerte länger als 18 Wochen. Das heisst unter Anderem, dass die Korrelation zwischen Flavanolen (Flavonoide des Kakao) und harten klinischen Endpunkten erst noch erbracht werden muss. Dazu gibt es bislang keine Studien. Computersimulationen sind kein Ersatz dafür. Auch waren die Effekte des Schokoladekonsums auf Blutdruck (-5mmHg syst) und auf Gesamtcholesterin (-8mg/dl) so gering, dass die simulierte Reduktion der Endpunkte in Zweifel gezogen werden darf. Ein Blogbeitrag (http://drlutz.blogspot.com) zu dieser Studie gibt weiteren Aufschluss über die Unzulänglichkeit der Schlussfolgerungen, die in diesem Beitrag vorgestellt werden.

#1 |
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