Adipositas: Neue Erbanlagen entdeckt

19. April 2012
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Übergewicht hat viele Ursachen. Ob jemand übergewichtig wird, bestimmen dabei zu mehr als 50 Prozent die Erbanlagen. Knapp drei Dutzend Gene, die das Körpergewicht regulieren, sind schon bekannt. Forscher haben nun zwei neue Erbanlagen entdeckt.

Die Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben zunächst die frühe Adipositas untersucht. Dabei flossen genetische Daten von 5.530 adipösen Kindern und Jugendlichen und von 8.318 normalgewichtigen Kontrollen aus 14 nationalen Studien ein. „Später stellt sich heraus, dass die entdeckten Erbanlagen auch bei Erwachsenen dazu führen, dass sie zu viele Kilos auf die Waage bringen“, erklärt Privatdozentin Dr. Anke Hinney.

Die Molekulargenetikerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters ist mit Klinikdirektor Prof. Dr. Johannes Hebebrand und Dr. André Scherag vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie den gewichtigen Erbanlagen auf der Spur. Die neuen Varianten tragen sperrige Namen: Die erste, rs9568856, liegt in der Nähe des Gens OLFM4, Nummer zwei, rs9299, nahe des Gens HOXB5.

Deutlicher Überlebensvorteil in schlechten Zeiten

Dass es sie gibt, hat nicht nur Nachteile. Die Natur war schlau, stellt Hinney klar: „Die gefundenen Erbgutvarianten sind in schlechten Zeiten ein deutlicher Überlebensvorteil, da die wenigen verfügbaren Kalorien gut verwertet werden können.“ Von den Lebensumständen hängt so einiges ab. „Man legt erst stark an Gewicht zu, wenn weitere Genvarianten im Spiel sind und wenn äußere Faktoren hinzukommen, etwa hochkalorische Ernährung und mangelnde Bewegung“, sagt Dr. André Scherag.

Was haben nun adipöse Menschen davon, dass immer mehr Genvarianten entdeckt werden? „An die Entschlüsselung der biologischen Mechanismen knüpfen wir die Hoffnung, Therapien für Menschen mit Übergewicht verbessern zu können“, sagt Professor Hebebrand. Er koordiniert auch das Adipositas-Netz, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Es ist in der Forschung aber wie beim Abnehmen: Es geht in kleinen Schritten vorwärts.

Originalpublikation:
A genome-wide association meta-analysis identifies new childhood obesity loci
Johannes Hebebrand et al.; Nat Genet., doi: 10.1038/ng.22472012; 2012

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5 Kommentare:

Dipl.-Ing. Christine Karrasch
Dipl.-Ing. Christine Karrasch

Ich arbeite inzwischen psychotherapeutisch und habe vor fast 30 Jahren noch als Architektin und Stadtplanerin gearbeitet und zusammen mit anderen Architektinnen dringend vor den absehbaren Folgen einer verfehlten Stadtplanung gewarnt, die dazu geführt hat, dass Kinder nicht mehr gefahrlos alleine draußen spielen können, weil die Verkehrs- und Stadtplanung auf ihre Expansions- und Bewegungsbedürfnisse nicht genügend achtet. Das ist zumindest ein Faktor, warum Kinder heutzutage immer weniger draußen sind: die bauliche Umwelt hat sich stark verändert. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle, aber leider wirken doch inzwischen viele Faktoren problemverstärkend zusammen.

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Lutz Kraushaar
Lutz Kraushaar

Zu dem Kommentar von Herrn Reske passt dann doch auch dieser Video hier: http://bit.ly/kalorienkartell

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Dirk Reske
Dirk Reske

Danke für den Artikel, ist er doch Wasser auf meine Mühle. Jetzt weiß ich das ich nichts dafür kann, außer dem Auseinandergehn habe ich noch mehrere Gene in mir für die ich nicht verantwortlich bin. Mein erworbener Diabetes und der vermeindliche Bluthochdruck sind ja nur Begleiterscheinungen, gut ich habe mit dem rauchen aufgehört also einen Risikofaktor ausgemerzt. Fakt ist aber ein großer Teil dieser Gesellschaft ist zu fett, und dank der Werbeindustrie sind immer mehr Kinder betroffen, aber auch dafür wird es bald im Fernsehen eine neue Sendung geben. Wir sind nicht mehr auf der Flucht, die Suggestion der Industrie unmengen an ungesundem in uns reinzustopfen wird nicht aufhören, folgen wird das Tochterunternehmen dass dann die Pillen anbietet um diesen miserablen Gesundheitszustand wieder einigermaßen ins Lot zu bringen. Wenn Kleinkinder weiter in jungen Jahren in ihrem Bewegungsdrang einschränkt werden in dem man ihnen Hallenspielplätze mit klimatisierter Luft und angeschlossenem Fastfoodrestaurant als das einzig wahre Spielvergnügen vorsetzt, MC Geburtsatgfeiern als Zielsetzung anstrebt, dann darf man sich nicht wundern wenn der kleine Fettklops in der ersten Klasse vom Stuhl fällt. ( Übrigens sitze ich im Glashaus, werfe aber bewußt die Steine um für die Zukunft etwas zu verändern)

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Lutz Kraushaar
Lutz Kraushaar

Vom Genotyp zum Phenotyp ist es ein langer Weg. Ob und wie Gene auf diesem Weg exprimiert werden, hängt eben auch von Verhalten und Umwelt ab. Und dass gerade unser Essverhalten nicht (nur) von freiem Willen und Vernunft gesteuert wird, ist ein Fakt, der wohl den Verhaltensbiologen bekannt ist, vor dem aber unser Gesundheitswesen seine Augen verschließt. Dazu mehr hier http://bit.ly/drlutz_suchtaufsüss

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Krankenpflegehelfer

Wer denkt eigentlich an die Gruppe von Menschen die ger zunehmen wollen, es aber trotz mehr als ausreichend Kalorienzufuhr nicht hin bekommen? Das kann genauso eine Strafe sein!

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