Rauchen während der Schwangerschaft

19. Juli 2011
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Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, einen niedrigeren Wert des HDL-Cholesterins aufweisen. Dieses Cholesterin gilt als gesund, da es im späteren Leben vor Herzerkrankungen schützen soll.

Im Alter von acht Jahren wiesen die Kinder rauchender Mütter einen HDL-Cholesterinspiegel von 1,3 Millimol pro Liter (mmol/l) auf. Im Vergleich dazu konnte man bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht hatten, einen normalen Wert von 1,5 mmol/l feststellen. Diese Beobachtung machten die Forscher unabhängig davon, ob die Kinder nach der Geburt Zigarettenrauch ausgesetzt waren, was darauf hindeutet, dass der Kontakt im Mutterleib den größten Einfluss auf die spätere Entwicklung hat.

Vielfache negative Auswirkungen

Die Untersuchung wurde von David Celermajer, Scandrett Professor der Kardiologie an der University of Sydney, geleitet. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Rauchen die Entwicklung des Kindes im Mutterleib in vielfacher Weise negativ beeinflusst. Diese Negativbeeinflussung scheint mindestens acht Jahre lang anzudauern – wenn nicht sogar länger – und kann im späteren Leben durchaus zu einem erhöhten Herzinfarkt– und Schlaganfallrisiko führen“, sagte Professor Celermajer.

Zusammen mit seinen Kollegen untersuchte er die Auswirkungen von Rauchen während der Schwangerschaft auf die Arterienwanddicke und auf die Lipoproteinwerte bei 405 gesunden achtjährigen Jungen, die zwischen 1997 und 1999 geboren wurden. Die Forscher erhoben Daten vor und nach der Geburt und berücksichtigten dabei die Rauchgewohnheiten der Mütter vor und nach der Schwangerschaft, Passivrauchen in der Kindheit sowie Größe, Gewicht, Taillenumfang und Blutdruck der Kinder. Außerdem wurden Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um die Arterienwanddicke zu messen. Von insgesamt 328 Kindern wurden Blutproben entnommen, um ihre Lipoproteinwerte zu bestimmen.

Schlechte Cholesterinwerte schon im Kindsalter

Während sich Rauchen nicht auf die Arterienwanddicke der Kinder auswirkte, konnte die Abweichung des HDL-Cholesterinwertes von etwa 0,15 mmol/l auf die Rauchgewohnheiten der Mütter zurückgeführt werden. Dieser Zusammenhang blieb auch nach der Bereinigung der Daten um Faktoren wie Passivrauchen nach der Geburt, Stillzeit, Bewegungsmangel und Body Mass Index bestehen.

Die Forscher sind sich darüber einig, dass sich ein niedrigerer HDL-Cholesterinspiegel in diesem Alter äußerst negativ auf den späteren Gesundheitszustand auswirken kann. Professor Celermajer zufolge führen schlechte Cholesterinwerte im Kindesalter auch zu schlechten Werten im Erwachsenenalter.

Untersuchungen haben ergeben, dass eine Erhöhung des HDL-Cholesterinspiegels um 0.025 mmol/l das Risiko einer Herzerkrankung bereits um etwa 2 bis 3 Prozent verringert. „Deshalb können wir davon ausgehen, dass die Abweichung von 0.15 mmol/l bei Kindern rauchender Mütter in einem 10 bis 15 Prozent höheren Risiko einer Herzerkrankung resultieren könnte. Das sind natürlich nur Schätzungen, aber die genauesten, die uns bislang vorliegen. Kinder rauchender Mütter sollten außerdem Bluthochdruck, erhöhte LDL-Cholesterinwerte und Aktivrauchen vermeiden, da diese Faktoren das Risiko einer Herzerkrankung grundsätzlich erhöhen. HDL-Cholesterinwerte können nur durch regelmäßigen Sport und durch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie Niacin, erhöht werden.“

„Wir werden die untersuchten Kinder auf lange Sicht begleiten müssen, um festzustellen, ob sie auch weiterhin einen niedrigen HDL-Cholesterinspiegel aufweisen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Gesundheit der Kinder tatsächlich dauerhaft beeinträchtigt ist.

„Es ist von Vorteil, diese Untersuchungen an achtjährigen Kindern durchzuführen, denn somit können weitere Risikofaktoren, wie Übergewicht und Diabetes, die auch zu einem niedrigen HDL-Cholesterinspiegel führen, ausgeschlossen werden. Dadurch können wir auf eine mehr oder weniger direkte Auswirkung von Rauchen auf die HDL-Cholesterinwerte schließen“, sagte Professor Celermajer.

Originalpublikation:
Maternal cigarette smoking is associated with reduced high-density lipoprotein cholesterol in healthy 8-year-old children
Julian G. Ayer et al.; European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehr174; 2011

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7 Kommentare:

Dr. med. dent. Winfried Zeppenfeld
Dr. med. dent. Winfried Zeppenfeld

Hardcore-Raucher sind rationalen Argumenten eh nicht zugänglich….Den Vogel schoss eine schwangere, weiterhin rauchende Hebamme ab, die uns erklärte, sie rauche ganz bewusst weiter, weil das Kind dann kleiner sei und sie es bei der Geburt dadurch einfacher habe.

#7 |
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Mitarbeiterin von DocCheck

Liebe Leser,
vielen Dank für den Hinweis auf die missverständliche Formulierung. Wir haben eine entsprechende Änderung vorgenommen.

Ihr DocCheck News Team

#6 |
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Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich
Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich

Rauchen vor, während und nach der Schwangerschaft halte ich für Kindesmisshandlung. Nicht zufällig wurden 2004 Tabakwaren aus dem Geltungsbereich des alten Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG) herausgenommen, da diese mit Einführung des neuen Lebens- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) in Europa sofort hätten verboten werden müssen. Wie bereits von Anderen gesagt: Der einführende Satz muss dringend geändert werden.

#5 |
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Naturwissenschaftlerin

Die Studienergebnisse sind zwar interessant, dennoch halte ich es für unverantwortlich, Studien zum Thema “Rauchen in der Schwangerschaft” durchzuführen. Es ist ja wirklich hinreichend bekannt, dass Rauchen in der Schwangerschaft schädlich ist. Womöglich haben die teilnehmenden rauchenden Mütter auch noch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun???

#4 |
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Dr. med. Heidi Lüdi
Dr. med. Heidi Lüdi

Ziemlich missverständlicher Einstiegstext zu “Rauchen und HDL”. Sprechen Sie deutsch????
Heidi Lüdi

#3 |
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Richtig,
bitte sofort den ersten Abschnitt KORRIGIEREN!!!

#2 |
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Guter Artikel. Nur die Einleitung ist verwirrend, da hier der Eindruck entsteht, dass nicht das HDL-Cholesterin, sondern dessen niedriger Wert gesund sei. Im weiteren Text klärt sich dieses Missverständnis auf.
Schade, dass auch dieses weitere Indiz für die hohe Kindesgefährdung durch den Nikotinabusus der Schwangeren wieder nicht die Ohren jener ignoranten, werdenden Mütter finden wird, für die die eigene Suchtbefriedigung erste Priorität hat.

#1 |
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