Duschköpfe sind Brutstätten für Bakterien

10. Februar 2010
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Bakterien lieben Duschköpfe. In der warm-feuchten Umgebung im Inneren der Brausen können sich Biofilme bilden, in denen sich Bakterien konzentrieren, berichten Wissenschaftler in den «Proceedings» der amerikanischen Akademie der Wissenschaften.

Norman Pace und seine Mitarbeiter von der Universität Colorado in Boulder (USA) hatten 45 Duschköpfe untersucht. 30 Prozent enthielten demnach deutliche Mengen des Erregers Mycobacterium avium, der vor allem bei Menschen mit schwachem Immunsystem zu Lungenerkrankungen führen kann, erläuterte Pace in einer Mitteilung der Universität. Er warnte davor, das erste Wasser aus der Dusche direkt ins Gesicht zu spritzen. «Man bekommt wahrscheinlich eine besonders große Ladung Mycobacterium avium ab, die nicht allzu gesund sein dürfte.»

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen legte das Team keine Kulturen an, sondern untersuchte die Menge und Art der Bakterien in den Biofilmen direkt mit Hilfe von Gensequenzen und verglich die Zusammensetzung der Bakterien-Gemeinschaften mit der im Wasser der jeweiligen Orte. Dabei stellte es fest, dass in den Duschköpfen eine reiche Gemeinschaft «opportunistischer Bakterienarten» nistet. Das sind Bakterien, die bereits erkrankte Menschen befallen.

Es ist laut Pace nicht leicht, die Bakterien zu bekämpfen. In Denver sei ein mit dem Mycobacterium gordonae befallener Duschkopf mittels Bleichmittel gereinigt worden. Tests einige Monate später zeigten, dass diese Reinigung zu einer dreifach erhöhten Bakterienmenge geführt habe, was darauf hindeute, dass solche Bakterien generell gegen Chlor resistent seien.

Die fein zerstäubten Wassertropfen aus Duschköpfen könnten leicht Keime in die Lungen empfindlicher Menschen übertragen. Es ist aber noch unbekannt, wie groß das Infektionsrisiko durch das an den Bakterienkulturen vorbeiströmende Wasser sei. Dies müsse dringend untersucht werden, schreiben die Forscher. Ist Duschen nun gefährlich? «Sicherlich nicht, wenn Ihr Immunsystem nicht auf irgendeine Art und Weise geschwächt ist», sagte Pace. «Aber es ist wie bei allen Dingen – es beinhaltet ein Risiko.» Da Plastik-Duschköpfe offensichtlich mit mehr Bakterien besiedelt seien, seien solche aus Metall wahrscheinlich eine gute Alternative.

(Fachartikelnummer: DOI 10.1073/pnas.0908446106)

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5 Kommentare:

Herr Robert Pinzger
Herr Robert Pinzger

Hallo habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, dass das Wasser im Duschkopf das Lebensmileu der Bakterien ist. Verbessert die Qualität des Wassers und die Bakterien verschwinden von alleine. So lange man Wasser als Lebensträger nur als einfaches H2O Molekül ansieht wird sich auf der Erde nichts ändern. Das Mileu entscheidet über Gesundheit oder Krankheit, nicht die Bakterie!!!

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Ernst Wirz
Ernst Wirz

Es ist ja bekannt,dass die sogenannte Legionärkrankheit aus den Dusch oder Brauseköpfen kommen kann.

#4 |
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Heilpraktikerin

vielleicht sollte man auf Duschen verzichten, während man sich von einer Infektion erholt ? Dann lieber baden ?

#3 |
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@2: Da muss ich die BILD-Zeitung journalistisch in Schutz nehmen. Ohne BILD würden uns so kongeniale Headlines wie “Wir sind Papst” oder (wie neulich nach dem Kanzler-Duell) “Yes, we gähn” fehlen. Im übrigen handelt es sich bei dem Artikel – wie aus der Quellenangabe ersichtlich – um eine Originalmeldung der deutschen Presseagentur (dpa).

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Dr. med. Peter Huhle
Dr. med. Peter Huhle

Ein sehr interessanter Gesichtspunkt, der auch in Krankenhäusern bis dato kaum Beachtung findet.

#1 |
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