Fruktose: Stimulationsflaute bläst Belohnung ab

26. Juni 2015
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Nach dem Konsum von Fruktose steigen im Vergleich zur Glukose die Sättigungshormone im Blut kaum an. Auch gelingt es ihr weniger gut, Hippocampus und Amygdala zu stimulieren. Ein erhöhter Fruktose-Konsum könnte die Folge sein, gefährliche Erkrankungen drohen.

Trotz ihrer ähnlichen Struktur wirken Fruktose und Glukose auf den Körper ganz unterschiedlich: Die Einnahme von Glukose führt innerhalb von Minuten zu einem starken Anstieg vom Insulin im Blut, während die Fruktose die Insulinausschüttung nur wenig stimuliert.

fMRT ist Zuckerarten-Wechselwirkung auf der Spur

Die unterschiedlichen Wechselwirkungen der beiden Zuckerarten zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn haben nun Forscher um Prof. Dr. med. Christoph Beglinger vom Universitätsspital Basel und Prof. Dr. med. Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel genauer untersucht. Die Wissenschaftler benutzten dabei kombinierte pharmakologische und bildgebende Methoden wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT).

In der placebokontrollierten Doppelblind-Studie erhielten zwölf gesunde, junge Männer mittels einer Magensonde je einmal Fruktose, Glukose und Placebo verabreicht. Den Probanden wurden darauf Blutproben zur Bestimmung von Sättigungshormonen entnommen, sie wurden nach ihrem Sättigungsgefühl befragt und mittels einer fMRT wurde ihre Gehirnaktivität im Ruhezustand untersucht.

Deutliche Unterschiede bei der Netzwerkaktivierung

Ergebnis der Pilotstudie: Fruktose ist im Vergleich zu Glukose weniger gut in der Lage, Sättigungsgefühle hervorzurufen und die Belohnungssysteme im Gehirn zu stimulieren. Die Auswertung der fMRTs zeigte nämlich, dass sich die beiden Zuckerarten in der Netzwerkaktivierung innerhalb des limbischen Systems mit Hippocampus und Amygdala deutlich unterscheiden.

Zudem stiegen die Sättigungshormone im Blut nach dem Fruktosekonsum kaum bis wenig an – im Gegensatz zur Glukose, die ein starkes Signal hervorrief. Das subjektive Sättigungsgefühl war tendenziell ebenfalls weniger von der Einnahme von Fruktose beeinflusst.

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Im Belohnungssystem im Gehirn sind die Unterschiede zwischen dem Placebo (oben) und den zwei Zuckerarten Glukose (Mitte) und Fruktose (unten) deutlich zu erkennen, wie das fMRT-Bild zeigt. © Universität Basel, Departement Biomedizin

Probleme mit der Fruktose

„Die Studie könnte erste wichtige Hinweise über die fehlenden sättigenden und belohnenden Effekte von Fruktose liefern“, sagen die Erstautorinnen Dr. Bettina Wölnerhanssen und Dr. Anne Christin Meyer-Gerspach. Wieweit dabei der unterschiedliche Insulinspiegel oder andere Einflüsse eine Rolle spielen, müssten weitere Untersuchungen mit mehr Probanden zeigen.

Originalpublikation:

Dissociable Behavioral, Physiological and Neural Effects of Acute Glucose and Fructose Ingestion: A Pilot Study
Bettina Wölnerhanssen et al.; Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0130280; 2015

22 Wertungen (4.18 ø)

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7 Kommentare:

Arzt
Arzt

Welche merkwürdigen Umwege man mit dem Beitrag hier betreibt um die bekannte (dosisabhängige) Toxizität von Fruktose zu konstatieren.

Seit wann macht den bitte Zucker “satt”, das wäre ja das allerneuste.
Fett macht mehr satt und Eiweiß noch mehr, alles bezogen auf den Kaloriengehalt.
Was Fruktose für “das Gehirn” von Glukose unterscheidet, ist die höhere “Süßkraft”,
deshalb lieben das “die Amerikaner” (CocaCola etc.).

#7 |
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PTA
PTA

Die beste Beratung in der Apotheke nützt auch nichts, wenn die Leute sich gleich beleidigt fühlen und “kein Bock” haben – es muss auch Eigeninitiative kommen, die eben auch unangenehm sein kann.

Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind übrigens wichtig, egal in welcher Hinsicht. Man will schließlich den Organismus in all seinen Facetten verstehen… egal ob es “nur” banale Erkenntnisse oder Quantensprünge sind.

#6 |
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Diätassistent

Es ist auch nichts neues, dass es die Industrie mit ihren Kreationen immer wieder schafft, ihre Kunden zu „Fressmaschinen“ zu machen ein Bombengeschäft.

Aufklärung tut Not, ein Teil dieser Problematik ist, dass man bei diesem gewichtigen Thema schnell Gefahr läuft als Diskriminierer beschimpft zu werden, besonders dann wenn man von einer Mitverantwortung bei Übergewicht spricht. (Mundtotmachung)

#5 |
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Gast
Gast

Warum so kompliziert,
es ist doch nichts neues, dass Fuktose erheblich gefährlicher ist als Glukose.

#4 |
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Gast
Gast

Es kann nicht sein, dass uns “Mutter Natur” bestraft, wenn wir Früchte essen; anderst ist es hingegen, wenn der Mensch die Fruktose aus den Früchten isoliert und daher im Übermaß konsumiert!!!!
Wie bereits vom Vorschreiber auf den Punkt gebracht: es ist alles eine Frage des Maßes bzw. von Angebot und Nachfrage !

#3 |
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Gast
Gast

Kaum zu glauben. Fast jeden Tag kommen neue Erkenntnisse über was dick macht oder auch nicht. Ob Glukose, Fruktose, Eiweiß, Fett oder alles und gar nichts besser oder schlechter wäre um sein Gewicht zu halten. Alles hatte bisher null Effekt, ganz im Gegentei. Die halbe Welt ist zunehmend übergewichtig und zunehmend versuchen alle Betroffenen irgendwie Gewicht abzunehmen möglichst ohne Kalorienanpassung, ganz nach den Prinzip ” wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”. Es bleibt die klare Botschaft aus, dass nichts hilft außer FdH und mehr Bewegung in unserer Überflussgesellschaft. Solange sogar die Wissenschaft den Leuten Illusionen macht, wird nichts funktionieren. Ganz im Gegenteil. Die Wahrheit ist simpel und brutal und muss schon in der Schule vermittelt werden, sonst wird keine Gesellschaft mehr die zunehmenden Ausgaben durch Adipositas bedingte Krankheiten auch nur im Ansatz stemmen können, abgesehen von dem Leid der Betroffenen. Normalgewichtige Leute Essen in der Regel alles, nur halt nicht mehr als sie brauchen und lesen nicht jeden Tag die neuesten wissentschaftlichen Erkenntnisse.

#2 |
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Gast
Gast

Interessant! Gespannt auf weitere Resultate. Natürlich spannend, dass Fruktose trotz nicht so sättigt wie Glukose. Falls das so stimmt sollte es weniger süchtig machend sein als Glukose, da die Belohnungssyteme weniger stimuliert werden. Allerdings wird in der industriellen Lebensmittelproduktion gerne Fruktose zugesetzt (z.B. Joghurt). Zudem gilt Fruktose bei vielen in der Bevölkerung als gesunder Zucker. Ein weiterer zusätzlicher Faktor der zur Adipositas-Epidemie beiträgt?

#1 |
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