Gerechtigkeitssinn steckt schon in Kinderschuhen

23. Juni 2015
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Viele Menschen halten Kleinkinder für stur und egoistisch. Jedoch verfügen schon dreijährige Kinder über ein überraschendes Maß an Fürsorge und einen intuitiven Sinn für eine opferorientierte Gerechtigkeit. Sie setzen sich für die Bedürfnisse anderer ebenso ein wie für ihre eigenen.

Kleinkinder geben verlorene Dinge lieber an deren rechtmäßige Eigentümer zurück. Wenn das nicht möglich ist, hindern sie wenigstens andere daran zu nehmen, was ihnen nicht gehört. Darüber hinaus setzen sich sowohl Drei- als auch Fünfjährige für die Bedürfnisse einer anderen Person genauso stark ein wie für ihre eigenen – sogar wenn es sich bei dieser um eine Handpuppe handelt. „Die Sorge um andere, z.B. in Form von Empathie, scheint ein Hauptbestandteil des menschlichen Gerechtigkeitssinns zu sein“, sagt Keith Jensen von der Universität Manchester. „Die Gerechtigkeit Opfern gegenüber und die Bestrafung der Täter – beides grundlegende Bestandteile der menschlichen Kooperation – sind möglicherweise auch für das einzigartige Sozialverhalten des Menschen von zentraler Bedeutung.“

Menschen kooperieren häufig, wenn es um die Bestrafung von Trittbrettfahrern geht. Frühere Studien zeigten jedoch, dass Schimpansen Betrüger nur dann bestrafen, wenn sie selbst geschädigt wurden. Um die Wurzeln des Gerechtigkeitssinns beim Menschen besser zu verstehen, untersuchen Forscher die frühe Entstehung dieser Eigenschaft bei Kleinkindern. Studien zufolge teilen Kinder lieber mit einer Handpuppe, die zuvor einer anderen Person „geholfen“ hatte, als mit einer, die sich „schlecht benommen“ hatte.

Sie bevorzugen außerdem, dass die Puppe bestraft wird, die die Strafe verdient, nicht jedoch die, die sie nicht verdient. Ab einem Alter von sechs Jahren sind Kinder sogar bereit, einen Preis zu zahlen, um fiktionale oder reale Spielkameraden für ein Fehlverhalten zu bestrafen. Die Androhung einer Strafe motiviert Vorschulkinder dazu, sich großzügiger zu verhalten.

Kinder setzen sich für bestohlene Handpuppe ein

Um herauszufinden, was dem Gerechtigkeitssinn von Kleinkindern zugrunde liegt, führten Katrin Riedl, Keith Jensen und Kollegen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie eine Studie mit Drei- und Fünfjährigen durch. Die Kinder konnten einer Handpuppe Gegenstände wegnehmen, die diese zuvor einer anderen Handpuppe „weggenommen“ hatte. Das Ergebnis: Die Kinder setzten sich für das „Opfer“ – die bestohlene Handpuppe – ebenso ein, als wären sie selbst betroffen. Aus allen zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten entschieden sie sich am ehesten dafür, den Gegenstand an den Besitzer zurückzugeben. „Es scheint, dass sich der Gerechtigkeitssinn im Zusammenhang mit dem einem Opfer entstandenen Schaden bereits in der frühen Kindheit entwickelt“, so die Autoren.

Die neuen Erkenntnisse betonen den hohen Stellenwert, den das Eingreifen Dritter für die menschliche Kooperation hat. Sie könnten sich auch für Eltern und Kindergartenerzieher als nützlich erweisen. „Vorschulkinder reagieren feinfühlig, wenn anderen ein Schaden entsteht. Vor die Wahl gestellt, helfen sie lieber dem Opfer dabei, den Schaden zu beseitigen als den Übeltäter zu bestrafen“, sagt Jensen. „Anstatt Kinder für ein Fehlverhalten zu bestrafen oder das Fehlverhalten anderer mit ihnen auf eine strafende oder schuldzuweisende Art zu besprechen, können Kinder den Schaden, der dem Opfer entstanden ist, und die Schadensbehebung als Lösung möglicherweise besser nachvollziehen.“

Originalpublikation:

Restorative Justice in Children
Keith Jensen et al.; Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2015.05.014; 2015
30 Wertungen (4.53 ø)
Medizin, Pädiatrie, Psychiatrie

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Es gibt sicher gute Psychotherapie,
nur ist die Psychoanalyse seit Oberschwindler S.Freud unseriöse Pseudowissenschaft, falls das jemand vergessen hat.

Kinder gerade unter 3 Jahre sind sehr personengebunden und geben und teilen gerne. In der “Kita” ändert sich das oft zum Nachteil.

#7 |
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Ach ja! C.G. Jung hat so manches zum Betriebssystem der menschlichen Psyche geschrieben. Man sollt auch C.G.Jung gelesen haben, um solche Experimente beureilen zu können.

#6 |
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Gast
Gast

Vielleicht ist Hilfsbereitschaft für den Schwächeren besser?

#5 |
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Gast
Gast

Opfer orientierte Gerechtigkeit was für ein dummer ausdruck strukturelle Gerechtigkeit ist viel wichtiger als Opfer orientierte Gerechtigkeit denn es gibt kein schwarz-weiß hier Opfer und da keine opfer jeder ist irgendwo ein stückweit opfer

#4 |
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Gast
Gast

@heilpraktikerin Claudia Behrens, was genau von#1 gefällt Ihnen nicht an den positiven Äußerungen über Kinder?

#3 |
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heilpraktikerin Claudia Behrens
heilpraktikerin Claudia Behrens

Hallo,
Claudia Behrens,Heilpraktikerin,Antropologin,freie Wissenschaftlerin,

ich denke bei dem Thema ging es um Kinder ,egal ob Jungen oder Mädchen.
Daher ist es nicht zu verstehen warum der Beitrag einer Ärztin die Sicht
wegen ihres eigenen Geschlechterkampf hier hereingetragen wird.
Muss denn alles damit vergiftet werden,das einfach Wahllos über Männer oder Jungen schlecht geredet wird.
Das ist ein sehr schlechtes benehmen.

Mit lieben Grüssen
Claudia Behrens

#2 |
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Ärztin
Ärztin

neu ist das nur für die egoistischen Amerikaner,
deshalb muss das alles auch in englisch geschrieben werden.
Schon vor drei Jahren zu beobachten.
Eine gewisse Aggressivität allerdings auch, sozusagen nebeneinander,
hier ist der Erwachsene als “Lenker” gefragt.
Ein gewisse “Krise” tritt erst in der Pupertät ein,
wonach dann mit der Schlussentwicklung des “Stirnhirns” (Neocortex) wieder die sozialen Anlagen des Menschen (Verantwortung) verstärkt werden.
Das dauert länger als früher geglaubt, besonders bei Männern,
je länger desto besser, cum grano salis.

#1 |
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