PND: Mahnwache im Geburtskanal

2. Juli 2015
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Tests, die die zellfreie fetale DNA (cff-DNA) aus dem Blut der Mutter analysieren, sorgen weiter für Kontroversen. Kritiker sehen die Notwendigkeit einer „gesellschaftlichen Diskussion“. Brauchen besorgte Frauen demnächst ein OK von der Ethikkommission?

Wie aus der Perinatalstatistik hervorgeht, hatten im Jahr 2013 rund 35 Prozent aller werdenden Mütter eine Risikoschwangerschaft – zehn Jahre zuvor waren es noch 29 Prozent. Umstrittene Hilfe naht: Seit etwa drei Jahren sind vorgeburtliche Bluttests auf Trisomien 21, 18 und 13 sowie auf das Klinefelter-, Turner-, Triple X- und XYY-Syndrom verfügbar. Politiker diskutieren vergleichsweise einseitig über die Trisomie 21. Das hat nicht nur ethische, sondern auch wirtschaftliche Gründe.

Seltene Einigkeit

Vor gut drei Monaten kam es zu einer ungewöhnlichen Aktion: Abgeordnete aller Fraktionen im Bundestag, also auch der Union und der Sozialdemokraten, forderten die Bundesregierung im Rahmen einer kleinen Anfrage auf, zu möglichen Screenings von Neugeborenen auf Trisomie 21 Stellung zu beziehen. Bislang übernehmen gesetzliche Krankenkassen entsprechende Kosten nur in Einzelfällen. Frauen müssen etwa 400 bis 800 Euro selbst berappen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) kam zu dem Fazit, molekularbiologische Tests hätten Potenziale, „um gegebenenfalls auf eine invasive Chromosomendiagnostik, wie sie derzeit zur Abklärung von genetischen Auffälligkeiten eingesetzt wird, verzichten zu können“. Mittlerweile laufen Beratungen zu einer sogenannten Erprobungsrichtlinie gemäß Paragraph 137e SGB V. Am Ende des Verfahrens könnte die Kostenübernahme stehen, was zumindest im Bereich des Möglichen liegt.

Kein Raum für Diskussionen

Das gefällt nicht allen Akteuren. Parlamentarier kritisieren, im laufenden Verfahren gebe es „keinen Raum für die notwendige gesellschaftliche Diskussion“. Käme es zur Kostenübernahme im Sinne des Leistungskatalogs gesetzlicher Krankenkassen, wäre dies „ein relevanter Schritt auf dem Weg zu einer Routineuntersuchung auf Down-Syndrom während der Schwangerschaft“. Suchen Frauen ärztlichen Rat, müssten sie über die Möglichkeit von cfDNA-Tests informiert werden. Politiker befürchten Druck auf werdende Mütter, ein „perfektes Kind“ zu gebären – inklusive steigender Zahlen an Schwangerschaftsabbrüchen.

Medizinprodukt trifft Ethik

In ihrer Antwort teilt die Bundesregierung Ängste und Sorgen mancher Parlamentarier nicht, Praena-Tests stünden in Konflikt mit Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention. „Das Angebot, eine Blutuntersuchung im Hinblick auf eine mögliche Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom durchführen zu lassen, beinhaltet für sich genommen keine negative Wertung, Stigmatisierung oder Stereotypisierung im oben genannten Sinne“, heißt es dazu. Und weiter: „Ethische Implikationen und gesellschaftliche Auswirkungen der Verwendung von Medizinprodukten gehören nicht zu den unionsrechtlich festgelegten, einheitlichen Anforderungen an deren Verkehrsfähigkeit.“ Ob es in anderen Ländern tatsächlich zu vermehrten Schwangerschaftsabbrüchen gekommen sei, wie Parlamentarier immer noch vermuten, lässt sich wissenschaftlich nicht exakt nachweisen.

Zahlenspiele in Publikationen

Dass Politiker, aber auch Laien, mit derart großer Leidenschaft das Für und Wider genetischer Tests auf Trisomie 21 diskutieren, liegt auch an teils fehlinterpretierten Zahlen. Aktuellen Publikationen zufolge liegt die Spezifität molekularbiologischer Methoden auf Basis von cf-DNA bei 99,9 Prozent. Für die Sensitivität werden sogar 100 Prozent angegeben. Ein Rechenbeispiel: Trisomien 21 treten statistisch bei etwa 0,2 Prozent aller Schwangerschaften auf, also bei 2.000 ungeborenen Kindern auf eine Million Graviditäten. Ärzte erkennen alle Fälle treffsicher, legt man eine in der Literatur beschriebene Sensitivität von 100 Prozent zu Grunde. Inwieweit sich dieser Wert im Alltag jenseits akademischer Labors erreichen lässt, muss sich zeigen. Bei einer Spezifität von 99,9 Prozent sind 0,1 Prozent aller Diagnosen falsch positiv. Nimmt man auch hier eine Million Schwangerschaften als Basis, wären das unter 998.000 gesunden Embryos rein rechnerisch 998. Schlagen Tests positiv an, liegt nur in zwei von drei Fällen tatsächlich der chromosomale Defekt vor. Falsch negative Resultate kommen aber kaum vor.

Des Pudels Kern

Bleibt als Fazit für die Praxis: Praena-Tests helfen eher, eine Trisomie 21 auszuschließen als diese mit größtmöglicher Sicherheit nachzuweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gab Mitte 2014 an, schätzungsweise 600.000 Mütter würden das neue Verfahren in Anspruch nehmen – bei 1.200 Feten mit tatsächlich vorhandener Trisomie 21 und weiteren 500 falsch positiven Ergebnissen. Zum Vergleich: Verschiedenen Studien zufolge beträgt die Rate an falsch positiven Ergebnissen beim heute üblichen Ersttrimester-Screening immerhin 3,5 Prozent, sprich 20.000 falsch positive Resultaten, legt man auch hier die DGGG-Schätzungen zu Grunde. Diese deutliche Unschärfe scheint die Initiatoren der kleinen Anfrage aber nicht zu stören. Ethiker sind der Vergangenheit halt immer etwas näher als der Zukunft.

39 Wertungen (4.05 ø)

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20 Kommentare:

Elvira
Elvira

ich hab jetzt 3 Mädchen, das reicht doch,
jetzt hätte ich gerne noch einen Jungen,
das müsste doch (in Zukunft) endlich möglich sein.
Meint ihr nicht?

#20 |
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Gast
Gast

@Dipl.-Biol. Horst Kastrup wieso kommen Sie eigentlich auf die komische Idee, Mütter würden “unter Druck gesetzt” eine solche Diagnostik und evtl. eine Abtreibung bei Trisomie durchzuführen????
Finde ich irgendwie pervers.
Die Diskrepanz zu erzwungenen oder freiwilligen??? Abtreibung gesunder Embryos und die Pille danach OHNE Rezept lässt Sie völlig kalt???
Ich kann daraus nur eine Art Hass herauslesen gegenüber Mütter, die sich ein gesundes Kind wünschen.

#19 |
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Dipl.-Biol. Horst Kastrup
Dipl.-Biol. Horst Kastrup

Gast#17 Gast#13
Weil Sie mich direkt ansprechen und vielleicht falsch verstanden haben:
In diesem Artikel und dieser Diskussion geht es um die vielfältigen Fragen, die sich aufgrund der Möglichkeiten vorgeburtlicher Tests und der daraus resultierenden ethischen Fragen der möglichen Auslese (positiv wie negativ) der Ungeborenen ergeben – und es geht hier um die mögliche Selektion von Menschen, die durchaus ein erfülltes und auch in Grenzen selbstbestimmtes Leben führen können. Wie im Artikel und der Diskussion angemerkt, besteht die Gefahr, dass heute und künftig aus den unterschiedlichsten finanziellen Interessen oder auch nur im Glauben an ein besseres Wissen Druck zur Durchführung der vorgeburtlichen Tests auf die Schwangere/ auf die Eltern ausgeübt wird (ich kenne konkrete Fälle). Wären finanzielle Interessen Dritter – die natürlich bestritten werden – ethisch „wertvollere“ Gründe für eine Selektion als ein Rassenreinheitswahn?
Ganz anders die Situation der betroffenen Eltern/ der Schwangeren: sie können sich nur frei für das Kind entscheiden, wenn sie sicher sind, dass sie und – besonders nach ihrem Tode – ihr voraussichtlich behindertes Kind die bestmögliche Unterstützung erhalten. Wo das nicht der Fall ist, wer hätte das Recht, ihnen einen moralischen Vorwurf zu machen, wenn sie nicht glauben, unter den herrschenden Bedingungen ihrem Ungeborenen gerecht werden zu können, und wenn ihnen eingeredet wird, dass sie ihrem Kind ausschließlich Leiden ersparen werden? Ein letzter Punkt: wer redet in der Diskussion über das Leid der Eltern und besonders der Mütter, die nach dem Test zu einem Schwangerschaftsabbruch überredet werden, und die oft ein Leben lang mit dem Zweifel belastet sind, ob die Entscheidung richtig war – zum Beispiel, wenn sie einem frohen und Liebe ausstrahlenden Menschen mit Trisomie 21 begegnen?
Gast#17 Gast#13, die von Ihnen adressierte ethische Frage, wann menschliches Leben beginnt, und ab wann es unter dem unbedingten grundrechtlichen Schutz stehen sollte, ist ein anderes komplexes Thema (letztlich eine Glaubensfrage), das nichts mit einer Diskriminierung als “nicht lebenswert” zu tun hat. Auch hier ist m.E. die Schwangere oft alles andere als frei in ihrer Entscheidung. Doch das würde den Rahmen des hier angesprochenen Themas verlassen. Falls Sie meine Position zu Ihren Fragen wirklich interessiert, und Sie an einer Diskussion Interesse haben, lassen Sie mir z.B. über DocCheck Ihre Kontaktdaten zukommen.

#18 |
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Gast
Gast

@Dipl.-Biol. Horst Kastrup, welche böse Entgleisung!!!
haben Sie denn den Mut gegen die Pille danach ohne Rezept und gegen die riesige Zahl der Abtreibungen auch noch auf Allgemeinkosten,
gesunder Embryos,
mit Hitler zu argumentieren????

#17 |
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Chirurg
Chirurg

Das erinnert mich irgendwie an die ethische Diskussion, die ich schon mal vor über 40 Jahren mit einem kinderlosen jungen Pärchen hatte, die ihre Kinderlosigkeit mit der unsicheren Zukunft eines Kindes begründeten und darauf noch besonders stolz waren:
“Wir wollen unser Kind nicht dem Atomtod ausliefern”.
Ich stimme daher auch #1 und den Vorrednern, dass eine Frau, die sich heute aktiv ein Kind wünscht, alle Unterstützung unserer kinderarmen Gesellschaft verdient einschließlich einer gewissen Sicherheit, mehr wird es sowieso nicht, dass es auch ein gesundes Kind wird.

#16 |
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Gast
Gast

für Frau Dr. Nolte hier bei Doccheck:
“der nicht-invasive molekulargenetische PraenaTest® aus mütterlichem Blut die fetalen Trisomien 21, 18 und 13 sowie gonosomale Aneuploidien (Turner-, Triple- X-, Klinefelter- und XYY-Syndrom) mit hoher Sicherheit.”

#15 |
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Gast
Gast

Die sog. “Ethikkommisionen” sollten sich lieber mit den vielen Kriegen mit überwiegend zivilen Opfern beschäftigen und der Aufrüstung dafür, für die tatsächlich wieder die Werbetrommel gerührt wird.
so lange man darüber heftig schweigt, sind diese Kommissionen durch NICHTS legitimiert.

#14 |
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Gast
Gast

@Dipl.-Biol. Horst Kastrup mit der Gänsehaut meinen sie sicher die über 100000 offiziellen Abtreibungen ohne medizinische Indikation?

#13 |
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Gast
Gast

Frau Dr. Nolte, Sie sollten wenigsten den Beitrag lesen, bevor Sie hier falsches über den Test von sich geben. Selbstverständlich wird keine Frau dazu gezwungen, so ein Quatsch. Und selbstverständlich auch keine Frau zur Abtreibung, bei der diese Diagnose gesichert ist.
Und ich verstehe überhaupt nicht den Zusammenhang zwischen einer optimalen (und teuren) Therapie AUCH für die Allgemeinheit bei bereits geborenen Kindern,
mit dem Wunsch eine solche Geburt zu verhindern.
Fakt ist dass das die Natur ganz ganz überwiegend selbst macht, eine solche befruchtete Eizelle geht ab ohne sich einzunisten, das geht bei älteren Mütter (ab 35) statistisch an die 70-80% der befruchteten Eizellen. Deshalb wird an “normalen Versuchen” heute mindestens 1 Jahr verlangt. Für diese “Wunschmütter” also ein durchaus reales Risiko.
Aber die Heuchelei ist doch nicht zu überbieten bei einer Abtreibung gesunder Kinder auf AOK-Kosten und der Pille danach sogar ohne Rezept.
Ich sehe in dieser Pseudomoral eher so etwas wie eine hassvolle Bestrafung für den Kinderwunsch überhaupt.
Abtreibung gesunder Embryos JA, sebstverständlich!
Abtreibung kranker NEIN, unmoralisch???
Nr#1 hat völlig recht,
wer hier mit finanziellen Argumenten kommt, ist eher noch verrükter denn ein Trisomie-Kind ist ERHEBLICH teurer, soll das aus der Krankenkasse auch ausgeschlossen werden?

#12 |
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Gast 3 und 4
Gast 3 und 4

Danke für Ihre fachlich versierten Kommentare #H. Kasptrup #Dr. Nolte !

#11 |
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Dipl.-Biol. Horst Kastrup
Dipl.-Biol. Horst Kastrup

#Arzt #7
Es erzeugt eine Gänsehaut, wenn es noch heute Menschen in diesem Land gibt, die mit dem Wertesystem einer den Menschen und Gott sei Dank überwundenen Zeit argumentieren. Sich nicht darüber freuen zu können, dass wir heute viele Krankheiten – einschließlich der mit dem Down-Syndrom oft verbundenen kardialen und viszeralen Fehlbildungen – behandeln und auch heilen können, ist schon – ganz besonders für einen #Arzt – bedauerlich – und durchblicken zu lassen, dass man einen mit viel Leid verbundenen unbehandelten Verlauf gut fand, ist entsetzlich.
Dann reden Sie aber über etwas, wovon Sie erkennbar überhaupt keine Ahnung haben – wahrscheinlich die Genetik-Vorlesung komplett geschwänzt? Dass sich das elterliche Erbgut/ die Chromosomen bei der Gametogenese mehr oder weniger gleichmäßig aufteilt/ aufteilen und ein Elternteil mit Trisomie 21 daher mit 50%iger Wahrscheinlichkeit Kinder ohne Trisomie 21 bekommen wird (bei Männern möglicherweise noch öfter), passt wohl nicht zu Ihrer Präferenz für radikale Lösungen wie der Kastration … Selbst wenn beide Eltern unter Trisomie 21 leiden, besteht noch eine 25%ige Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit normalem Chromosomensatz.
Und was die letztliche Übernahme der Verantwortung der Gesellschaft angeht, wenn Eltern nicht mehr helfen können – rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Leiden Sie an Übergewicht aufgrund zu guten Essens und unzureichender Bewegung? Die Kosten der Folgen dieses selbst zu verantwortenden Verhaltens übernimmt auch die Versichertengemeinschaft – und das kostet unsere Gesellschaft viel, viel mehr als die Sorge für diejenigen, die aufgrund eines unvermeidbaren natürlichen Vorgangs nicht der “Norm” (welcher eigentlich?) entsprechen. Dürfen wir ihnen deshalb das Lebensrecht missgönnen, und dürfen wir ihnen das Recht nehmen, wenn sie sich erkennbar an ihrem Leben freuen, auch Kinder zu zeugen, die entweder (rd. 50%) völlig gesund sind oder mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit unter denselben Einschränkungen leiden werden wie ihre Eltern, die diese Einschränkungen aus eigener Erfahrung – auch bei evtl. verringertem IQ – in der subjektiven Wahrnehmung viel besser beurteilen können als jeder nicht Betroffene? Wer selbst riskiert, durch Alkoholkonsum, Rauchen oder Übergewicht die Solidargemeinschaft zu belasten, sollte da schweigen. Und Eugenik im braunen Sinne brauchen wir in Deutschland wahrhaft nicht mehr (einige meiner Verwandten einschließlich eines Urgroßvaters wurden aufgrund ihrer Wertevorstellungen, die sie auch im Dritten Reich weiter vertraten, für verrückt erklärt und dem üblichen Schicksal in psychiatrischen Anstalten zugeführt – eine Großtante, die das überlebte, war durch die Experimente der „#Ärzte“ danach wirklich geistig gestört, aber sie hatte trotzdem noch Freude am Leben, weil sich ihre Umwelt liebevoll um sie kümmerte…). Der Wert des Menschen bemisst sich nicht daran, ob er als „Humankapital“ ein möglichst gewinnbringender und unproblematischer „Produktionsfaktor“ sein kann.

#10 |
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Dr. med. Ursula-Maria Nolte
Dr. med. Ursula-Maria Nolte

Dank des medizinischen Fortschritts lassen sich heute bereits viele Erkrankungen pränatal diagnostizieren. Viele – aber bei weitem nicht alle. Der Praena-Test weist nur numerische Chromosomenaberrationen nach und sollte bei positivem Ergebnis durch eine invasive Untersuchung (CVS oder Amniozentese) abgesichert werden, bevor aus dem Testergebnis Konsequenzen gezogen werden können. Werdenden Eltern, denen ein solcher Test faktisch aufgezwungen wird (z.B. bei Schwangeren über 35 Jahren) wird damit suggeriert, dass sie bei unauffälligem Testergebnis ein gesundes Kind bekommen werden. Dass es aber eine Vielzahl struktureller Chromosomenaberrationen gibt, die zu mehr oder weniger schwerer Behinderung führen können und die nicht nachgewiesen werden, weil uns dafür noch die diagnostische Möglichkeiten fehlen oder weil nicht gezielt nach solchen Erkrankungen gesucht wird, wird dabei nicht thematisiert. Von sonstigen Ereignissen, wie O2-Mangel unter der Geburt als möglicher Ursache lebenslanger Behinderungen, will ich gar nicht sprechen. Fakt ist, Untersuchungen, die von mir nicht (mit-)bezahlt werden müssen und die für mich mit einem geringen Risiko einhergehen, werden nicht besonders hinterfragt (ich bin als werdende Mutter im Grunde meines Herzens eh davon überzeugt, dass mein Kind gesund ist). Das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, kann ich damit aber nicht verringern. Sollte also der Praena-Test als Routineuntersuchung etabliert werden, werden Menschen mit Down-Syndrom (und anderen numerischen Chromosomen-aberrationen zu “Behinderten 2. Klasse” degradiert (“es hätte ja nicht sein müssen..”). Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung.

#9 |
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Gast 3 und 4
Gast 3 und 4

#Arzt
für Kinder braucht man immer Nerven und häufig auch mal mehr als man eigentlich hat! Das schaffen viele nicht richtig -unabhängig von Trisomie oder nicht….
Tatsächlich ist nach dem ersten Schock anderes viel schwieriger zu ertragen als die Behinderung – nämlich Leute wie Z.B # Arzt bzw.deren überhebliches Gehabe. Menschen sie sich in ihrer Entfaltung gestört fühlen, nur weil es andere Menschen gibt, deren Leben die nicht verstehen. Gerade diese fordern im Alltag oft das Recht auf ihre individuelle Lebensgestaltung – wollen dasselbe anderen Menschen aber nicht gewähren. Das tut nicht nur weh, dass erst behindert die Menschen, die ein Leiden haben und die, die sich gerne um Menschen z.B. mit Tridomie kümmern wollen. Die wenigsten Downies bekommen übrigens Kinder…..eine wirtschaftliche Not für D ergibt sich daraus noch nicht. (siehe Artikel von #Gudrun und #Gast 6 – Danke!)

#8 |
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Arzt
Arzt

richtig #1 und #2

Ich kenne Mütter die diesen “Enthusiasmus” für Behinderte keine 10 Jahre durchgehalten haben und danach dieses Kind in irgend ein Heim abgeschoben haben.
Früher starben (Trisomie 21) die auch vorzeitig und erreichten meist nicht das 20. Lebensjahr.
Heute überleben sie ihre Eltern auch wenn sie bis zum Lebensende NICHT selbständig werden.. und sie bekommen Kinder!!!!!, die dann ALLE diese Trisom haben, denn Kastration ist tabu. Wer kümmert sich dann??? In einem Gesundheitssystem, in dem real rationiert wird!
“Ethische Bedenken” = höchste Heuchelei.

#7 |
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Gudrun
Gudrun

Der medizinische Fortschritt in der Diagnostik von Erkrankungen oder genetischen Defekten sollte allen Bürgern gleichermaßen zugänglich sein, d.h die Krankenkassen sollten die Kosten übernehmen, sobald ein Fortschritt gegenüber bestehenden Methoden erkennenbar ist. Die Entscheidung zur Durchführung der PND ist allein Angelegenheit der Frau! Die Gesellschaft (der Staat) könnte die Entscheidungen der
Frauen und Familien (ob mit PND oder ohne) dahingehend positiv (also für das Kind) beeinflussen, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland radikal zum JA für’s Kind verändert würden. In aller erster Linie wäre das die flächendeckende 100% Versorgung mit KITA-Plätzen, sofern ein KITA-Platz gewünscht wird sowie bessere Rahmenbedingunden bei der Berufstätigkeit für Väter und Müter mit Kind. Die freie Entscheidung für ein behindertes Kind könnte dahingehend positiv beeinflußt werden, wenn die Gesellschaft bereit wäre, den Mehraufwand an Pflege und Betreuung für diese Kinder angemessen zu vergüten.
Trotzdem sollten nicht Moralapostel die Entscheidungen der Frauen zur PND und gegebenenfalls gegen ein behindertes Kind kritisieren. Alle Eltern wollen ein gesundes Kind! Schwangerschaft und Geburt selbst beinhalten noch genug Möglichkeiten, letztendlich doch ein behindertes Kind zu bekommen, es anzunehmen und zu lieben!
Jede Entscheidung sollte respektiert werden!

#6 |
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Gast
Gast

An Gast 3; Vielen Dank für die klaren und richtigen Worte. Mein Sohn ist 16 Jahre und hat Trisomie 21. Er ist eine Freude und ein Geschenk, das ich nicht missen möchte. Sicherlich waren und sind die zusätzlichen Aufgaben nicht immer klein und leicht zu nehmen. Damit meine ich nicht nur Therapien wie Logo, Ergo etc. sondern auch die Ablehnung Vieler aus der Gesellschaft. Zweimal musste ich erleben, wie andere Eltern meinen Sohn aus dem Schwimmkurs gemoppt haben. Wir haben es ihm selbst beigebracht, er ist eine Wasserratte. Es ist die Ellenbogengesellschaft und die vermeintliche Ansicht sich alles nehmen zu können und auch zu bekommen ohne Rücksicht auf den Anderen, was das Leben schwieriger macht. Man muss halt mehr kämpfen.
Wenn nun aber ein Pränataltest zum Standard wird (weil es immer mehr Risikoschwangerschaften gibt) dann ist es auch nicht mehr weit, dass Andere sagen, das mit der Trisomie hättest Du ja wissen können ,warum hast Du nichts dagegen unternommen. Und schon ist man stigmatisiert.
Ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, die Behinderte mehr annimmt und als Teil der Gesellschaft begreift. Kinder mit Down-Syndrom sind für viele Betroffene kein Leid sondern eine Freude. Der Erfahrungshorizont für Nichtbetroffene ist häufig nicht so groß, dass eine Entscheidung über Freud und Leid empfohlen werden sollte.

#5 |
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Gast
Gast

#Senta:
Behindertenindustrie -was soll das sein?
Behinderung ist ein Fakt, kommt vor und damit muss umgegangen werden. Medizinisch, heilpädagogisch, logopädisch…. wir bei anderen Krankeiten auch. Und glauben Sie mir, diese Personengrupoen brauchen keine “Behinderten” um im Berufsalltag genug zu tun zu haben.
Das die Menschen die den Job machen auch Geld verdienen, ist keine Schande. Geld verdienen, seinen Lebensunterhalt verdienen, ist kein Unrecht ..oder haben Sie ein Problem mit Krankenhausärzten oder -Schwester, die ja auch ” ihr Geld mit Krankheit verdienen”. Lehnen Sie etwa auch die Insulinbehandlung von Diabetikern ab?? Obwohl hier tatsächlich eine Industrie dahinter steht, ist doch die Behandlung des Einzelnen nicht abzulehnen???
Was sollen solch unqualifizierte, polemische und sinnfreie Bemerkungen. Sorry, aber da platzt mir der Kragen.

#4 |
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Gast
Gast

Vorweg: Niemand muss ein Kind mit Trisomie bekommen /behalten. Jeder soll entscheiden dürfen. Aber man kann dazu lernen und durch eine gesellschaftliche Diskussion neue Denkanstösse bekommen.
Dazu mein Anstoß:
Ich kann nur sagen dass es ein Schock ist, wenn das eigene Kind eine Trisomie hat. Ungeachtet dieses Schocks, der sich Monate und Jahre hinziehen kann, lernt man (zwangsläufig) damit umzugehen. Und schliesslich merkt man, wie einfach das besondere Kind es uns macht, dennoch befreit und freudig durchs Leben zu gehen….oder gerade durch das Kind fröhlicher und poditiver zu werden.
Erst wenn wir gefordert werden, wachsen wir…das kann man durch viele “Schicksalsschläge” lernen. “Mein” Schicksalsschlag ist lustig, freundlich, aufmerksam, liebevoll, ….und ein Glücksfall!
Und glauben Sie mir, ich bin keine Gluckenmama der ihre Kinder grundsätzlich das beste und schönste auf der Welt sind.
Meine zwei Töchter sind mein Freude – mit Trisomie und ohne. Der Weg dahin ist nicht ohne Stolperfallen, aber wer das veränderte (Familien-)Leben annimmt und einfach loslegt und weitermacht, erfährt das früher oder später: diese Umkehr von Trauer in Freude erfahren zu können, ist wirklich wunderbar und ein grosses Geschenk.
Ich kann nur dazu aufrufen, sich selbst zuzutrauen Probleme auch bewältigen zu können und sich den daraus erwachsenden beglückenden Erfahrungen nicht von vorne zu verschliessen. Sei es eine Trisomie, ein Unfall oder was auch immer das Leben für uns bereithält und aus den gewohnten Bahnen zu werfen droht.
Hört sich pathetisch an – wer es erlebt versteht.

#3 |
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Senta
Senta

Die Behindertenindustrie ist ein riesiger Wirtschaftszweig welcher sein Geschäftsmodell im Leid behinderter Kinder und traumatisierten Eltern sieht.
Vor einem Jahr sah ich eine Demo dieser Industrie gegen Dr. Kade in Konstanz welche allen Ernstes behinderte Kinder gefordert hatte.
Das Verhalten dieser Lobby ist genau so ethisch wie damals die Endlösung gewesen ist damals.

#2 |
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Gast
Gast

Der große Wert dieses Testes ist die Sicherheit bei negativem Ausfall,
wer hier “ethische Bedenken” anmeldet ist ein unverschämter Heuchler.
Die “Pille danach” gibt es ohne ethische Bedenken schon rezeptfrei.
Fazit:
Die “Nichtbezahlung” bedeutet extreme Kinderfeindlichkeit, oder “Mütterfeindlichkeit”,
zumal das Alter der Mütter nun mal deutlich gestiegen ist und damit das Risiko eine Polyploidie.

#1 |
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