Krebszellen: MDM2 hält Vitamin D in Schach

19. Juni 2015
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Während MDM2 in gesunden Zellen den p53-Spiegel reguliert und niedrig hält, unterdrückt das Protein den Zelltod bei entarteten Zellen. MDM2 kann auch den Vitamin-D-Stoffwechsel hemmen, der für Krebserkrankungen eine immer größere Rolle zu spielen scheint.

Nicht aus jeder Krebszelle wird ein Tumor: Die Evolution hat Mechanismen hervorgebracht, die dafür sorgen, dass entartete Zellen sich nicht mehr teilen können und absterben. Ein Beispiel für solch einen molekularen Regulator ist der sogenannte Tumorsupressor p53. „Das Molekül kommt in geschädigten Zellen, die zu Krebszellen werden könnten, in erhöhter Konzentration vor und leitet den Zelltod ein“, sagt Professor Klaus Roemer vom José Carreras-Zentrum der Inneren Medizin I am Homburger Uniklinikum. Dieser komplexe Mechanismus kann wiederum von dem MDM2 genannten Protein gehemmt werden. Roemer erklärt: „In gesunden Zellen sorgt dieses Eiweiß dafür, dass der p53-Spiegel niedrig bleibt. Anders bei entarteten Zellen, dort erhöht sich die Menge, sodass der Zelltod durch p53 unterdrückt wird.“

Es gibt auch viele Krebsarten, bei denen dieses Protein in erhöhter Konzentration vorkommt. Ursache hierfür sind zum Beispiel Mutationen im MDM2-Gen, die dafür sorgen, dass das Molekül im Übermaß produziert wird. „Dies hat zur Folge, dass die Bildung des Tumorsupressors p53 gehemmt wird; die Zelle stirbt also nicht ab, sondern teilt sich weiter“, so der Professor. Diese Form der MDM2-Regulation kommt auch beim Vitamin-D-Stoffwechsel vor. Damit Vitamin D im Körper aktiv werden kann, wird es erst umgebaut. Nur so kann es an den Vitamin-D-Rezeptor binden. Erst dadurch kann dieser wiederum verschiedene Gene regulieren, die unter anderem Zellteilung und -wachstum kontrollieren.

Verbindung zwischen Tumorsupressor und Vitamin D

Wie das untersuchte MDM2-Protein diesen Rezeptor beeinflusst, haben die Forscher nun klären können. Sie haben unter anderem analysiert, in welchen Konzentrationen die beiden Moleküle bei menschlichen Lungen- und Darmkrebszellen vorkommen. „Wir haben deutliche Zusammenhänge erkannt“, sagt Roemer. „Eine hohe Konzentration des MDM2-Proteins hat die Konzentration des Vitamin-D-Rezeptors herabgesetzt. Umgekehrt verhielt es sich, wenn wir das Protein gehemmt haben, hier war der Spiegel des Vitamin-D-Rezeptors erhöht.“ In diesem Fall konnten die Wissenschaftler auch Proteine nachweisen, die nur nach einer Aktivierung des Rezeptors entstehen.

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass zwischen den p53- und Vitamin-D-Signalwegen bislang unbekannte Verbindungen existieren“, resümiert Roemer. In Expertenkreisen wird schon lange vermutet, dass Vitamin D auch als Tumorsupressor fungiert. Durch das MDM2-Protein könnte seine Wirkung in Tumorzellen unterdrückt werden. Diese Erkenntnisse könnten helfen, die Zusammenhänge zwischen Vitamin D, Sonnenlicht und Krebserkrankungen besser zu verstehen.

Originalpublikation:

MDM2 binds and inhibits vitamin D receptor
Klaus Roemer et al.; Cell Cycle, doi: 10.1080/15384101.2015.1044176; 2015

28 Wertungen (4.68 ø)

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8 Kommentare:

Gast
Gast

Ich hatte schon drei mal Krebs, mein Tumormarker zeigt nie an, wenn meine Vitamin D25, werte schlecht sind, geht mein Krebs von 2cm zB Metastase auf 6mm zurück.Gehe seit 1999 halbjährlich in die besten MRT-Geräte. Leider sagt euch die Forschung nicht alles, wenn ich ein Fleck irgendwo habe, nehme ich ein bestimmtes Antibiotikum, was sagt mir das, dürfte seit 10 Jahren eigentlich nicht anschlagen da Krebs ja kein Virus oder ansteckend sein soll. Forscher werden wissen warum es doch hilft, die Mäuse auch. Ich bin jedenfalls über alle neuen Erkenntnisse immer sehr glücklich, weil man ja nicht alles für die Ewigkeit nehmen kann.

#8 |
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Gast
Gast

# 9 : Hier geht es also um Vit. D. Aber auch bei anderen Mitteln kann ich nur sagen, daß die bisher konsultierten Ärzte relativ ratlos wirkten, schon gar die Apotheke, so daß die obligatorischen Hinweise auf den behandelnden Arzt etc. bisher nicht zielführend waren ( Vit. K in seinen versch. Variationen war z. B. kaum bis gar nicht bekannt ). Also wer ?
Aufmerken läßt im Kontext auch das ” Ergebnisprotokoll zur sechsten Sitzung der Gemeinsamen Expertenkommission am 6. 11. 14 ” des BfArM “, aber auch Anmerkungen beim Krebsinformationsdienst ( kid ) des DKfZ.

#7 |
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Gast
Gast

Pauschale Empfehlungen sollten im therapeutischen Bereich grundsätzlich nicht gemacht werden, das kann vielleicht noch der Apotheker bei seiner Beratung machen. Menschen sind sehr vielfältig, sie ernähren sich sehr unterschiedlich, haben unterschiedliche Konstitutionen, Diaspositionen und Diathesen. Ebenso ist die Erkenntnis zu einem Vitamin-D-Präparat nicht auf ein anderses oder auf Karotten zu übertragen. Ich erinnere an die Lungenkrebs-Präventionsstudie und CARET-Studie zum Beta-Carotin. Diese Ergebnisse können sehr leicht falsch verstanden werden.
Alles in allem: Ich bin extrem zurückhaltend, was die Anwendungen von Vitamin-D anbelangt. Dennoch ist ein preiswertes Oleum jecoris z. B. etwas anderes als “billige” Nahrungsergänzung …
… da kommt mir spontan diese Seite in den Sinn, die ich vor kurzem gefunden habe:

http://blog.paleosophie.de/2014/07/30/sommer-sonne-sonnenschutz-vitamin-d-ohne-hautkrebs-dank-natuerlicher-sommerhaut/

#6 |
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Gast
Gast

Natürlich ist es Forschung/Wissenschaft, wobei aber Sinn letztlich nur in der theapeutischen Umsetzung – so oder so – liegt. Wenn jedoch eine Problemstellung konkret ansteht und Sie die Nahrungsergänzungsmittel-Frage ( es könnten auch Arzneimittel sein ) vermeiden wollen : Müßten Sie sich nicht dennoch ebenso konkret verhalten im Sinne von beraten ? Was sagen Sie denn dem/der Betreffenden genau in einem solchen Falle oder könnte es nur Schulterzucken sein ?
Klar ist es für die Hersteller ein Milliardengeschäft, glaube aber kaum, daß für diese hier einzelne Kommentare von Belang sind.

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Martin Bökenkamp
Martin Bökenkamp

# 3 “Was sagt mir jetzt diese Studie?”
Das sagt die Studie:
In Expertenkreisen wird schon lange vermutet, dass Vitamin D auch als Tumorsupressor fungiert.

#4 |
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Gast
Gast

# 1: Ich weiß nicht, Herr Bauer, ob Sie den vor # 4 befindlichen Kommentar, der Therapie, Art und Dosis des Vit. D als in Frage stehend ansprach, löschen ließen. Aber vielleicht könnten Sie als Heilpraktiker zumindest sagen, ob eine Aussage zu # 4 zu heikel erscheint ?!
In der Tat scheint (!) es ja offen zu sein, ob – auch womöglich bei einem Mangel – ein Zusatz per Nahrungsergänzungsmittel eher nutzen oder schaden könnte…

#3 |
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Gast
Gast

Wenn nach OP eines Mamma-Karzinoms und – nebst Bestrahlung – zur Milderung der Nebenwirkungen eines eingesetzten Aromatasehemmers hochdosiertes Vitamin D3 ( hier 20.000 i. E. wöchentlich ) eingenommen wird – und verschrieben wurde – ( geringer Spiegel ) : könnte dies also auch ein Risiko darstellen bzw. wie könnte/sollte man nun mit dieser Information konkret umgehen ?
s. auch # 3 Rita Altemeyer

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Heilpraktikerin

Was sagt mir jetzt diese Studie?
Soll das heißen, dass unbedingt Vit.D zugeführt werden sollte?
Gerade die Uniklnik Homburg hat vor Jahren Darmkrebspatienten Vit.D
zugeführt und das dann auch wieder gelassen, weil keine pos. Effekte zu verzeichnen waren.
Vit. D braucht die Leber, die Nieren und die Haut (soviel man heute weiß),
also müsste eigentlich da der Fehler liegen. Vllt. wäre es doch mal besser die Funktionen dieser Organe besser zu überprüfen um wirklich die Störung zu erkennen als einfach nur einzugreifen und Vit D zuzuführen.
Viele Menschen vertragen Vit. D nicht, vorallem in den Dosen die heute angeboten werden. Vit. D als Prohormon sollte nicht so freizügig verabreicht werden, ohne zu wissen was wirklich im Körper passiert. Da müsste doch noch weiter geforscht werden um vllt. irgendwann mal den Zusammenhang zu verstehen.
Diese Studie mag ja interessant sein aber leider kann man damit nicht wirklich was anfangen.

#1 |
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