Divertikulitis: Waschen, legen oder schneiden?

18. November 2011
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Die Hartmann-OP war lange das einzige, was Chirurgen bei Patienten mit akuter Divertikulitis eingefallen ist. Die direkte Anastomose ist nun schon länger ein Thema. Jetzt kommt noch ein laparoskopischer Ansatz ins Spiel, bei dem (fast) gar nicht mehr geschnitten wird.

Die Frage, ob und wann Patienten mit Divertikulitis operiert werden sollten, wurde und wird viel diskutiert. Unterschieden wird dabei zwischen elektiven und notfallmäßigen Operationen. In beiden Situationen sind die Therapiegrundsätze derzeit im Wandel.

Perforation: Am Anfang ist die Gefahr am größten

Bei der elektiven Operation galt Jahrzehnte lang die Faustregel: Wer zwei oder drei Divertikulitisschübe hatte, der wird operiert. Doch dieses tradierte Vorgehen, das auf eine Studie aus dem Jahr 1969 zurückgeht, wird zunehmend in Frage gestellt. „Wir wissen heute, dass die Schwere der Rezidive mit jedem neuen Schub eher abnimmt“, betonte Dr. Gian Andrea Binda, Genua, bei einer Divertikulitis-Konferenz in Köln. Festmachen lässt sich das vor allem am Perforationsrisiko: Eine aktuelle Studie zeigte, dass das Risiko einer Perforation während der ersten Episode etwa ein Viertel beträgt, bei der zweiten dann nur noch zwölf Prozent, bei der dritten sechs Prozent und bei der fünften ein Prozent.

Diese und einige ähnliche Daten deuten darauf hin, dass das Risiko, bei einem Rezidivschub nicht zu operieren, sehr viel geringer ist als qua Lehrbuchmeinung. Hinzu kommt, dass die Operation gar nicht zwangsläufig hilft. So gab es in einer Schweizer Kohorte bei 7,5 Prozent der operierten Patienten Hernien. Und 15 Prozent hatten weiterhin so schwere Symptome, dass sie trotz Operation Medikamente nehmen mussten. „Wir müssen unsere Patienten in jedem Fall darüber aufklären, dass die Operation ihre Beschwerden unter Umständen nicht lindert“, betonte Dr. Asha Senapati aus Portsmouth, Großbritannien.

Einmal oder zweimal ran, das ist hier die Frage

Auch bei der notfallmäßigen Divertikulitisoperation deuten sich derzeit Veränderungen an, die sich allerdings teilweise noch in einem frühen Stadium der klinischen Evaluation befinden. Der Klassiker bei der notfallmäßigen Operation einer dann oft perforierten Divertikulitis ist die Hartmann-Operation. „Hartmann“ bedeutet schöne, klassische Viszeralchirurgie: Der Operateur öffnet das Abdomen. Die von der Divertikulitis betroffenen Kolonabschnitte werden reseziert. Das rektale Darmende wird verschlossen und der Stuhl über einen Anus praeter abgeleitet. Erst in einem zweiten Eingriff erfolgt dann einige Tage oder Wochen später die Re-Anastomosierung.

Dass diese Operation Charme hat, liegt auf der Hand. Sie geht schnell. Es braucht kein großes Operationsteam. Auch im Bereitschaftsdienst ist sie handhabbar. Der Preis dafür ist die Zweitoperation, die zumindest bei einem Teil der oft gebrechlichen Patienten dann gar nicht mehr durchgeführt wird, weil das Risiko als zu hoch eingestuft wird. Einige Chirurgen bevorzugen deswegen die primäre Anastomose, die die Kontinuität des Darms gleich beim ersten Eingriff wiederherstellt. Beide Operationsverfahren lassen sich auch laparoskopisch durchführen.

Die primäre Anastomose ist nicht neu. Das Problem dabei ist, dass die Primäranastomose deutlich häufiger insuffizient ist als bei einer elektiven Zweitoperation. Viele Chirurgen setzen deswegen bei einer fäkalen Peritonitis eher auf einen „Hartmann“, bei weniger gravierenden Befunden im Situs dagegen auf eine primäre Anastomose. Professor Martin Kreis von der Chirurgie am Münchener Klinikum Großhadern hält das nicht für optimal. In einer eigenen Patientenserie konnte er zeigen, dass das Auftreten einer Anastomoseninsuffizienz statistisch unabhängig vom Hinchey-Stadium und damit vom Vorliegen einer fäkalen Peritonitis war. Kreis hält es deswegen für sinnvoller, die Entscheidung für oder gegen eine primäre Anastomose vom Gesamtzustand des Patienten abhängig zu machen.

Spülung fordert Hartmann heraus

Vielleicht stellt sich diese Frage aber künftig ohnehin seltener. Denn mit der laparoskopischen Lavage bringt sich seit einiger Zeit ein überraschend wenig invasives Verfahren bei der perforierten Divertikulitis ins Gespräch, mit dem möglicherweise bei vielen Patienten ähnlich gute Ergebnisse erzielt werden könnten wie mit den großen Operationen. Das Verfahren ist erschreckend simpel: Die Bauchhöhle wird laparoskopisch mit Salzlösung gespült. Den Rest erledigt Mutter Natur.

Ärzte aus Irland haben das Verfahren in einer Multicenterstudie bei 100 Patienten mit Perforation und generalisierter Peritonitis untersucht. Nur bei acht Patienten musste die Lavage wegen fäkaler Verunreinigungen im Peritoneum abgebrochen und auf eine Hartmann-OP umgestellt werden. „Die Mortalität lag bei akzeptablen drei Prozent“, betont Dr. Connor Shields von der Elm Park Klinik in Dublin.

Diese vor drei Jahren publizierte Studie hat erhebliches Interesse erfahren. Daten aus irischen Registern erlauben mittlerweile den Vergleich von 424 Patienten mit laparoskopischer Lavage und 2000 Patienten mit offener oder laparoskopischer Operation. Ergebnis laut Shields: Die Mortalität bei der Lavage beträgt 4,1%, bei der Operation 10,1%. Nun sind solche Registergruppen bekanntlich nicht zwangsläufig vergleichbar. Deswegen gibt es jetzt erste Multicenterstudien, die die Lavage in randomisiert-kontrolliertem Design evaluieren. Dazu gehört die irische LAPLAND-Studie, bei der „Hartmann“ und Lavage bei Divertikulitis-Patienten im Hinchey-Stadium III ins Kopf-an-Kopf-Rennen gehen. An dieser Studie können sich auch noch chirurgische Zentren aus anderen Ländern beteiligen.

147 Wertungen (4.35 ø)
Allgemein

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27 Kommentare:

Herr Schröter,
schon bei den alten Griechen waren ad hominem – Argumente in einem philosophische Disput streng verboten. Sie reden zwar von ratio und Logik,
bringen aber keinerlei Sachargumente gegen den Fakt,
dass die Beschränkung auf die Peritonitis-Behandlung, siehe meinen Beitrag 1 nicht nur “funktioniert”,
sondern offensichtlich den Patient schont, also besser ist.

Ihre erneuten “Koryphäenzitate” ohne Sachargumente offenbaren eher den Widerstand gegen einen fundamentalen Fortschritt in der Bauchchirurgie, die videoskopische Chirurgie (MIC).
Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass diese Entwicklung NICHT deutschen chirurgischen Universitätsabteilungen ausgegangen ist.

Die diffuse Peritonitis ist eine besonders geeignete Erkrankung dafür.
Ich wiederhole, seit Anfang der 90ger Jahre mache ich nichts anderes!

Über ihre juristischen Ausflüge kann ich nur lachen.
Höchstrichterliche Leitlinie ist auch heute das Wohl des Patienten, nichts anderes.

Gruß

#27 |
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Au weia! Diese Diskussion und deren Sti(e)l sind ein klarer Fall für Valium-Raumspray durch den Anästhesisten jenseits der grünen “Blut-Hirn-Schranke”…

…es stellt sich die Frage erneut, warum manche Ärzte Pathologen oder Rechtsmediziner werden…

…denn da pöbelt idR KEINER herum…

Ist es andererseits nicht eher erfreulich, wenn sich das Repertoire der operativen Interventionen erneut erweitert und unsereins – je nach Lage des individuellen Kasus – eine noch breitere Wahlmöglichkeit im Vorgehen hat?

Ich sehe das immer von der Seite – auch hier!

…und Sie, werte Kollegen, Sie etwa AUCH?

Allen einen FRIEDLICHEN Abend und kein chirurgisches oder verbales Gemetzel. Danke.

#26 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

In Deutschland wäre eine Studie wie die von Mr Shields bei einer perf. Div.itis im Hinchey-Stadium III

Lavage versus Hrtmann schon von der Ethikkommission nicht gemehmigt worden.

Zur Beurteilung dieses rel. unbekannten Dr. Shields soll man sich nur mal die Realität dort des Gesundheitssystems in den KH ansehen,
oft genug eine Katastrophe im NHS.

Es gab auch vor 1997 x Studien, wo viele Chirurgen meinten, irgendwelche pers. Meinungen nicht nur mit statistisch falschen, sondern auch oft noch gefälschten Studien durchdrücken zu müssen.

Das wurde dann von guten deutschen Studien und den namhaften Chirurgen wie Herfarth und Siewert pp aufgeräumt !

MfG.

#25 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Dieser völlig unbekannte Dr. Schröter……

Merken Sie sich eins Herr Bayerl:

1. Bin ich allenfalls für Sie unbekannt.
2. Hängt gute Arbeit nicht von Ehre, Ruhm, ggf. selbstgemacht und damit vom Bekannsheitsgrad ab.
Diese arrogante Standesdenken, genau das, verursacht die meisten Kunstfehler.

Dadurch enstehen in Deutschland pro Jahr 17 000 Kunstfehlertote und schwer Beschädigte,
und Menschen werden oft zu Recht zu Ärztehassern.

Gute Medizin ist logisch, rational und klar und kann jedem Patieten plausibel gemacht werden. Dazu ist ein Arzt auch rechtlich bis ins Detail verpflichtet.

Einen schönen Gruß von allen namhaften großen deutschen Universitätschirurgen in diesem Fall.

Sie werden es Ihnen danken, wenn Sie das tun, was seit Jahren Pflicht ist.

MfG.

#24 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Einen Leistenbruch kann man gut per TAPP oder TEP oder TEPP lap. operieren. Das machen auch die Unis, da das Verfahren besser als Shouldice ist.
Das haben NICHTS, aber auch gar nichts mit einer grob fehlerhaften Nichtresektion eines bei Div.itis chrnosch entz. und perf. Darms zu tun.
Interessant, dass ein über 70j. Arzt in 2011 wider ALLE gängigen chir. Standards, Lehrmeinung und gar Gutachtenmeinung spricht.

Wahrheit hat auch nichts mit dem Alter zu tun. Sie sollten vllt. schon mal bei Ihrem Denken und Worten anfangen:

Eine Peritonitis übernäht man nicht. Übernäht will allenfalls eine Perforation.

Gute Arbeit fängt im Kopf, in der Logok, in der Ratio und im klaren Denlen an.

Dazu kommt dann ein Arzt mit Moral,Ehtik und Anstand und mit wissenschaftlich exaktem Arbeiten.

Sie können gerne weiter und bis in alle Ewigkeit den Standarda der dt. Chirurgie widersprechen. Für mich zeigen Sie nur, wo Sie stehen, wenn Sie selbst Herfarth, Siewert, Büchler uvm. widersprechen.

Und gegen Kunstfehler habe ich etwas, davon habe ich 1000e erlebt.

Zum Schluss spricht bei diesen dann die Justiz ein Urteil.

MfG.

#23 |
  1

dieser völlig unbekannte Dr. Schröter schreibt:

“und eine OP ohne Resektion IST EIN GROBER KUNSTFEHLER !!
Es ist unverschämt, Herr Bayerl, dass Sie es WAGEN, in 2011 öffentlich das Gegenteil zu behaupten”

Wollen Sie damit ausdrücken, dass es unverschämt sei,
dass ich eine Peritonitis regelmäßig erfolgreich und ohne Darmresektion beseitige?
FALSCH, es nützt dem Patienten, das ist mein Job.
Nun ja, damit müssen Sie wohl leben,
ich werde es weiter tun,
genau so,
wie ich lieber einen Leistenbruch von innen
als von außen (wie viele Universitäten) repariere.

Und ich bin ausnahmsweise nicht jünger als Sie,
sondern viel älter und erfahrener
und operiere noch.

mfG

#22 |
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Sehr geehrte DocCheck- Moderatoren, sollte man nicht einensolchen Thread abbrechen, sobald er unter dem primären Anspruch einer wissenschaftlich-klinischen Diskussion das Niveau einer Wirtshauskeilerei erreicht? Das Ganze hier ist sehr ermüdend und ist sichern nicht zum Wohl des Patienten.
Wenn die nächstenDocCheck- Threads wieder den gleichen unsachlichen Ton aufweisen, werde ich mein Abonnement kündigen.
Freundliche Grüße

#21 |
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Nichtmedizinische Berufe

Sehr geehrte Leser,

aufgrund von Beschwerden verschiedener User wurden einige Beiträge in dieser Diskussion durch die DocCheck News Redaktion editiert oder gelöscht.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr DocCheck News Team

#20 |
  0
Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Sehr g. Frau Hayit !!

Verdrehen SIE doch nicht die Fakten, weisen Sie die VERURSACHER strafrechtlich relevanter Pöbeleien auf die NETTIQUETTE und das deutsche Strafrecht hin !

Und für SIE habe ich immer noch einen Titel !

MfG !!

Zitat:

Lieber Herr Schröter,
viele Ausrufezeichen, auch an unpassender Stelle und gedoppelt, und sinnlose Großschreibungen ersetzen ebenso wenig gute Argumente wie eine gossenhafte Ausdrucksweise bei einem medizinischen Thema. Sie sind vielmehr Ausdruck eines Mangels an sachlichen Argumenten.
Herr Bayerl ist mir aus seiner Zeit als Chefarzt in Herten-Westerholt gut bekannt und einer der ersten und besten laparoskopischen Bauchchirurgen Deutschlands. Sein Beitrag ist nicht halb so verwirrt wie ihre hier präsentierte verbale Diarrhoe.

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Sehr geehrter Herr Schröter,

bitte beachten Sie die Netiquette.

Vielen Dank

Ihr DocCheck News Team

#18 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

…lavagieren… (korr.)

#17 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Ach, Herr Bayerl,
Ihre perforierten Blinddärme lavagen Sie nun auch nur, ohne sie zu operieren ??
Das wäre weiter ein grober Fehler !

Lavagieren ohne Resektion ist Grenzmedizin, und wenn man Glück hat, überlebt es der Patient dank der von Ihnen hochgelobten Selbstheilungskräfte des Peritoneums und der Abdeckung durch das Omentum majus.

Das Ganze ist aber NICHT wissenschaftlicher Standard, sondern auch nach Gutachtermeinung eher kunstfehlerhaft !

Herr Aumann und andere sagen es wohl ganz klar, was hier Sache ist !

Nur weil ein paar irische Ärzte 2008 plötzlich eine mittelalterliche und mic Sicherheit falsche Studie veröffetnlichen, die bei genauer Analyse sicher so ziemlich alle Fehler enthält, die man machen kann, wird hier der wissenschaftliche Fortschritt nicht um 20 Jahre zurückgedreht !

Immerhin sind durch falsche Therapien und gerade Nicht-Resektion 100e von Patienten gestorben !

Seit mehr als 15 Jahren ist die einzeitige OP MIT Resektion Standard,

und eine OP ohne Resektion IST EIN GROBER KUNSTFEHLER !!

Es ist unverschämt, Herr Bayerl, dass Sie es WAGEN, in 2011 öffentlich das Gegenteil zu behaupten

und den Rückschritt ins medizinische Mittelalter propagieren mit Schaden für die Patienten !

Sie scheinen ja große deutsche Chirurgen wie meinen Lehrer Prof. Herfarth, Prof. Siewert, Bittner, Bücherl etc pp

mit Ihrer Meinung regelrecht zu verachten !

Was Sie hier abliefern, und der herumpöbelnde Internist Podlaha

ist eine HOCHGRADIGE UNVERSCHÄMTHEIT !!!

Und kein Deut mehr !

Man sollte solche Außenseitermeinungen und -medizin, die klare Gefahren für den Fortschritt und Menschen darstellen hier

konsequent UNTERBINDEN !

Es kann ja nicht einfach jeder machen was er will !!

Aber bei Mr Podlaha sieht man ja, dass er sich vor lauter Brass noch nicht mal meint, an die deutschen Strafgesetze halten zu müssen !!

MufG !

#16 |
  1

zu #14, #15
Nun, Herr Kollege Schröter,
Sie scheinen nicht lesen zu können.
Die von Ihnen geforderte Studie ist ja hier Thema des Beitrages, also mäßigen Sie doch Ihren Befehls-Ton.
“Ergebnis laut Shields: Die Mortalität bei der Lavage beträgt 4,1%, bei der Operation 10,1%.”
Und argumentieren Sie nicht ad hominem, wenn Sie Wert auf einen normalen Ruf legen.

#15 |
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zu #8 und #13
der Artikel und mein Beitrag beschreibt nichts weiter,
als die offenbar wenig genutzte Möglichkeit im Falle einer FREIEN PERFORATION, also einer diffusen Peritonitis die Behandlung auf die Peritonitis zu beschränken OHNE Darmresektion!
Der Hinweis am Anfang des Artikels ( Dr. Gian Andrea Binda, Genua, bei einer Divertikulitis-Konferenz in Köln ) zeigt auch die Logik des Vorgehens,
da diese freie Perforation offenbar eher am Beginn einer Divertikulitis und nicht am Ende der Entwicklung steht und die Darmwand bis auf das “Loch” noch recht normal aussieht. Das ermöglicht eine (winzige) Naht, wenn überhaupt.
Konsequent ist diese Spülung natürlich laparoskopisch, denn der Eiter wird nicht in frische Wundflächen getragen, die Sicht in die ganze Bauchhöhle ist eher besser als schlechter.
Und schließlich ist die klinische Erholung nach so einer Nur-Spülung (ohne Bauchschnitt) geradezu dramatisch.
Man muss es erlebt haben. Ich nenne es gerne “das Wunder des (intakten) Peritoneums”,
man kennt das doch von der schweren Appendizitis.

Eine spätere elektive Sigmaresektion ist für die meist älteren Patienten deutlich gefahrloser!

Man sollte sich bei der Spülung allerdings zurück halten, irgendwelche Medikamente oder gar Antiseptika der einfachen angewärmten physiologischen Kochsalzlösung zuzufügen,
na klar, auch das ein Streitthema :-).

mfG

#14 |
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Seit 40 Jahren beschäftige ich mich mit der Chirurgie, war über 25 Jahre in leitender Position und schwerpunktmäßig Coloproktologe. Ich erlebte noch den Streit um die dreischichtige Darmnaht und endete bei der Diskussion um die Notes- Chirurgie. Mittlerweile ist es mangels echtem chirurgisch- wissenschaftlichen Fortschritt modern, sog. alte Zöpfe abzuschneiden. Das beginnt mit den Drainagen, der Magensonde, der Darmvorbereitung, der Fast-track-surgery und nun offensichtlich mit der Abschaffung fester Glaubenssätze. Wer in jahrelangem Umgang mit der Darmchirurgie den Respekt vor der Diverticulitis und ihren mitunter grauenhaften Folgen vermissen läßt, ist entweder ein Ignorant oder ein Glückskind oder er hat su wenig operiert. Ich jedenfalls hatte nie den Mut, mit Spülungen allein oder “mit der Bombe im Bauch des Patienten” tagelang abzuwarten. Auch angesichts drohender Minderversorgung an den Wochenenden war die Entscheidung zur Operation für den Patienten von Nutzen. Entsetzen ergreift mich, wenn in Chirurgenkreisen die Antibioticatherapie bei entzündlichen Prozessen im Bauchraum wieder fröhliche Urständ feiert. Dies war kürzlich beim Symposium am Benjamin Franklin Klinikum Berlin/ Allgemeinchirurgie bezüglich Diverticulitis und sogar Appendicitis ein ernsthaft diskutiertes Thema. Wir nähern uns offensichtlich in einer Zeit des zunehmenden chirurgischen Nachwuchsmangels der Lösung, indem wir auf seine Hilfe verzichten….Wie wollen wir aber unsere “neuen Erkenntnisse” mit unserer Seelenruhe und den Anforderungen der Gerichte vereinbaren?

#13 |
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Krankenpflegehelfer

Als OP-Pflegekraft kann ich über die Art, wie hier über eine Landläufige Standard Therapie bei durch eine GI-Perforation Bedingte Peritonitis, Nähmlich die Lavage – auch mal als Etappen Lavage, “Rumgerdet” wird, nur den Kopf Schütteln.Ob die über eine Laparoskopie oder Laparotomie geschieht, Entscheidet man am Tisch.
Meine Empfehlung Prof. Anthuber vom ZK Augsburg !

#12 |
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Dr. Knut Bedbur
Dr. Knut Bedbur

Ich habe vor 12 Jahren in den USA eine Resektion des Colon durchführen lassen – einmal OP – und lebe seitdem beschwerdefrei. Vorher häuften sich die Entzündungen in immer kürzeren Abständen. Den Artikel und die darin erwähnten Erfahrungen stimmen nicht mit meiner Erfahrung überein.

#11 |
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Dr. med. Rüdiger Podlaha
Dr. med. Rüdiger Podlaha

Lieber Herr Schröter,
viele Ausrufezeichen, auch an unpassender Stelle und gedoppelt, und sinnlose Großschreibungen ersetzen ebenso wenig gute Argumente wie eine gossenhafte Ausdrucksweise bei einem medizinischen Thema. Sie sind vielmehr Ausdruck eines Mangels an sachlichen Argumenten.
Herr Bayerl ist mir aus seiner Zeit als Chefarzt in Herten-Westerholt gut bekannt und einer der ersten und besten laparoskopischen Bauchchirurgen Deutschlands. […von der Redaktion bearbeitet]

#10 |
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Dr. med. Rüdiger Podlaha
Dr. med. Rüdiger Podlaha

Liebe Kollegen,
ein hochinteressanter Beitrag und eine ebenso wichtige Diskussion. Schön, mal wieder etwas von Dr. Bayerl zu hören – viele Grüße aus Marl!
Nur schafft es leider kaum noch ein Mediziner oder Medizinjournalist, Mortalität und Letalität auseinanderzuhalten:
die Mortalität oder Sterberate ist ein demographischer Begriff und bezieht sich auf die Gesamtpopulation in einem definierten Zeitraum, die rohe Mortalität wäre die Anzahl der Todesfälle pro Gesamtbevölkerung pro Zeit, beispielsweise pro 1000 Personen und Jahr – eine krankheitsspezifische Mortalität von 3% wäre grausam, wo es doch noch so viele andere Todesursachen gibt.
Die Letalität bezieht sich auf die beobachtete Gruppe mit derselben Erkrankung oder Therapie, genauer meint sie das Verhältnis der Anzahl der Verstorbenen zur Anzahl von Neuerkrankungen.
Kurz:eine Krankheit geht gelegentlich letal aus, nicht mortal.
Mortal ist das Leben als solches.

#9 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Guten Tag Herr Bayerl ! Sie schreiben aus meiner Sicht etwas wirr.
Genauso wirr ist aber auch der Artikel hier !

Die Lavage ist KEINE Alternative zur OP/Resektion ! Die lavage soll nur die Hartmann-OP verhindern ! Das ist alles !

Der Artikel hier ist voll itteführend, vor allem in den letzten Absätzen !

Das Thema ist eh eher banal ! Jeder Chirurg wird vor einer OP/Resektion lavagieren, ob nun offen oder lap.
das ist so banal wie Klossbrühe !

Es ist nur die Frage, ob man ein- oder zweizeitig nach Hartmann operiert !

Diese Frage ist aber völlig ALT !! und längst überholt !

Schon in den 90ern wurde immer wieder in Studien nachgewiesen, dass die einzeitige OP fast IMMER möglich ist ohne großes Risiko, sogar bei eitriger Peritonitis, wenn man genügend spült !

Allein bei schwerer fäkaler Peritonitis ist 2zeitig zu verfahren ! Wobei insgesamt aber der Zustand des Patienten die entscheidende Rolle spielt, Alter, Nebenerkrankungen etc pp

DAS ist viel wichtiger !

In Tierversuchen haben selbst Nähte/Anastomosen bei fäkaler Peritonitis keine Insuffizienz gezeigt.
Diese kommt eher von den Nebenfaktoren schwerer Komorbidität !

Die Angst von Chirurgen vor ANASTOMOSENINSUFFIZIENZ bei eitriger Peritonitis ist also völlig unbegündet,

sondern diese ist von der Komorbidität des Patienten abhängig !

Leider wird die einzeitige OP oft aus Angst immer noch zu wenig praktiziert.

Es ist seit mehr als 10 Jahren bekannt, dass die Hartmann OP nur bei fäkaler P. oder schwerer eitriger P. mit erheblicher Komorbidität erfolgen sollte.

Insofern verstehe ich diesen Artikel auch nicht, das Thema ist ein alter Hut.
Oder muss jemand unbedingt was schreiben ??

Hauptpunkt ist wieder mal, und wie immer, die mangelnde Umsetzung wissenschaftlicher EINDEUTIGER Ergebnisse in der Praxis, aber das ist auch ein gesellschaftliches Problem und vor allem das Problem schlechter Ärzte/Chirurgen.

Hehre Reden und Ideale überall, aber die Praxis sieht ganz anders aus !

MfG !

#8 |
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Altenpfleger

Ich habe vor 6 Jahren in der Erler-Klinik in Nürnberg eine labaroskopische Sigmaresektion erfahren von Dr. Eibel Eibelsfeld, die 1. Problemlos verlaufen ist und
2. Keine Probleme mehr bereitet.
Dur die ständigen Entzündungen hatte sich ein großer Pseudotumor gebildet, der zsätzliche Schmerzen bereitet hat.
Ich bin jetzt 65 Jahre.

#7 |
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Herr Graetzel,
können Sie erklären,
warum Sie meinen Beitrag gelöscht haben?

#6 |
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pardon, … oder Herr Dobra?

#5 |
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@ Sehr geehrte Frau Dobra

Die Frage nach der “Weiterbehandlung” nach erfolgreicher Ersttherapie ist nur individuell zu beantworten.
Früher habe ich die generelle laparoskopische Sigmaresektion “im freien Intervall”, also zum Zeitpunkt der Wahl empfohlen,
aber wie der Beitrag von Herrn Graetzel ja andeutet, ist die Prognose der (seltenen!!!) primären freien Perforation gar nicht so schlecht
und für eine Indikation zur Dickdarmresektion, ob laparoskopisch oder nicht, benötigt man eine konkrete Indikation,
die heute neben der Klinik Gott sei Dank nicht nur die Coloskopie, sondern die Röntgen-CT Untersuchung (Wandverdickung, Stenose, lokale Abszedierung etc.) ganz hervorragend liefern kann.
Mit anderen Worte,
heute ist es nicht selten auch eine definitive Therapie.

Gruß

#4 |
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Ergänzung:
gemeint war natürlich:
der zusätzliche Nahtverschluss der Peritonitis-Quelle,
also das “Loch” im Dickdarm (oder im Magen etc.)

#3 |
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Dr. Adem Dobra
Dr. Adem Dobra

Es ist mir unklar was passiert im Verlauf , ist die Lap. Lavage als endgültige Operation zu verstehen oder nur als Übergangslösung statt Hartmann-OP.MFG Dobra

#2 |
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Sinnvoll ist die Lavage bei jeder Form von Peritonitis,
selbstverständlich besser NICHT blind, sondern unter Sicht,
also laparoskopisch.
Nur dabei kann man und muss man entscheiden ob die Quelle der Peritonitis verschlossen werden muss oder kann.
Bei der Magen(ulcus)-Perforation muss sie IMMER verschlossen werden,
bei der Dickdarmdivertikelperforation ist sie tatsächlich häufig zugeschwollen und muss nicht unbedingt zugenäht werden. Behandelt wird also primär die Peritonitis.
Und dazu gehört selbstverständlich auch die Bauchdrainage nach der Spülung. Sie zeigt Erfolg oder Misserfolg schon nach ca. 24 Stunden.
Besser als die reine Spülung ist der zusätzliche Nahtverschluss der Peritonitis -eine einzige kleine Naht (z.B. Flaschenzugnaht) – selbstverständlich auch laparoskopisch. Eine “Anastomose” ist bereits eine Übertherapie.
So kommt man mit der Kombination von gezielter Spülung unter Sicht, Verschluss der Perforation und Drainage auf eine Mortalität von 0%.
Ich mache das seit 15 Jahren, exakt das gleiche Vorgehen, wie bei der iatrogenen Colonperforation bei einer Coloskopie.
Mortalität 0%.
Die letzte vor ca. einer Woche. Der über 70-Jährige ist heute nach Hause gegangen.
Das ist minimal invasive Chirurgie.

#1 |
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