Krankenhäuser: Ruf nach dem Kapitalinfusor

24. Juni 2015
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Ohne Geldspritzen wird jedes achte Klinikum bis 2020 vom Markt verschwinden. Besonders oft schreiben staatliche Einrichtungen rote Zahlen, während private Träger relativ solide aufgestellt sind. Kommt es in den nächsten Jahren zur längst überfälligen Marktbereinigung?

Beim letzten Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit sorgten Zahlen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) für rege Diskussionen. Bis 2020 werden etwa 16 Prozent aller Krankenhäuser von der Insolvenz bedroht sein – vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen und Niedersachsen. Einrichtungen in den neuen Bundesländern stehen mittlerweile gefestigt im Markt. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen verschwindet bundesweit jedes vierte öffentliche Krankenhaus vom Markt. Nur jeder 30. privaten Einrichtung droht das Aus. Als Basis der Untersuchung dienten 750 Jahresabschlüsse. Wie kommt es zu dieser Entwicklung – und sind öffentliche Kliniken heute noch erforderlich?

Warten auf Moneten

Professor Heinz Lohmann, wissenschaftlicher Leiter des Fachkongresses Krankenhaus Klinik Rehabilitation, nennt beim Hauptstadtkongress mögliche Gründe: „Den Unterschied machen nicht die Ärzte, die Krankenpflegekräfte oder die Manager aus, sondern die Gesellschafter.“ Lohmann bezeichnet öffentliche Träger dabei als „lausige Gesellschafter“. Ihrer Verpflichtung kämen sie nur ansatzweise nach, vor allem bei ökonomischen Fragen. Der jährliche Finanzierungsbedarf liege bei 5,3 Milliarden Euro, erklärt Dr. Sebastian Krolop, Coautor der RWI-Studie. Von den Bundesländern kämen aber nur 2,7 Milliarden Euro. Das Fazit: ein Investitionsstau von mindestens zwölf Milliarden Euro.

Aus die Maus

Ändert sich an dieser Situation nichts, wird so manches Haus für immer seine Pforten schließen. Dr. Boris Augurzky, Forscher am RWI, sieht vor allem Marktaustritte und Steigerungen der Produktivität als logische Konsequenzen. Sein Institut hat simuliert, dass 205 kleinere, meist öffentliche Einrichtungen in den nächsten Jahren schließen, also zehn Prozent aller Einrichtungen. Dabei soll es zu keiner Verschlechterung der Versorgung kommen. Mit derartigen Maßnahmen ließen sich 700 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden, so Augurzky. Er bringt einen Strukturfonds aus Bundesmitteln in das Gespräch, der – ähnlich einer „Bad Bank“, die faule Klinken aufkauft und konsolidiert, sollte es keine andere Perspektive mehr geben. Dafür seien anfangs etwa 2,7 Milliarden Euro erforderlich. Dem gegenüber stünden Erlöse über den Handel mit Case Mix-Punkten. Öffentliche Häuser – ein überflüssiges Relikt früherer Tage, reif für die Konsolidierung? Ganz so einfach ist die Sache nicht.

Wer die Wahl hat

Private Konzerne haben vor allem einen Fokus: die Gewinnoptimierung. Mediziner sind mehr als skeptisch. So zeigte eine Befragung der Unternehmensberatung Rochus Mummert klare Tendenzen bei angehenden Chefärzten. Für sie sind Kliniken öffentlicher Träger mit Abstand die attraktivsten Arbeitgeber, gefolgt von freigemeinnützigen und konfessionellen Krankenhäusern. Privatwirtschaftlich orientierte Kliniken haben den schlechtesten Ruf, vor allem aufgrund ihrer stark wirtschaftlichen Orientierung. Ärzte befürchten, einen Arbeitsalltag zu erleben, der stark von Profitgedanken geprägt ist. Sie sehen soziale Kompetenzen, die als wichtiges Kriterium der Arbeitgeberattraktivität gelten, vor allem bei konfessionellen Einrichtungen, frei-gemeinnützigen oder öffentlichen Trägern. Privatwirtschaftliche Kliniken erreichen auf der Sozialkompetenz-Skala deutlich niedrigere Werte.

Vater Staat hält sich raus

Wer hier ausschließlich den ärztlichen Bereich betrachtet, übersieht einen zentralen Aspekt: Deutschland bekennt sich im Grundgesetz unter anderem zum Sozialstaat als unabänderlichem Wert. Zur Daseinsvorsorge gehören im weitesten Sinne auch Krankenhäuser. Über Jahre hinweg hat sich in diesem Bereich eine Vielfalt an Trägern bewährt: Einrichtungen der öffentlichen Hand orientieren sich stark an gesundheitspolitischen Erwägungen, während bei „Tendenzbetrieben“ weltanschauliche Erwägungen im Mittelpunkt stehen. Und nicht zuletzt versuchen private Einrichtungen, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften. Dieses Gleichgewicht gerät mehr und mehr aus dem Ruder, sollten private Träger die Oberhand gewinnen. Ökonomische Argumente führen in die Sackgasse, wie Lehren aus der Vergangenheit zeigen. Um mehr Wettbewerb zu schaffen, wurden Strommärkte liberalisiert. Genau das Gegenteil ist eingetreten – heute beherrschen wenige Konzerne den Markt. Ähnliche Effekte könnten über kurz oder lang bei Kliniken wiederholen.

Um diesen Trend zu stoppen, müsste Vater Staat allerdings das Management seiner Krankenhäuser deutlich verbessern. Solange Parteibücher über die Vergabe von Klinikpositionen entscheiden, wird sich der Privatisierungszug nicht aufhalten lassen.

68 Wertungen (4.35 ø)
Gesundheitspolitik, Medizin

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18 Kommentare:

Gast
Gast

“Die Medizin” hat sich grundsätzlich nach den Patienten zu richten, nicht nach irgendwelchen Ärzten oder “Organisationen”. Gerade der Ältere, also die große Mehrheit benötig Vertrauen, wozu natürlich auch seine Muttersprache gehört.

Ich erinnere mich an einen alten Patienten der ein (langsam wachsendes) Muskel-Sarkom entwickelt hat und deshalb in ein überregionales Uni-Tumorzentrum geschickt wurde, dazu musste er schon ein bischen überredet, nach 2 Tagen war schon wieder zurück (er ist abgehauen) im kleinen Heimatkrankenhaus und auf Nachfrage gab er als Grund an, er hätte in den 2 Tagen 4 oder mehr verschiedene (junge) Ärzte getroffen, keine von ihnen wusste genau über seinen Fall bescheid und konnte ihm seine Fragen nicht beantworten oder seine Angst nehmen.
Vor dem Sterben hatte er eigentlich keine Angst, aber vor der unpersönlichen Uni.
Akzeptiert auch von uns. Wir haben, da das Ding langsam weiter wuchs, zwei oder drei mal nur eine Lokalexzision gemacht, so radikal wie eben möglich, immer mit Schweiß auf der Stirn wegen dem mitten drin liegenden großen Gefäß-Nerven-Strang, dessen Zerstörung zur Amputation geführt hätte.
Das ging gut, er war überwiegend zuhause bei seinen (erwachsenen) Kindern und ist dann irgendwann friedlich eingeschlafen, nicht wegen dem Sa. :-)

#18 |
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Gast
Gast

Englisch als Sprache in Deutschland führt unweigerlich zur Primitivisierung und Simplifizierung,
sowieso ein gewisser Trend.

#17 |
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Mario Miksch
Mario Miksch

@ Dr. med. Frau Hänicke: Die von Ihnen angesprochene Mitarbeiterfluktuation, scheint zunächst plausibel. Aber: Sollten Sie sich damit auseinandergesetzt haben dürfte Ihnen schnell aufgefallen sein, dass die von Ihnen angesprochenen Mitarbeiterfluktuationsraten von Krankenhäusern meistens zwischen 2,5 und 5,5 % liegen. Damit liegen diese noch deutlich unter denen der Industrie. Dies mag auch gesellschaftlich begründet sein. Die höhere Mobilität des Personals und die gesunkene Scheu den Arbeitsplatz zu wechseln sollten dieses „Phänomen“ in den nächsten Jahren noch deutlich steigern. Dies könnte aber mittelfristig durchaus zu besseren Arbeitsbedingungen führen. Bei Universitätskliniken liegt diese Rate übrigens im oberen Bereich. Bezüglich des gehetzten Personals bin ich der Meinung, dass eine Erhöhung des Pflegeschlüssels bei mehr Delegation bzw. Übertragung ärztlicher Tätigkeiten zur Entzerrung führen könnte.
@ Dr. med. Frank Bollig: Die Zieldichotomie von Formal- und Sachzielen könnte diese Qualitätsfrage theoretisch beantworten. Den Link zur empirischen Studie poste ich noch zeitnah.
Das Universitätskliniken kompliziertere und anspruchsvollere Fallgruppen zugewiesen werden stimme ich Ihnen zu. Universitätskliniken streben jedoch danach, dieses Patientengut zu behandeln und sind auch auf Grund der Trägerstruktur etc. nicht direkt mit privaten Krankenhäusern zu vergleichen. Aber auch private Träger (genau wie öffentliche oder freigemeinnützige Träger) versuchen diese komplizierten Fälle aufzunehmen um ihre Reputation zu verbessern. Dies ist jedoch leider oftmals nicht möglich, da Universitätskliniken priorisiert mit diesen bedient werden. (Als „gutes“ Negativbeispiel kann hier die Universitätsklinik Heidelberg herangezogen werden) Rückschlüsse auf den Lehrcharakter eines Uniklinikums sind hier unabdingbar. Wie sie sicherlich wissen steht die Privatisierung von Uni-Kliniken bereits im Raum – Ausgang offen (aber Realisation noch fraglich).

Ihr Problem mit der Sprachbarriere verstehe ich und sehe dies als durchaus sehr kritisch an. Jedoch gehe ich im Zuge der Internationalisierung durchaus davon aus das sich in bestimmten Bereichen Englisch als medizinische Arbeitssprache durchaus etablieren könnte/sollte.

#16 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

” …. Wenn Ärzte dazu gezwungen werden immer nur auf den Gewinn zu achten”,
das ist nicht richtig, jeder hat seinen wichtigen Beitrag zu leisten. Selbstverständlich muss beim Arzt die korrekte Behandlung im Vordergrund stehen, auch wenn er gelegentlich darum kämpfen muss, menschlich immer besser mit einem Lächeln und Überzeugungsarbeit, denn er haftet auch im Zweifelsfall ALLEINE dafür.
Das “Durchsetzen der Bezahlung” ist dagegen primär die Aufgabe von “Ökonomen und Juristen”, schon “Codierungen” sind letztlich externe Vorschriften, auch wenn sie die Realität nur unvollständig abbilden, für die der Arzt daher NICHT verantwortlich ist.

#15 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Alle schreien nach Geld. Das ist die “Amerikanisierung” der Gesellschaft.
Da bei uns in Deutschland allerdings die Finanzierung von Bau, Einrichtung und Erhaltung der Krankenhäuser durch den Steuerzahler erfolgt (und den Trägern geschenkt wird), ganz im krassen Gegensatz zum niedergelassenen selbständigen Arzt,
ist die Entwicklung von Aktiengesellschaften (Helios), zunehmend sogar ausländische “Investoren” (Goldmann Sachs bei Röhn-Klinikum) eine Fehlentwicklung, über die viel zu wenig gesprochen wird. Insbesondere sollte “Gewinn” mit geschenktem Kapital und auch die Ausdehnung in den selbst finanzierten ambulanten Bereich schlicht verboten werden.

#14 |
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Assistenzärztin
Assistenzärztin

Die Arbeit die in der Klinik geleistet wird, in der ich lerne und arbeite, wäre mit Sicherheit genug wert um die Kosten der Behandlung, Pflege, Versorgung, Reinigung, Verköstigung, Reparaturen und Materialbeschaffung und meinetwegen auch (zumindest teilweise) den “Wasserkopf” mit den “Stiftehaltern” zu finanzieren (schön gesagt Frau Feit). Aber leider ist den Kassen unsere Arbeit das nicht wert! Wir bekommen für unsere Arbeit nunmal nicht genug bezahlt und wenn unser Casemanagement mir nicht helfen würde meine Briefe sauber und wahrheitsgemäß zu codieren würden wir sogar noch draufzahlen!! Die Kassen hingegen erwirtschaften Jahr für Jahr Gewinne indem sie das Geld das eigentlich für die Behandlung der Beitragszahler gedacht ist für sich behalten. Den Kliniken und Ärzten wird dann vorgeworfen aus Profitgier unnötige Behandlungen und Diagnostik durchzuführen oder Akten zu manipulieren (hat mir tatsächlich ein Kassenmitarbeiter mal so gesagt) und das Geld das eigentlich den Patienten zusteht wird für Sachbearbeiter ausgegeben die Akten auf Schreibfehler prüfen um von den Kliniken Geld zurückerstreiten zu können. Sicher gab es schwarze Schafe die genau das getan haben, aber ist das ein Grund das Geld der Beitragszahler für sich zu behalten und auch die ehrlichen Ärzte und Kliniken totzusparen und totzuprüfen?
Ich weiß das klingt jetzt naiv, aber meiner Ansicht nach sollte weder eine Kasse noch eine Klinik dazu da sein um Gewinne zu erwirtschaften > das Geld gehört den Beitragszahlern, es ist nur geliehen. Wenn Ärzte dazu gezwungen werden immer nur auf den Gewinn zu achten werden wir damit unseren Patienten nicht mehr gerecht.

#13 |
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Heilpraktikerin

Wie bereits mehrfach erwähnt picken sich die privaten Träger meist die Rosinen raus. Ich arbeite in einem staatl. Krankenhaus der Maximalversorgung. 24h/365 Tage Vorhaltung von Notfallversorgung und Übernahme jener Patienten, die in den umliegenden Privaten Häusern Komplikationen bieten. Da oft in diesen Kliniken nachts oder Wochenende keine Versorgung stattfindet, bzw. Komplikationen nicht beherrscht werden können, werden diese Patienten in der Regel in die meist staatl. Häuser der Maximalversorgung verlegt, wo mitunter ein wochenlanger Aufenthalt folgt und die vollständige Finanzierung dieser aufwändigen Behandlung durch den medizinischen Dienst abgelehnt wird. Wie sollen unter diesen Umständen schwarze Zahlen geschrieben werden. Würden die Verursacher dieser Komplikationen die anfallenden Kosten selbst tragen müssen, könnte eine kostendeckene Versorgung dieser Patienten in staatlichen Häusern erfolgen.
Ich frage mich auch, welche Kosten dieses DRG-System selbst verursacht und ob das Geld für das Controling nicht besser dem Patienten zugute käme.

#12 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

@Herrn Miksch
Wenn das empirisch belegt sein soll (was ich sehr bezweifle), dann bitte ich um die entsprechende Studie.
Man darf hier auch nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Die Unikliniken und großen öffentlichen Häuser haben in der Regel ein ungleich komplizierteres und anspruchsvolleres Patientengut. Ein Nierenversagen nach EHEC Infektion oder eine komplizierte Revision einer Hüft-TEP landen in der Regel nicht in der Helios, Rhön, Fresenius Klinik. Rosinen raus picken nennt man sowas auch.
Im Übrigen hatte ich als Laborarzt jahrelang mit Helios Kliniken zu tun. Ich war beim Übermitteln und Diskutieren der mikrobiologischen Befunde (z. B. Ergebnisse der Blutkultur bei Sepsis) heilfroh, wenn ich einen Stationsarzt erwischte, der meine Sprache spricht und inhaltlich auf Augenhöhe ist.

#11 |
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Lieber Herr Miksch, haben Sie eine Ahnung, warum ausgerechnet Helioskliniken ständig Stellenanzeigen schalten? Weil die Mitarbeiter so überaus zufrieden mit den Arbeitsbedingungen sind? Und um die behaupteten Qualitätsverbesserungen, die “der Markt” bringt, belegen zu können, müssten ja wohl erst einmal entsprechende Kriterien definiert werden. Ich höre von Patienten jedefalls eher Klagen über gehetztes Personal, schlechtes Essen, fragwürdige Indikationen zu Untersuchungen oder Operationen.
Das ist keine Polemik sondern das wahre Leben, wie es in internationalen betriebswirtschaftlichen Journalen nicht unbedingt widergespiegelt wird.

#10 |
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Mario Miksch
Mario Miksch

Bei Diskussionen dieser Art herrscht oftmals viel Polemik bei wenig Inhalt.
Der Markt und dessen Wettbewerb führt unweigerlich zur Qualitätsverbesserung wie in verschiedensten Internationalen Journals empirisch belegt wurde. Dies trifft auch auf den deutschen Krankenhausmarkt zu. Wenngleich durch die Preisregulierung keine First-Best Lösung möglich ist, so tritt der Qualitätswettbewerb an die Stelle des Second-Best. Private Anbieter (z.B. Helios, Capio, etc.) liefern durch bessere Prozessabläufe und intelligentere Strukturen (empirisch belegt) eine wesentlich höhere Qualität bei niedrigeren Kosten.

#9 |
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Gast
Gast

Kommerzidiotie weltweit, mehr fällt mir dazu nicht ein!

#8 |
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Altenpflegerin

Diese Misere trifft nicht nur auf Krankenhäuser zu – leider auch auf unsere Alten-und Pflegeheime. Indem die einzelnen Häuser kirchlicher Einrichtungen in finanzielle Eigenverantwortung gegeben wurden, kann man froh sein, das noch Instandsetzung von groben Mängeln betrieben wird – ist ja kein Geld da. Die Ameisen, sprich die Pflegekräfte finanzieren die übergroßen Wasserkopf in der Hauptverwaltung, wo aus meiner Sicht nur Stiftehalter sitzen. Die Auslastung der Betten ist überdimensional wichtig, tw. ist das Bett noch warm vom Vorgänger. Die Pflegekräfte rennen sich die Füsse platt, um die Zimmer noch schnell vorzurichten bevor der nächste Heimbewohner kommt. Mal den ganzen Papierkrieg – also die computergestütze Dokumentation ausgenommen sind wir sehr weit von einer individuellen und bewohnerbezogenen Pflege abgerückt. Ware “Mensch”……

#7 |
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Ärztin

In einer Rehaklinik nördlich von Berlin erhielten die zumeist älteren orthopädischen Patienten vor zwei Jahren (vermutlich auch heute noch) lauwarmes Essen mit harten Kartoffeln, das von einem Billiganbieter in Niedersachsen mit Lastwagen herangekarrt wurde. Guten Appetit und gute Erholung. Hauptsache billig.

#6 |
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Es wird ja immer behauptet, “im System” sei massenhaft Geld. Das möchte ich mal bezweifeln, wenn ich den Zustand der Krankenhäuser und deren Personalausstattung ansehe.
Und das Problem ist auch nicht schlechtes Management. Wenn für die Regierung, egal von welcher Parteienkombination gebildet, immer nur Kostendämpfungspolitik betrieben wird (ebenso wie Sozialabbau), kann nichts anderes herauskommen.

#5 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Die privaten Krankenhäuser sind einfach nur skrupelloser:
– Drücken der Gehälter und Outsourcing. Vom Küchenpersonal bis zu den Pflegekräften
– Beim Einkauf von Laboruntersuchungen, Geräten, Materialien, etc. werden die Firmen und Zulieferer erpresst, zu Dumping Preisen zu verkaufen (kann beim Labor aus eigener Erfahrung berichten).
– Die medizinische Versorgung ist reduziert auf die maximale Abschöpfung von Fallpauschallen (Hüft-, Knie-TEPs, Herzkatheter, diverse andere OPs, etc.). Es wurde in verschiedenen Studien und Statistiken klar gezeigt, dass viele der o. g. Maßnahmen ohne Indikation und nur zum Abkassieren durch geführt werden.
– Um die verpfuschten und anspruchsvollen Fälle dürfen sich dann die Unikliniken und großen öffentlichen Häuser kümmern und werden dafür nicht entsprechend entlohnt.
Es ist massenhaft Geld im System. Nur landet es immer mehr im Säckel von privaten Aktionären statt in qualitativ hochwertiger Medizin.
Mit schlechtem Management hat das nur am Rande zu tun.

#4 |
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Prof. Dr. med. Michael Handrock
Prof. Dr. med. Michael Handrock

Ich denke auch, dass die Verbesserung des Managements in den Krankenhäusern der öffentlichen Hand der entscheidende Schritt gegen eine weitere Privatisierung unserer Krankenhauslandschaft wäre. Wir alle wissen, dass die Privatisierug der öffentlichen Krankenhäuser nicht der Stein der Weisen sein kann.Die Kommune glaubt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, indem sie ihr Krankenhaus , das ja nur kostet und das man sich daher nicht mehr leisten kann, an einen privaten Investor verscherbelt. Der macht erstaunlicherweise – fast über Nacht- daraus ein profitabes Unternehmen. Auf wessen Kosten dieser Profit geht, wissen wir inwischen nur allzu gut. Aber eine schwarze Null in den Krankenhäusern zu schreiben,das sollte doch die öffentliche Hand irgendwann auch selbst hinbekommen. Und wo steht eigentlich geschrieben, dass Krankenhäuser , deren Betrieb von unseren Zwangsbeiträgen für die Krankenkassen finanziert werden , dazu da sind, dass sich Helios, Asklepios und Konsorten eine goldene Nase verdienen?

Michael Handrock

#3 |
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Manfred Findeisen
Manfred Findeisen

Das ist genauso gelogen wie die Griechenland Rettung. Dort wo privatisiert wurde bestimmt die Gier nach Profit das Handeln. Die Gesundheit und der Mensch wird als Ware gehandelt. Man sollte mal die utopischen Gehälter der Geschäftsführer und Chefärzte reduzieren da reicht auch das Geld wieder. Aber das ist wie in der Politik und Regierung wo Posten an Hand des Parteibuches vergeben werden und nicht nach der Qualifikation und Eignung. Kein Wunder wenn überall die Karre an die Wand gefahren wird.

#2 |
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Johannes Reinders
Johannes Reinders

Wie bei vielen Hotels und bei Schiffen üblich sollten auch Kliniken trennen zwischen dem Gebäude-Eigentum- und -Betrieb und dem Klinikbetreiber, der
sich auf die Patientenversorgung konzentriert. Das eine hat mit dem anderen
nichts zu tun und sollte deshalb auch in der Buchführung getrennt werden.
Auch Altersheime unterscheiden ja zwischen der Zimmermiete, der Betreuung
und der Verköstigung. Was da funktioniert, warum sollte dies in Kliniken nicht
auch funktionieren ?

#1 |
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