Thymische B-Zellen: Umerzogene Entschärfer

12. Juni 2015
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Neben medullären Epithelzellen und dendritischen Zellen sind auch thymische B-Zellen wichtige antigen-präsentierende Zellen im Thymus. Dieser B-Zellen-Typ exprimiert ebenfalls das Aire-Gen und kann somit in der Thymusdrüse potenziell gefährliche T-Zellen außer Gefecht setzen.

In der Thymusdrüse gibt es antigen-präsentierende Zellen, die darauf spezialisiert sind, körpereigene Strukturen für T-Zellen sichtbar zu machen und so die Apoptose herbeizuführen. „Wir konnten bereits in früheren Untersuchungen zeigen, dass dabei ein spezialisierter Zelltyp eine wichtige Rolle spielt: die medullären Epithelzellen. Sie produzieren sämtliche körpereigenen Strukturen und präsentieren diese den T-Zellen. Gesteuert wird dieses Phänomen durch ein Gen, das Autoimmune Regulator (Aire)Gen“, sagt Prof. Dr. Ludger Klein von der Ludwig-Maximilians-Universität. Auf diese Weise wird praktisch ein Spiegelbild aller Proteine des gesamten Körpers in den Thymus hineinprojiziert, sodass gefährliche T-Zellen noch während ihrer „Ausbildung“ im Thymus entschärft werden.

Ähnliche Bedeutung von thymischen B-Zellen

In einer neuen Studie wurde nun entdeckt, dass auch B-Zellen im Thymus das Aire-Gen exprimieren. „Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass B-Zellen möglicherweise ebenso wichtig sind wie medulläre Epithelzellen, um autoreaktive T-Zellen zu eliminieren“, sagt Klein. Das Ergebnis widerlegt dadurch die bisherige Annahme, dass ausschließlich medulläre Epithelzellen und dendritische Zellen wichtige antigen-präsentierende Zellen im Thymus sind.

Besondere Eigenschaften durch Umerziehung

B-Zellen unterscheiden sich in der Thymusdrüse in mehrerer Hinsicht von B-Zellen in Blut, Milz und Lymphknoten, wo sie sich üblicherweise aufhalten. „Thymische B-Zellen zeigen mehrere Eigenschaften, die ansonsten nur für hochspezialisierte antigen-präsentierende Zellen charakteristisch sind“, sagt Klein. Diese Eigenschaften sind das Resultat eines „Umerziehungsprozesses“, den aus dem Blutstrom eingewanderte B-Zellen durchlaufen, wenn sie mit T-Zellen im Thymus interagieren.

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, ob eine erblich bedingte verminderte B-Zell-Funktion, die bislang nur mit einer verminderten Immunantwort in Verbindung gebracht wurde, paradoxerweise auch Auslöser von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen sein kann.

Originalpublikation:

Thymic B Cells Are Licensed to Present Self Antigens for Central T Cell Tolerance Induction
Tomoyoshi Yamano et al.; Immunity, doi: 10.1016/j.immuni.2015.05.013; 2015

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1 Kommentar:

Gast
Gast

sehr erträglich!

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