Adipositas: Kit-Defekt hält Mäuse schlank

11. Juni 2015
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Das Enzym Kit ist im Mausmodell an der Entstehung von Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes beteiligt. Schaltet man das Enzym aus, sind die Versuchstiere trotz fettlastiger Diät vor Adipositas und Insulinresistenz geschützt.

Stoffwechselexperten sind zunehmend davon überzeugt, dass schweres Übergewicht und viele seiner krankhaften Folgen, etwa das metabolische Syndrom oder Typ-2-Diabetes, eine Folge chronisch-entzündlicher Prozesse im Fettgewebe sind. Im Fettgewebe von krankhaft Übergewichtigen kommen fast alle Arten von Immun- und Entzündungszellen in gehäufter Zahl vor. „Zwar gehen wir grundsätzlich davon aus, dass Immunzellen zu den krankhaften Folgen der Adipositas beitragen“, sagt Professor Hans-Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Doch welche Prozesse sich bei der Stoffwechselentgleisung genau abspielen, ist bis heute wenig verstanden.“ Ein erster Schritt gelang: Die Forscher identifizierten ein Enzym der Immunzellen, das für die krankhaften Vorgänge erforderlich ist.

Das Enzym Kit ist an der Entwicklung von Blut- und Immunzellen sowie auch von Stammzellen beteiligt. Dr. Dario Gutierrez, Erstautor der aktuellen Arbeit, verglich Mäuse mit funktionsfähigem Kit mit Artgenossen, bei denen das Enzym ausgeschaltet war. Setzten die Forscher alle Tiere auf eine fettlastige Diät, so waren die Mäuse mit Kit-Defekt vor Adipositas und Insulinresistenz geschützt. Die Mäuse mit funktionierendem Kit nahmen dagegen an Gewicht zu und erlitten die damit verbundenen Stoffwechselstörungen.

Kit spielt neben seinen Funktionen in Immunzellen auch bei vielen Immunsystem-unabhängige Prozessen eine Rolle. So reguliert es z. B. auch die Leberfunktion und wirkt auf das zentrale Nervensystem oder auf die Insulinausschüttung. Verantwortlich für Adipositas und die daraus resultierenden Stoffwechselentgleisungen sind jedoch die Kit-tragende Immunzellen, und nicht die Immunsystem-unabhängigen Effekte, wie die DKFZ-Forscher in weiteren Experimenten zeigen konnten. „Jetzt kennen wir das Schlüsselmolekül für die krankhafte Entwicklung, müssen aber noch herausfinden, welche der vielen verschiedenen Zellarten des Immunsystems tatsächlich beteiligt sind“, sagt Hans-Reimer Rodewald.

Verbindung zwischen Kit und metabolischen Syndrom

Das Enzym Kit gehört zur großen Familie der Rezeptor-Tyrosinkinasen, die bereits heute das Ziel hochspezifischer Hemmstoffe sind. Solche als Kinase-Inhibitoren bezeichneten Medikamente bremsen das Zellwachstum verschiedener Krebsarten. So wird etwa Imatinib zur Behandlung bestimmter Leukämien (CML) und Tumoren des Verdauungstrakts (GIST) eingesetzt. „Interessanterweise gibt es einen Bericht über einen Krebspatienten, bei dem sich ein Typ-2-Diabetes unter Behandlung mit Imatinib zurückentwickelte. Dieser Befund spricht dafür, dass es auch beim Menschen eine Verbindung zwischen Kit und dem metabolischen Syndrom geben könnte“, vermutet Hans-Reimer Rodewald.

Originalpublikation:

Hematopoietic Kit deficiency, rather than lack of mast cells, protects mice from obesity and insulin resistance
Dario Gutierrez et al.; Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2015.04.013; 2015

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Diabetologie, Medizin, Onkologie

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1 Kommentar:

Arzt
Arzt

Der ewige Wunsch, schlank zu werden und trotzdem weiterzu(fr)essen,
wird sich niemals erfüllen.
Was hier versucht wird ist nur ein neues Geschäftsmodell.
Der bereits erhöhte Stoffwechsel darf nicht noch weiter angekurbelt werden,
er muss “abgekurbelt” werden.
Das kennen wir doch schon vom pharmakologischen Einsatz der Schilddrüsenhormone, die dafür verboten wurden.
Also WENIGER essen, im Extremfall mit Op-Unterstützung.

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