TTIP: Zwischen Wirkung und Nebenwirkung

19. Juni 2015
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Nach der massiven Kritik von Apothekern am internationalen Freihandelsabkommen TTIP holen Hersteller zum Gegenschlag aus. Sie sehen zahlreiche Vorteile – und wünschen sich eine baldige Umsetzung des internationalen Regelwerks.

In seltener Einigkeit hatten Apotheker, Ärzte und Zahnärzte kürzlich vor den Folgen des TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) im Gesundheitsbereich gewarnt. Sie befürchten die Aushöhlung von Patienteninteressen und sehen die freien Berufe in Gefahr – etwa durch Kapitalgesellschaften. Nicht alle Akteure teilen diese überaus kritische Einschätzung.

Mehr Chancen als Risiken

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) betonte kürzlich auf einer Pressekonferenz, man sehe im TTIP „mehr Vorteile als Nachteile“. Das beginnt mit zusätzlichen Handelsvolumina von rund 100 Milliarden Euro auf europäischer Seite. Schätzungsweise 180.000 neue Jobs kämen allein in Deutschland mit hinzu. Dass amerikanische Konzerne deutsche Strukturen angreifen, halten Experten des BAH für recht unwahrscheinlich. In Europa organisieren alle Mitgliedsstaaten ihre Gesundheitsversorgung selbst – inklusive nationaler Besonderheiten. Diese Punkte können nicht über einen europäischen Vertrag geregelt werden.

Fokussiert auf die USA

Damit nicht genug: Deutschland ist innerhalb Europas der wichtigste Handelspartner der USA – ohne Zweifel. Auch hier sprechen BAH-Experten von Vorteilen durch TTIP – durch weniger Handelshemnisse. Dazu gehören Möglichkeiten, Preise zu harmonisieren beziehungsweise den Marktzugang zu vereinheitlichen. Vielleicht das gewichtigste Argument aus Herstellersicht: Sollte es bei einem Medikament zum OTC-Switch kommen, genießen Hersteller in Europa künftig drei Jahre Unterlagenschutz – momentan sind es nur zwölf Monate. Auch planen beide Wirtschaftsmächte, Inspektionen in Betriebsstätten gegenseitig anzuerkennen. Am TTIP selbst führt kein Weg mehr vorbei – die Frage ist nur, zu welchen Rahmenbedingungen.

14 Wertungen (3 ø)
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8 Kommentare:

Apotheker

Ach ja, das alles im geheimen Verhandelt wird sollte eigentlich Zeichen genug sein.

#8 |
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Apotheker

“TTIP selbst führt kein Weg mehr vorbei” – na hoffentlich doch. Selbst ein Expertenrat, der die EU-Komission berät hat mit 8/10 Stimmen zum kompletten Aussetzen der Verhandlungen gestimmt.
Ob sich die Politiker aber an diese Ratschläge halten… oder lieber von Lobbyisten einwickeln lassen…

Für jeden durch TTIP “geschaffenen” Arbeitsplatz geht mindestens einer, wenn nicht mehrere Arbeitsplätze im Mittelstand verloren – oder wird zu einem mindestlohnjob “umstrukturiert”. Die sind halt nicht so schön zentralisiert organisiert, da Fallen die Zahlen kaum auf.

Die Steigerung des BIP ist auch uninteressant, die Großkonzerne die dadurch ihren Umsatz vergrößern zahlen in Deutschland sowieso keine Steuern.

Was passiert wenn der Gesundheitsbereich dereguliert wird kann man sich an genügend Abschreckungsbeispielen ansehen. Selbst bei den pleitegeplagten Griechen werden die Medikamente immer teurer.

Bisher habe ich noch keinen Bericht gesehen in dem irgendein tatsächlicher Vorteil für Deutschland, besonders für deutsche Mittelständler, glaubwürdig dargestellt wurde.

#7 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

“Amerikanisierung” im Medizinbetrieb kann sich gerne jeder selbst in USA ansehen.
Es wird dann erstmal teurer.

#6 |
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Gast
Gast

Wie soll auch das “Bruttoinlandsprodukt” gesteigert werden, wenn durch Konzerne wie vorhersehbar viel kleine und mittlere Unternehmen plattgemacht werden,
dazu gehören auch Ärzte und Apotheker,
oder sie werden alle unterbezahlte Angestellte von US-Filialen?
Schon um so ein Schiedsgericht einzuschalten, muss man schon eine Million in die Hand nehmen. Und felsenfest steht schon fest, dass dieser vorsitzende Richter ganz sicher kein Deutscher sei wird.

#5 |
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Gast
Gast

Ich glaube weder an eine potentielle Chance auf zusätzlich 120 Mrd. € Bruttoinlandsprodukt noch an 400.000 Jobs in der gesamten EU (Ecorys Studie).
Die Verhandlungen sind weiter geheim.
Auch das Wort “frei”, weil hier immer von “Freihandel” gesprochen wird, kommt nirgendwo im TTIP vor und ist auch nicht gemeint.
Europäische Gesetzgebung soll abgeschafft werden und durch amerikanische (“Schiedsgerichte”) ersetzt werden.

#4 |
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Gast
Gast

Anscheinend haben auch andere erkannt, dass eine potentielle Chance auf zusätzlich 120 Mrd. € Bruttoinlandsprodukt und 400.000 Jobs in der gesamten EU (Ecorys Studie) in den nächsten Jahrzehnten die Risiken amerikanischer “Vorsorgepolitik”, angloamerikanischer Rechtssysteme und die Machtübertragung von Volk und Regierungen an die Gewinninteressen globaler Konzerne nicht ausgleichen können….
Der Bedarf an TTIP besteht nur bei den globalen Konzernen. FDA und CE, ISO und ANSI sind nicht das Problem. Der Mittelstand scheut eher das amerikanische Rechtssystem als US Standards.
Damit man die ökonomischen “Chancen” richtig einsortieren kann, hier ein Vergleich: geschätzt 1,3 Millionen Menschen in Deutschland verdienen Ihr Geld bei der Kirche und die katholische Kirche macht laut Internetberichten alleine in Deutschland 125 Milliarden € Umsatz pro Jahr. Selbst EDEKA hat schon ca. 302.000 Mitarbeiter in Deutschland. Die niederländische Shell macht z.B. ca. 485 Milliarden € Umsatz pro Jahr.
Der potentielle (!) Vorteil von TTIP für die Menschen in der EU (und gerade in Deutschland) ist also marginal. Nur für Rechtsanwälte und Großkonzerne wäre TTIP ein sicherer Gewinn.
Aber, nicht alles was Geld bringt ist auch gut !
Früher war das Wirtschaftssystem von Menschen für Menschen gemacht. Heute werden Menschen vom Wirtschaftssystem für das Wirtschaftssystem erzogen und gemacht…..

#3 |
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Gast
Gast

Ich hoffe sehr, dass TTIP komplett scheitert.
Nach demokratischen Mehrheiten bestünde daran nicht der geringste Zweifel.

#2 |
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Gast
Gast

nur Vorteile für (amerikanische) Großkonzerne
und Ausschaltung von Demokratie und Gesetzgebung.

#1 |
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