PTA-Ausbildung: Schicht im Schacht

26. Juni 2015
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Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe wird nicht müde, Jugendliche für Apothekenberufe zu begeistern. Gerade bei PTA bewegen sich Standesvertreter auf dünnem Eis – etlichen Schulen im Kammerbezirk droht das Aus. Jetzt springen Kammer und Verband in die Bresche.

Nachwuchs gesucht: Seit mehr als 20 Jahren wirbt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) mit mobilen Messeständen vor Ort für alle Berufsbilder in öffentlichen Apotheken. Im letzten Jahr waren Vertreter der AKWL auf 65 Berufs- und Nachwuchsmessen. Für 2015 erwartet Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening „mindestens 76 Messeauftritte“. Im Zentrum stehen Information über den Arbeitsplatz Apotheke – anhand von Präsentationen, Infobroschüren der ABDA und vor allem persönlichen Gespräche. Bei PTA hat die Sache einen großen Schönheitsfehler.

Es wird knapp

Mehr und mehr PTA-Schulen stehen vor dem finanziellen Aus, nachdem die Landesregierung Zuschüsse gestrichen hat. Erhöhungen des Schulgeldes sind keine Option – und der Trägerverein PTA-Fachschule Westfalen-Lippe e. V. berichtet von rückläufigen Bewerberzahlen. Da die Finanzierung nur noch bis 2015/2017 gesichert war, bestand dringender Handlungsbedarf. Nach öffentlich ausgetragenen Kontroversen zwischen Kammer und Verband zeichnet sich jetzt ein Konsens ab: Die Kammer wird ab August 70 statt bislang 10 Euro pro PTA-Schüler/in zuschießen. Insgesamt ist von 350.000 Euro pro Jahr die Rede. Im Gegenzug weisen Bildungsträger – wie auch immer – nach, dass PTA künftig in öffentlichen Apotheken Westfalen-Lippes tätig werden. Zuschüsse des Apothekerverbands von mehr als 100.000 Euro pro Jahr werden ab dem Ausbildungsjahrgang 2016/2018 folgen. Mit Geld allein lassen sich nicht alle Probleme lösen. Es geht auch um Inhalte.

Am Schräubchen drehen

Ein mögliches Szenario: Die PTA-Ausbildung wird inklusive Praktikum weiterhin fünf Semester dauern. Öffentliche Apotheken gewinnen im neuen Modell an Bedeutung: Inhaber übernehmen ab dem ersten Tag alle Kosten. Dafür nehmen angehende PTA schon früh am Praxisgeschehen teil. Für Apothekenleiter bietet sich hier die Chance, neue Mitarbeiter besser als momentan in den eigenen Betrieb zu integrieren. Die Zeit ist schon lange reif für Reformen.

Momentan stehen sich zwei Seiten ohne erkennbare Annäherung gegenüber: Die ABDA und die Bundesapothekerkammer wollen Lehrpläne entschlacken respektive modernisieren, den aktuellen Zeitrahmen aber nicht verändern. Bildungseinrichtungen und Interessenvertretungen sprechen sich mehrheitlich für eine längere schulische Phase aus. Ein längeres Praktikum, beispielsweise von sechs auf zwölf Monate ausgedehnt, birgt die Gefahr, dass angehende PTA als billige Arbeitskräfte ausgenutzt würden – ohne erkennbaren Gewinn für ihre Ausbildung.

15 Wertungen (4.33 ø)
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1 Kommentar:

Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Vielleicht sollte man als erstes die Schüler der PTA Schulen mit einbeziehen, bevor man irgendwas schraubt und dreht.
Der Unterricht ist teilweise sehr veraltet und fördert eher weniger die neuen und wichtigen Themen in der Apotheke!
Desweiteren wäre ein dualer Gang auch förderlicher. Erstens um die Inhalte der schulischen Ausbildung besser zu festigen und zweitens dem Lehrling die möglich zu geben, sich trotz veraltetem Lehrplan, neue Bereiche und Wissen anzueignen.

Ein Praktikum über 12 Monate halte ich auch eher für abschrecken. Wer kann sich 12 Monate mit nur 500€ leisten!? Das würde ich gerne mal sehen. 6 Monate stellen einen teilweise schon vor große Probleme!

#1 |
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