Nierenhypertrophie: Aminosäuren machen Dampf

19. Juni 2015
Teilen

Auf der Suche nach Gründen, warum es bei manchen Patienten zur Nierenhypertrophie kommt, sind Forscher jetzt einen Schritt weiter gekommen. Aminosäuren gelten als schuldig im Sinne der Anklage: ein neuer Ansatzpunkt für Pharmakotherapien.

Häufig müssen Patienten mit einer Niere auskommen – aufgrund von Nephrektomien nach Tumorerkrankungen, Verletzungen oder Organspenden. Ein großes Problem: Das verbliebene Organ leistet Schwerstarbeit – und vergrößert sich in einigen Fällen. Ärzte und Apotheker versuchen, die Funktionsfähigkeit zu erhalten.

Stochern im Nebel

Doch welche biochemischen Prozesse führen zur sogenannten kompensatorischen Hypertrophie? Jian-Kang Chen vom Medical College of Georgia hatte mTOR in Verdacht: ein Protein, das Proliferation und Differenzierung von Zellen steuert. Es phosphoryliert andere Makromoleküle. Als Antagonisten spielen der Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR) und die Phosphatase PTEN (Phosphatase and Tensin homolog) eine Rolle – womöglich. Arbeitete Chen mit Knockout-Mäusen, die weder PTEN noch EGFR exprimierten, kam es nach einer Nephrektomie trotzdem zur Vergrößerung der verbliebenen Niere, wenn auch langsamer.

Eine neue Spur

Jian-Kang Chen machte sich erneut an die Arbeit und entdeckte, dass mTOR-Signalwege noch anderweitig aktiviert werden – und zwar durch ein Überangebot an Aminosäuren. Aufgrund der kompensatorischen Hyperfiltration hat die verbliebene Niere plötzlich deutlich mehr zu leisten, verglichen mit Patienten, die beide Organe haben. Im nächsten Schritt werden Forscher versuchen, Inhibitoren zu entwickeln, um pathologische Prozesse zu unterbinden.

8 Wertungen (4.25 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Gast
Gast

Das erinnert doch an Prometheus:
https://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus

dessen Leber immer wieder nachgewachsen ist.
Ein Leberchirurg bestätigt das.

#3 |
  0
Gast
Gast

tippfehler:
Lebend-Nierenspender werden.
Die übrig gebliebene hypertrophiert.
Bei der Leber ist es nicht anders, bei Teilresektion wächst sie sogar noch schneller nach. Das ist NICHT ungesund.

#2 |
  0
Gast
Gast

das lernt eigentlich jeder Student:
Eiweiß ist gesund.
Wie sonst könnte man Lebend-Nierenspender wären.
(Trotzdem sind tote Spender natürlich ethisch vorzuziehen)

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: