Studienabbruch: Ich mach Schluss!

23. November 2011
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Für viele ist das Medizinstudium die große Erfüllung. Nach langen Wartezeiten oder eifriger Vorbereitung hat man es endlich geschafft und die NC Hürde überwunden. Doch was passiert, wenn man jetzt erst merkt, dass Medizin doch nicht das Richtige ist oder der Leistungsdruck einfach zu groß ist?

Medizinstudenten gehören im Allgemeinen zum beißerischen Hochschulklientel. Eine Schwundquote von nur 14% im Verlaufe des Studiums ist im Vergleich zu anderen Fächern fast schon utopisch, verlassen doch über 20% der Studienanfänger im Laufe der Zeit die Biologie und Geographie. Ingenieurswissenschaften und Geisteswissenschaften müssen sogar einen Verlust von knapp 50% in Kauf nehmen. Auch wenn sich die Abbrecherquote bei Medizinern seit den Neunzigern um 2% erhöht hat, was vornehmlich den Veterinär- und Zahnmedizinern zuzuschreiben ist, sind die medizinischen Studiengänge die einzigen, welche eine „Erfolgsquote“ von über 80% in der Hochschullandschaft vorweisen können (Stand 2005). Differenzieren sollte man den Schwund nach reinem „Abbruch“ und dem „Fachbereichswechsel“, wobei in Humanmedizin der Anteil an Abbrechern dreimal so groß ist, wie der Studienbereichswechsel.

Doch was sind die Gründe für einen Studienabbruch bzw. einen Fachbereichwechsel. Hier kommen viele individuelle Ursachen zum Tragen, welche sich aber zum Teil aus der Studentenstruktur ableiten lassen. Da sind Studenten, welche der schieren Masse an geballtem Wissen ohnmächtig gegenüberstehen und daher das Studium meist schon vor dem ersten Staatsexamen beenden. Selbst im Abitur überzeugende Schüler können mit der Art des Lernstoffes und der Forderung nach abstrakt-logischem Denken manchmal überfordert sein und müssen leider feststellen, dass sie für das Studium nicht geeignet sind. Daneben gibt es aufgrund zahlreicher Studienanfänger im mittleren Erwachsenenalter immer mehr Abbrecher aufgrund der Unvereinbarkeit von Studium und Beruf. Wer sich eigenständig und vielleicht noch die Kleinfamilie ernähren muss, stößt hier sicherlich, alleine beim Zeitmanagement, an seine Grenzen (nur ca. 60% beginnen direkt nach der Schule ein Medizinstudium, 20% haben bereits eine Ausbildung fertig absolviert). Daneben entschließt sich ein nicht unerheblicher Anteil aus „freien Stücken“ zum Studienabbruch bzw. -wechsel. Nicht zuletzt sind die Studienordnung und das theorielastige Grundstudium oft ausschlaggebend für die Beendigung der familiären Ärztedynastie.

Unsere Wege trennen sich hier…

Ob man das Studium aus freien Stücken beendet, oder aufgrund der äußeren bzw. „inneren“ Umstände, bestimmt oft die emotionale Belastung des Abbrechers. Zwangsläufig muss eine Umorientierung stattfinden, auch kämpft man mit dem persönlichen Eindruck versagt zu haben. Dieser wird noch verstärkt, wenn die Familie kein Verständnis für die Situation aufbringt. Ganz besonders bitter ist ein endgültiges Durchfallen beim zweiten Staatsexamen, was sehr selten ist, aber vorkommt. Seine Lebenslage hier akzeptieren zu lernen und mit neuer Begeisterung und Motivation auf Alternativlösungen zu schauen, ist der notwendige Prozess, der an diese Krise anknüpft.

Möchte man im medizinisch–naturwissenschaftlichen Genre bleiben, kommen neben fachverwandten Ausbildungsberufen (Gesundheits- und Krankenpfleger, Physiotherapeut, Logopäde, etc.) auch weitere Studiengänge in Betracht. Dank der Fachnähe ist es an einigen Universitäten möglich in die Zahnmedizin zu wechseln. Hier erwarten einen zumindest vom ersten Semester an praktische Kurse, viele vorklinische Scheine aus der Humanmedizin können hier mitunter angerechnet werden. Deutschlandweit werden zudem Studiengänge aus den Sparten Ernährungswissenschaften, Gesundheitswesen, Pflegewissenschaften, Pharmazie und „Therapien“ mit vielerlei Schwerpunkten angeboten. Wer sich aus der medizinischen Sparte entfernen möchte, kann trotzdem mit etwas Kreativität sein gesammeltes Wissen in der Juristerei, der Betriebswirtschaftslehre oder dem Maschinenbau integrieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, nur wenige (Human-)Mediziner beenden ihr Studium vorzeitig. Die Entscheidung, das Studium abzubrechen, sei es aus eigener Überzeugung oder der Überzeugung der Hochschule, ist ein schwieriger Prozess, der erstmal verarbeitet werden muss. Aber es mangelt in der deutschen Hochschul- und Ausbildungslandschaft nicht an Alternativen, mit denen man seine Überzeugungen und Motivationen ausleben kann und es darf Hoffnung geben, seine feste Nische im Berufsleben doch noch zu finden.

129 Wertungen (2.57 ø)
Studium

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11 Kommentare:

Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Genau ! Herr Neo !
Wer sind Sie eigentlich ??

Intelligenz gehört auch dazu, nicht wahr !

Da steht u.a. “oft” und nicht immer. Also immer öfter z.B.

P.S.

Logik und Wahrheit und Lebenserfahrung sticht die blinde Emotion aus !

MfG !

#11 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Ein Wirtschaftsingenieur-Studium in Karlsruhe ist ungleich schwerer.

Und das die Jahrgangsbesten angeblich Medizin studieren, ist nicht nur eine Sage, sondern auch oft fatal !
Denn die 1er Kandidaten sind oft praktisch die schlechtesten Ärzte ! und oft GAR NICHT für den Beruf geeignet !!!

#10 |
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Studentin der Humanmedizin

Für etwaige Rechtschreibfehler möchte ich mich entschuldigen, ich studier ja nicht Germanistik. ;)

#9 |
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Studentin der Humanmedizin

Natürlich ist das ganze auch eine Einstellungssache. Ich habe jetzt 6 Jahre auf den Studienplatz gewartet und habe nicht vor abzubrechen, obwohl ich es nicht nötig finde, mich wie ein Schulkind behandeln zu lassen. Da geben ich Vronerl Echtler voll und ganz recht, wir wurden schon in der 1. Woche mit der Aussage begrüßt: “Ihr studiert jetzt Medizin” Was auf dem Blatt stimmt, die Vorklinik aber so gut wie gar nicht damit zutun hat. Und selbst wenn? Macht mich das zu was besonderem? Es wurden in der 2. Woche Gehälter präsentiert, die erst mal toll aussahen, aber im (wirklich sehr) Kleingedruckten stand das die Zahlen auf 6 Jahre berechnet werden. Man wird beeinflusst dahin das man etwas besonderes ist, weil man Medizinstudent ist. Natürlich ist es von jedem selbst abhängig, inwieweit man sich beeinflussen lässt. Wenn man aber bedenkt, das 80% der Studenten direkt von der Schule kommen und noch total grün hinter den Ohren ist und das ganze aufregend und spannend finden sich natürlich schneller beeinflussen lassen als diejenigen, die schon im Berugsleben standen und dort einen ganz anderen Status und Respekt genossen haben.
Dann werden von den 80% noch 20% von den Unis selbst ausgewählt und es haben ALLE gesht die ich gefragt habe, dass sie bestimmte Sachen im Gespräch hören wollten, und dann kann man davon ausgehen, wenn sie mit der Antowrt nicht zufrieden waren, dass die Chancen genommen zu werden geringer wurden.
Alles in allem kann man den Studiengang reformieren, das zeigt unter anderem der Reformstudiengang ;).
Warum hat man zu Beginn des 3. Semester z.B. so viel Freizeit wird im 1. aber nur zubombadiert mit irgendwelchen Pflichtveranstaltungen? Wozu brauche ich Physik-, Bio-, oder Chemiepraktika?
Klar kann man sich Zeit nehmen für Hobbies. Die muss ich aber dann entweder von meiner Lernzeit oder aber der Zeit abzwacken die ich auf meinen Mann und meine Familie und Freunde verteilen muss.
Das ist in anderen Studiengängen nicht notwendig (oder dann in der Lernphase schon, aber nicht das GANZE Semester über), warum dann bei Medizin?
Alles in allem macht es mir Spaß, auch wenn das nicht so klingt, ich finde nur man muss nicht alles so hinnehmen wie es jetzt ist. Ich finde die Art und Weise einfach doof, wie man dort teilweise behandelt wird. Mit Hausaufgabenkontrolle im Histokurs¿ Und dann beschweren sich alle der Studiengang ist zu verschult.

#8 |
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vronerl Veronika Echtler
vronerl Veronika Echtler

Hallo, hier meldet sich eine von den Studienabbrecherinnen zu Wort: Ich habe auch zu den Jahrgangsbesten im Abitur gehört und habe mich durch das Medizinstudium 4 Semester durchgekämpft. Dann hat es mir gereicht und ich habe auf “Musik- und Bewegungsorientierte Sozialpädagogik” gewechselt, das ich nächstes Jahr erfolgreich abschließen werde. Habe vor kurzem meine ganzen Medizin-Scheine beim Aufräumen gefunden…es war also nicht die Überforderung, die zu meiner Entscheidung geführt hat, sondern die Art des Studiums. So wird es einem (ich spreche jetzt von der Vorklinik, in der Klinik war ich noch nicht) doch sehr schwer gemacht, sich diverse Hobbies zu bewahren, die man vorher hatte wie Musik machen, Jugendarbeit, politisches Engagement, etc. fortzuführen oder sich auch mal in eine fachfremde Vorlesung zu setzen, wie das in anderen Studiengängen üblich ist, um den eigenen Horizont zu erweitern.
Außerdem habe ich bei manchen Kommilitonen eine wachsende Arroganz bemerkt, die auch durch das Studium gefördert wurde. Denn wenn man schon so viele Entbehrungen aufgrund des Studiums hat, dann grenzt man sich eben von den anderen ab, indem man Medizin als den schwersten aller Studiengänge – die Königsdisziplin – darstellt. Dem ist übrigens nicht so, auch in einem pädagogischen Studiengang sind 11 Prüfungen pro Semester durchaus möglich. Nur ist während dem Semester mehr Luft und die Prüfungen sind alle am Ende und nicht jede Woche.
Ich denke, dass ein Studienabbruch kein Versagen ist, sondern eine Erfahrung, die einem später im Umgang mit Menschen nur hilfreich sein kann.
Übrigens hatte ich kurz nach dem Wechsel eine Prüfung in Sozialmedizin. Ich dachte, ich müsste mit 4 Semestern Medizinstudium nicht lernen – und bin durchgefallen. Bin da wohl ein bisschen zu arrogant rangegangen :-)

#7 |
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Studentin der Humanmedizin

sorry Christina
* Fiedler natuerlich ;-P

#6 |
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Studentin der Humanmedizin

@ Christina Fieldner:
Man muss das ein bisschen mehr mit Philosophie angehn…
die meisten machen PANIK, dass ist wahr, aber da muss man eben ein wenig Abstand nehmen…
bei mir wird das jetzige Semester von den meisten Kommilitoren als “sehr stressig” eingestuft, aber ehrlich gesagt bin ich persoenlich 0 gestresst. Das kommt immer auf einen selber an wie man das angeht…
ja es ist viel, aber es ist auch machbar ohne sich dabei kaputt zu machen.
Besonders wenn du dich immer wieder daran erinnerst, dass du dich selbst dafuer entschieden hast und das letztendlich wirklich ein tolles studium ist.

#5 |
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Studentin der Humanmedizin

Schade, ist sehr oberflächlich geschrieben. Die Gründe WARUM das so ist werden nicht beleuchtet. Ich bin jetzt im 1. vorklinischen Semester, und es wird immer gesagt, ihr müsst bloß durchhalten, ab dem zweiten habt ihr auch wieder tagsüber Zeit zu lernen… Da muss man sich auf (völlig überflüssige) Physik-/Chemie- und Biopraktika vorbereiten, weil man dort ein Antestat bekommt und wenn man nichts weiß nach Hause geschickt wird und einen Fehltag bekommt, dann muss man sich aufs Präpen vorbereiten, da läuft es ebenso. Genauso wir für die anderen Fächer die geprüft werden.. Dann ist man von morgens bis abends an der Uni und hat noch NICHTS von alldem geschafft. Dann möchte man ja auch mal etwas schlafen und ein soziales Leben haben.
Ich finde schon, das man an dem System allgemein etwas tun MUSS!
Und nicht diejenigen als Versager sehen die für sich entschieden haben, das sie lieber leben wollen, anstelle sich für ein höheres Ziel (Arzt) kaputt machen zu lassen. So einfach ist das gewiss nicht!

#4 |
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Bernd Lohmeyer: Hahaha…! Deswegen haben die meisten ja auch nur so um die gefühlten 200 Wartesemester weil Sie zu den besten den Jahrgangs gehören…Hahaha…

#3 |
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Medizinstudenten sind in der Regel die Besten ihres Jahrganges, die wissen, wofür sie oft endlos gepaukt haben.
Sie können sich zusammenreißen, wenn es drauf ankommt…

#2 |
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Student der Humanmedizin

Wer rausfällt ist immer selber schuld. Unser Staat sieht “Versager” gern als Taxifahrer. Man kann natürlich auch eine Pflegeausbildung – selbstverständlich vom ersten Tag an = volle 3 Jahre – beginnen. Man kann sich auch als Pharmavertreter auf Provisionsbasis verdingen. Das/da sind vergeudete Resourcen! Ich habe auch nicht den Eindruck, dass der Schreiberling wirklich weiß, wovon er schreibt.

#1 |
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