Adulte ADHS: Pippi wird erwachsen

28. November 2011
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Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), ein Problem von Zappelphilipp oder Pippi Langstrumpf? Geraume Zeit stuften Psychiater das Leiden als Krankheit der Sprösslinge ein. Hilfe brauchen auch erwachsene Patienten, doch müssen es nicht immer Arzneimittel sein.

Vier bis sechs Prozent aller Kinder leiden unter dem Trias aus Aufmerksamkeitsstörung, Überaktivität und Impulsivität. „ADHS endet aber nicht im 18. Lebensjahr“, gibt Professor Dr. Wolfgang Retz vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, zu bedenken. Er schätzt, dass bei bis zu 60 Prozent das Leiden aus Kindertagen im Erwachsenenalter persistiert – wenn auch mit teilweise deutlich veränderter Symptomatik. „Die motorische Unruhe der Kinder und Jugendlichen weicht vielfach einer inneren Unruhe und Ruhelosigkeit beim Erwachsenen“, so der Psychiater. Vermieden werden beispielsweise Theaterbesuche oder Warteschlangen – aus lauter Ungeduld. Vielfach klagen Patienten auch über häufige Stimmungswechsel – besonders ausgeprägt in privaten oder beruflichen Belastungssituationen. Dann drohen sozial inkompatible Überreaktionen wie Wutausbrüche – besonders riskant im Straßenverkehr.

Ein Leben voller Gefahren

Manche Patienten fallen durch einen gelinde gesagt mutigen Fahrstil auf, Verkehrsunfälle sowie ein aggressives Verhalten am Steuer inklusive. Im Alltag treten wiederum vermehrt Angststörungen und Depressionen auf, und Betroffene greifen eher zu Drogen oder konsumieren riskante Mengen an Alkohol. Auch der Job macht Probleme, ist ein chaotischer Lebensstil mit den meisten Tätigkeiten nur schwer vereinbar. Und so erreichen ADHS-Patienten trotz nachgewiesener Eignung oft nur niedrige Karrierestufen, ordnen sich schwer in hierarchische Strukturen des Arbeitslebens ein, fehlen häufiger und – kein Wunder – werden öfter entlassen. Was aber genau im Körper passiert, versuchen Forscher Schritt für Schritt zu entschlüsseln.

Rätselhafte Ruhelosigkeit

Als Ursache stehen genetische Faktoren hoch im Kurs – Zwillingsstudien gaben bereits vor Jahren entsprechende Hinweise. Jetzt zeigte eine große epidemiologische Studie Assoziationen mit mehreren Genen. Entsprechende Mutationen verändern funktionale Strukturen im Gehirn, wie Transporter oder Rezeptoren. Auch stoffwechselrelevante Enzyme sind betroffen. Das wiederum führt wahrscheinlich zu einem Mangel an Dopamin beziehungsweise Noradrenalin im Frontallappen der Großhirnrinde, behebbar durch Arzneistoffe wie Methylphenidat.

Umweltfaktoren scheinen hingegen nicht die Rolle zu spielen, Hinweise liegen nur für toxische Stoffe wie Alkohol, Drogen oder Chemikalien während der Schwangerschaft vor. Von sonstigen Thesen der Vergangenheit nehmen Wissenschaftler Abstand. „Die Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, können den Verlauf und die Ausprägung der ADHS zwar stark beeinflussen. ADHS ist jedoch keine Erkrankung, die sich durch Erziehungsfehler, übermäßigen Medienkonsum oder falsche Ernährung erklären lässt“, stellt Retz klar.

Zwischen Fiktion und Funktionsstörung

Zahllose Artikel haben ADHS in der Vergangenheit als Massenleiden, Modekrankheit, als von der Pharmaindustrie erfundene Störung oder als nicht behandlungsbedürftige Variante menschlichen Verhaltens dargestellt. Patientenzahlen wurden dementsprechend nach oben oder unten korrigiert. Jenseits dieser Debatte etablierten Psychiater speziell für Erwachsene die Wender-Utah-Kriterien in der Diagnostik: Von ADHS sprechen Experten bei Aufmerksamkeitsstörungen plus Hyperaktivität. Zusätzlich müssen mindestens zwei weitere Kriterien erfüllt sein: Affektlabilität, desorganisierte Verhaltensweisen, Probleme bei der Affektkontrolle, Impulsivität oder emotionales Überreagieren.

Doch nicht in jedem Fall raten Fachärzte zur Therapie. Schränken allerdings psychiatrische beziehungsweise soziale Folgen die Lebensqualität stark ein, ist es höchste Zeit, zu handeln – und zwar in Form von multimodalen Konzepten mit Psycho- und Pharmakotherapie. Die Kombination kann laut den Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sinnvoll sein, lassen sich Symptome wie das schlechte Organisationsverhalten eher psychotherapeutisch und Beschwerden wie innere Unruhe beziehungsweise emotionale Instabilität eher pharmakotherapeutisch in den Griff bekommen.

Auf der Suche nach dem besten Wirkstoff

Die Autoren der DGPPN-Leitlinie erwähnen dafür unter anderem Stimulanzien, Antidepressiva und Einzelsubstanzen wie Phenylalanin oder Nikotin. Professor Dr. Michael Rösler von der Universität des Saarlands: „Nach Expertenmeinung und evidenzbasierten Leitlinien ist Methylphenidat bei der Behandlung von Erwachsenen mit ADHS unumstritten die erste Wahl.“ Bis dato sah es für Erwachsene aber schlecht aus – war eine Medikation mit diesem Wirkstoff nur „off label“ möglich – ohne Kostenerstattung der GKVen, aber mit Haftungsrisiko für Kollegen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat jetzt auch grünes Licht für Patienten ab 18 Jahren gegeben. „Die Indikationserweiterung bei Methylphenidat für Erwachsene bedeutet für Patienten mit ADHS eine ganz wesentliche Ausweitung ihrer Behandlungsmöglichkeiten“, so BfArM-Präsident Professor Dr. Walter Schwerdtfeger. Als Grundlage beruft er sich vor allem auf zwei Untersuchungen.

Von EMMA und QUEMA

An der EMMA-Studie, einer Phase III-Untersuchung mit multizentrischem, randomisiertem, doppelblindem Design, nahmen 359 Erwachsene mit ADHS teil. Von ihnen erhielten 241 als Verum sechs Monate lang maximal 60 Milligramm Methlyphenidat in retardierter Galenik und 118 Placebo. Dabei zeigte sich ein Nutzen des Arzneistoffs zusätzlich zur Psychotherapie. Gute Ergebnisse lieferte auch die Folgestudie („QUEMA“) mit 162 Patienten, 84 nahmen das Verum, ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Im Vergleich zu Placebo kam es unter Methylphenidat zur signifikanten Verbesserung zahlreicher funktioneller sowie psychopathologischer Größen. Ein weiterer Aspekt: Auch nach längerer Behandlungsdauer schwächte sich die Wirkung nicht ab. Dennoch raten Pharmakologen, nach mehr als zwölfmonatiger Behandlung das Präparat testweise abzusetzen. Da Methylphenidat als Sympathomimetikum wirkt, sind außerdem Kontrollen der Herzfrequenz und des Blutdrucks unerlässlich.

Rollt bald die Rezeptwelle?

Nach der Zulassung ist auch die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenversicherungen geklärt: Hier hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entsprechende Richtlinien angepasst. Dennoch will das Gremium auch prüfen, inwieweit „Einschränkungen und Regelungen zum Schutz der Patienten“ erforderlich sind – befürchtet der G-BA eine drastische Zunahme von Verschreibungen bei Erwachsenen. Kollegen hingegen kritisieren, dass es zu wenige ADHS-Spezialisten für Diagnostik und Therapie gibt. Zwar könnten Hausärzte zusammen mit Experten die Versorgung übernehmen, sollten aber vor allem zur Erstdiagnose die fachärztliche Meinung einholen.

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122 Wertungen (4.34 ø)
Medizin

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21 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

Da ich für eine Studie “ADHS im Erwachsenenalter” bei den Probanden mit Tests und Biomarkern (QEEG) die Daten gesammelt habe, ist mir das Thema recht vertraut.
Auch ich bin vom multimodalen Therapieansatz überzeugt. An erster Stelle sollte jedoch immer der “Lifestyle” stehen (Schlaf, Sport etc.) und dann noch etwas, das die Selbstwirksamkeit fördert wie z.B. Neurofeedback und Biofeedback (die ich schon Jahre erfolgreich einsetze), Verhaltenstherapie.
Bruno Gasser
Schweiz

#21 |
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Altenpfleger

Ein herzliches Dankeschön (insbesondere) an Dr. Gabbert für den informativen Beitrag. Wieder was dazugelernt.

#20 |
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Medizininformatiker

Ziat aus Beitag 8:
“eröffnet ihm das oft neue Sichtweisen auf die Welt, die dem Durchschnittsbürger fehlen.”

Und wenn er diese seinen Kollegen offenbart, gibt es noch einen Grund mehr für Ärger am Arbeitsplatz.

#19 |
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Mein Sohn war ein typischer Zappelphilipp, den man immer hochgradig beanspruchen musste, damit er zufrieden war;
wenn er nichts zu tun hatte,war er unerträglich, unkonzentriert, launisch, fühlte sich auch selbst nicht wohl, (Heraus-)Fordern war für ihn die beste Therapie, auf Medi’s haben wir komplett verzichtet.

#18 |
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Dr.  Carla Meyer
Dr. Carla Meyer

Bei meinem 8 J. alten Sohn bestand/besteht der Verdacht, dass er ADS vorwiegend vom verträumten Typ hat. Ich habe mich vehement gegen eine medikamentöse Therapie gesperrt und das war gut so. “Zappelphilippe” sind anstrengende Kinder, und brauchen enge Grenzen, starre Strukturen und engagierte Eltern. Oft sind die Kinder auch Scheidungskinder und haben auch noch Probleme durch eine neue Lebenssituation.
Ich habe ein Elterntraining gemacht, um mehr Verständnis für die Situation meines Sohnes zu bekommen, habe feste, begrenzte Computer-TV-Zeiten etabliert, und sorge fast jeden Tag dafür, dass mein Sohn sich körperlich betätigt. Hausaufgaben z.B. funktionieren eindeutig besser, wenn er sich vorher ausgepowert hat.
Seit zwei Jahren funktioniert es bei uns so prima auch ohne Ritalin und mein Sohn ist ein zufriedenes und selbstbewusstes Kind.

#17 |
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Dr. med. Katharina Goerk
Dr. med. Katharina Goerk

An Nr. 16: in Fällen, in denen auf Methylphenidat mit Depressionen reagiert wird, wäre evtl. ein Versuch mit Moclobemid erfolgversprechend: anti-depressiv, Konzentration und Gedächtnis verbessernd. Allerdings habe ich diese Erfahrungen nur bei Kindern gemacht.

#16 |
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…warum solten hereditäre Krankheiten mit:
* biochemischem und
* pathophysiologischen Korrelat
auch auf einmal – spontan & von selbst -wieder “verschwinden” (können)???

Wo gibt es denn sowas… denn sonst noch?

Schön, das dieses absurde Dogma nun auch in D der Vergangenheit angehört – es wurde Zeit!

#15 |
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Dr. Christian Messer
Dr. Christian Messer

In Berlin gibt es Ritalin auch am Kottbusser Tor, gleich neben dem Heroin und auch den Benzos.
Einen Segen wird es den Patienten nur schwerlich bringen, allerdings eine Menge Abhängigkeitsprobleme. Freilich: der Pharmaindustrie wird’s nützen. Dafür nehmen wir alle doch traditionsgemäß viel in Kauf.

#14 |
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Maren Naber
Maren Naber

Hallo!

Bei meiner Schwester besteht seit dem Grundschulalter (mitte der 80ger Jahre) immer wieder die Diagnose ADHS im Raum. Damals war das Krankheitsbild noch weitgehend unerforscht, meine Eltern haben mit eher mäßigem bis schlechtem Erfolg alle möglichen Therapien ausprobiert. Auch Ritalin hat sie als Kind bekommen, eine Einstellung auf die richtige Dosierung erfolgte allerdings leider nicht. Eine Ergotherapie zeigte einen ähnlich geringen Erfolg. Für all diese therapeutischen Maßnahmen mussten meine Eltern lange Wege auf sich nehmen, da die Zahl der Therapeuten noch recht gering war.
Folge dieser unzulänglichen Therapien waren sowohl schulische als auch soziale Probleme – von der Intelligenz her hätte meine Schwester durchaus Abitur machen können, sie ist allerdings mit Hauptschulabschluss von der Realschule abgegangen. Freunde hatte meine Schwester mit zunehmenden Alter immer weniger.
Heute ist dieses schlecht therapierte Kind 34, hat keine Chance auf eine Arbeitsstelle auf dem 1. Arbeitsmarkt (sie ist mittlerweile als Psychisch behindert eingestuft) und die Ärzte streiten sich immer noch, ob jetzt ein ADHS vorliegt oder nicht. Aber jetzt im Erwachsenenalter ist bei ihr auch Ritalin wenig hilfreich, sie gehört der Patientengruppe an, die auf das Medikament stark mit Depressionen reagiert. Diese Nebenwirkung wurde in dem Artikel leider vergessen. Und psychotherapeutische Therapien bekommt sie leider überhaupt nicht, die halte ich ehrlich gesagt für am erfolgversprechendsten.

Liebe Grüße!

#13 |
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Dr.med Fritz Gorzny
Dr.med Fritz Gorzny

Aus Erfahrung an hunderten erwachsenen aber vor allem jugendlichen Patienten mit AD(H)S wurden bei differenzierte Untersuchungen des Sehen und vor allem des Binokularsehens nach der Mess- und Korrektionsmethode nach Haase eine assoziierte Heterophorie ,vulgo Winkelfehlsichtigkeit, diagnostizert. Durch die dabei auftretende Fixationsunruhe mit zeitweisen Doppelbildern ist für die Betroffenen die Umwelt in ständiger Unruhe, sodaß sie sich am wohlsten fühlen, wenn sie selbst in ständiger Bewegung sind. Dann erscheint ihnen das Umfeld ruhiger. Eine genaue Analyse der Binokularfunktion am Polatest der Fa. Zeiss mit nachfolgendem konsequenten prismatischen Ausgleich der Winkelfehlsichtigkeit,hat viele sog. AD(H)S-ler spontan ruhig gestellt und gleichzeitig die häufig mitbeobachtet Legasthenie gebessert.
Dr. Fritz Gorzny Augenarzt Koblenz
Infos unter IVBV.org

#12 |
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Ich würde mich selbst als Betroffenen ansehen !!!
Mit üblen Konsequenzen – ein Leben lang.
Welcher Kollege oder welche Kollegin im Raum Köln nimmt mich als Patienten an?
Bitte private Mail an Gerold.Sigrist@web.de

Ich danke -schon jetzt – für jede Zuschrift

GS

#11 |
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Ist ADHS zur Zeit nun über- oder unterdiagnostiziert?
Wie so oft werden wir das sicher erst in einigen Jahren wissen. In meiner Jugend gab es für die Betroffenen noch keine Hilfe, mit oft fatalen Folgen.
Den Aspekt, den der Kollege Selle eingebracht hat, finde ich da sehr wichtig. ADHS-Betroffene haben ein hohes Risiko, an einer Sucht zu erkranken. Ein Klassenkamerad vom mir, der damals nicht diagnostiziert wurde, ist mit 20 Jahren an seiner Heroinsucht gestorben, ein Neffe, der zu spät behandelt wurde, ist Cannabisabhängig.
Wer mehrfach gesehen hat, wie durchgreifend eine simple Medikation Verhalten und Probleme von Kindern bessern kann, wird an der Existenz und Therapienotwendigkeit von ADHS nicht mehr zweifeln.
Problematisch ist sicherlich die Diagnose ADS ohne Hyperaktivität – auch das gibt es, aber die Wahrscheinlichkeit, die Symptome einer anderen Störung damit zu verwechseln, ist sicher viel größer, worauf Frau Flemming richtigerweise hingewiesen hat.

#10 |
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Schon in den 80er Jahren gab es eine deutsch finnische Studie, deren Inhalt die Wahrnehmungsstörungen im weitesten Sinn waren. Viele der damals als auffällig diagnostizierten Kinder ( Studie lief von Geburt bis zum Alter von 4 Jahren!! ) wurden im Rahmen der sehr frühen krankengymnastischen Therapie ( damals Bobath oder Voijta ) wesentlich besser und erreichten zum Teil nahezu Normalwerte. Ob nun diese Störungen im Gleichgewicht, Sehen, Hören, Koordination, Tiefensensibilität usw. das Ei oder die Henne sind, ist gerade in Zusammenhang mit ADHS eine nicht geklärte Frage. ADHS Patienten haben gerade eben das Problem der zuviel Wahrnehmung und des nicht Ausblendenkönnens, zeigen aber Defizite in elementaren Bereichen des Sinnesverschaltung. Leider wird heute dieser Aspekt nicht mehr so wichtig genommen. Die Diagnose ADHS wird im Schulalter gestellt, die Therapie an der Basis sollte aber schon im Säuglingsalter beginnen!

#9 |
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Dr. Simone Stüwe
Dr. Simone Stüwe

@ traurige Mutter:
Glauben Sie an Ihr Kind und stehen Sie immer zu ihm! Setzen Sie klare Grenzen, Lob und Tadel/Kritik müssen für solche Kinder immer unmittelbar erfolgen, sonst können sie keine Zusammenhänge zu ihrem Verhalten herstellen. Die Sozialentwicklung verläuft verzögert, die geistige Reife kommt später, damit muss man sich abfinden.
Ich bin betroffene Mutter, habe nie auslösende Faktoren begünstigt, mein erster Sohn (27, jetzt Student, vorher Schule mit ach und Krach geschafft, Abi in der Berufsausbildung) hat ADHS (im Alter von 6 a diagn.), der zweite (26) nicht. Ich habe mich bis zur Diagnose gefragt, was mit diesem ewig unruhigen, irritablen Säugling/ Kind nicht stimmt. Methylphenidat wurde uns verweigert, obwohl es 1990 schon klare Belege für die Wirksamkeit gab, stattdessen mit Chlorpromazin exp., was ich unterbunden habe. Seitdem hat mein Kind keine Medikation wg. ADHS bekommen, obwohl es für ihn sicher manches erleichert hätte (Impulskontrolle etc.)

#8 |
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Wir haben eine Methadonambulanz mit ca. 150 Patienten, davon weisen etwa 30% eine ADHS typische Hyperaktivität auf, die in der Kindheit überwiegend nicht diagnostiziert oder adäquat behandelt wurde. Die Drogeneinnahme verstehe ich als verzweifelte Form der Selbstmedikamentierung, da auch bis zum 1.7. 2011 die adulte Form des ADHS legal nicht zu behandeln war.
Da ADHS hochgradig vererbar (hihgly heritable s.o.)ist, nehmen die so schwangeren ihre Suchtmittel weiter und verschlechtern so die Sitution der (ungeborenen) Kinder zusätzlich.

#7 |
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Kommentar 7 weist auf einen Mangel des ansonsten ausgezeichneten Artikels hin, nämlich das nicht berücksichtigte Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität. Wir sehen hier Verlangsamung, verzögerte Reaktionen usw. – im Straßenverkehr und im Berufsleben, was ebenfalls zu Benachteiligungen (Kündigung) führen kann. Beide Formen des ADHS haben jedoch eine ganz andere Dimension als die einer Krankheit: es handelt sich um eine andere Wahrnehmungeweise, die sich nicht auf einen Punkt fokussiert, sondern umfassender ist und somit den Betroffenen kreativer sein lässt. Der Mensch mit “Aufmerksamkeitsdefizit” nimmt umfassender wahr als der Durchschnittsmensch, hat dahe rmehr zu verarbeiten (daher das “Defizit” an Aufmerksamkeit), wenn er aber erst einmal alles verarbeitet hat, eröffnet ihm das oft neue Sichtweisen auf die Welt, die dem Durchschnittsbürger fehlen.
Diese positive Seite des ADHS wird hier vernachlässigt – man kann, dafür habe ich Verständnis, natürlich nicht alles in einen Aufsatz packen.

#6 |
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Emilie Flemming
Emilie Flemming

Bei mir wurde ADS (“Veträumter Typ”) fälschlicherweise diagnostiziert. Eigentlich verbargen sich aber Symptome einer Postttraumatischen Belastungsstörung, welche eben im Bereich Konzentration fast gleiche Symptome aufweisen.
Der Arzt fragte mich aber damals keineswegs nach Lebensumständen etc. sondern hakte tatsächlich nur seine ADHS – Symptomliste ab und verschrieb mir Methylphenidat.

Ich denke dass die Diagnosestellung sehr viel bedachte und umfassender gestellt werden sollte.

#5 |
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Krankenpflegehelferin

Ps.
@ hat nicht jeder so ein bisschen ADHS?

Hallo!
Ich bin eine Betroffene und wurde deswegen als Kind von meinen Eltern oft mehrfach Täglich schwer misshandelt!
Musste da oben diese unnötige Äußerung sein?

#4 |
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Dr Stephan Heinrich Nolte
Dr Stephan Heinrich Nolte

Wie viele Erkrankungen ist auch das sog. ADHS eine dimensionale Störung, also nicht die Frage ob oder ob nicht, sondern wann und wieviel davon. Einen cut-off-Wert gibt es nicht. Es bleibt also Definitonssache, und ähnlich wie bei der Schilddrüse der normale TSH-Wert nun auf 2.5 runtergestuft wurde und damit Heerscharen zu Hypothyreotikern gemacht wurden, werden nun durch windelweiche Kritereien Heerscharen zu ADHSlern gemacht. Disease-mongering funktionier immer noch gut!

#3 |
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Martin Schiebel
Martin Schiebel

Als Betroffenersage ich nur: “Endlich, es wurde wirklich Zeit.” Bei mir zeigt sie sich durch erschwerte Aufmerksamkeit ohne motorische Unruhe. Hier wäre vor vielen Sitzungen Schulungen u.s.w. eine medikamentöse Hilfe sehr wichtig.

#2 |
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“Umweltfaktoren scheinen hingegen nicht die Rolle zu spielen, Hinweise liegen nur für toxische Stoffe wie Alkohol, Drogen oder Chemikalien während der Schwangerschaft vor.”

Nur während der Schwangerschaft? Auch wenn die Mütter nach Ende der schwangerschaft diese Dinge nicht mehr einnehmen – warum haben sie sie denn während der Schwangerschaft genommen?

Die nächste Umwelt, die ein Kind hat, ist die Mutter – auch nach der Schwangerschaft…

#1 |
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